Salto um Salta

In Salta kommen wir beim sehr netten Couchsurfer Luis unter, der ein großes Haus perfekt gelegen im Zentrum hat. Jeden Abend finden sich ca. 20 bis 30 Freunde im Innenhof ein und es wird gesungen, gekocht und gelacht. Eine sehr nette und lebhafte Atmosphäre – auch dank der zwei verrückten Hunde (einer mit exulzerierendem Lippentumor und ein Nackthund!). Ganz können wir aber nicht mithalten, schließlich sind wir normalerweise spätestens um 8 im Bett – zu der Uhrzeit fängt hier das Leben erst richtig an. Um 2.30 Uhr wird meistens „Zu Abend“ gegessen, um 5 Uhr morgens geht man zu Bett und erst gegen 14 Uhr erwacht langsam wieder das Leben im Haus. Völlig erschöpft überfällt uns an fast allen Abenden spätestens um Mitternacht der Schlaf.

Zum Glück haben wir einen eigenen Schlüssel mit dem wir uns dann auch vormittags frei bewegen können, denn spätestens um 8 sind wir wieder fit und unternehmungslustig. Salta gilt als eine der schönsten Städte Argentinien. Wir werden nicht enttäuscht: hübsche Kolonialbauten, schattige Alleen, nette Cafés, Geschäfte und grüne Plätze wohin das Auge reicht. Wir fühlen uns sehr wohl. Mit 500.000 Einwohnern ist es auch nicht zu groß und hektisch. Die komplette Innenstadt ist voller Shops und nach Wirtschaftskrise sieht es ganz und gar nicht aus. Anscheinend machen die Argentinier ihrem Ruf alle Ehre für jeden verdienten Peso zwei auszugeben. Ist ja auch nicht dumm, wenn im nächsten Jahr die gleiche Summe 40% weniger wert ist!

 

die berühmteste Kirche der Stadt

die berühmteste Kirche der Stadt

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Gerichtsgebäude

Gerichtsgebäude

Wir besuchen ein beeindruckendes Museum mit indigener Kunst. Die Ausstellungsstücke sind fantastisch. Die Inhaberin des Museums hat sie über 30 Jahre in ganz Südamerika gesammelt. Verglichen wird historische Kunst mit den heutigen Kunsthandwerksfertigkeiten. Besonders beeindruckend und ungewöhnlich ist für uns die Federkunst, die wir sonst noch nicht so oft gesehen haben. So werden z.B. Federn auf einer Box so angebracht, dass sich ein richtig feines farbenfrohes Motiv ergibt. Als selbsternanntes Highlight stellt das Museum Drucke der Bilder der Kirche von Uquía aus die wir schon von der Hinfahrt kennen, worauf eine Darstellung der Erzengel mit Gewehren und ähnlichen Waffen zu sehen sind.

Etwas verstörend an dem Museum ist aber der Historiker Diego, der uns durch das Museum führt. Wir vermuten, er hat vergessen sein Ritalin zu nehmen. Hibbelig wie ein ADHSler im Erwachsenenalter springt er von Gruppe zu Gruppe, scheucht einen förmlich durch das Museum, redet zusammenhanglos in sieben Sprachen und macht alle vollkommen verrückt. So sind wir ganz froh als wir dann wieder draußen sind und uns nicht mehr vorschreiben lassen müssen: „Ok, weiter, weiter. Jetzt genau hierhin gehen, das ist wichtig wegen der Beleuchtung. Und jetzt hier ins Gästebuch schreiben. Jeder schreibt seinen Geburtsort rein und dann einen Kommentar, aber nicht auf Deutsch, auf Englisch!“ Zu guter Letzt setzt er uns einfach vor die Tür und knipst das Licht aus, obwohl das Museum noch geöffnet hat! Oh je… Lustig aber, dass wir Philipp aus Berlin im Museum treffen, der doch tatsächlich Totos Bruder Flo kennt und sogar seine Promotion gelesen hat – das wird wohl mit unseren Werken nie geschehen!

Weiter gehen wir alle zusammen zum Hochalpinen Archäologischen Museum. Auf dem Vulkan Llullaillaco hier in der Nähe wurden 1999 auf knapp 7000 m (!) Höhe drei perfekt erhaltene Kinderleichen aus der Inkazeit gefunden. Das Museum beschreibt die etwas verstörende Praxis der Inka, besonders schöne Kinder aus dem Adelsgeschlecht zu opfern, um die Naturgötter zu besänftigen und Bünde innerhalb des Riesenreiches durch rituelle Ehen der Kinder zuvor zu festigen. Im Wechsel wird immer eine der drei Eismumien ausgestellt. Es ist unglaublich wie gut alles erhalten es. Es sieht aus als würde das mit angezogen Beinen dasitzende Mädchen gleich aufstehen und loslaufen. Die Kleidung, die Haut, die Haare, alles erhalten. Das einzige was unnatürlich ist, ist die Hautfarbe im Nacken und Teilen des Gesichtes. Die Experten sagen, sie wurde post mortem von einem Blitz getroffen. Auch das fein gewobene Shirt könnte heute noch in einer der zahlreichen Boutiquen von Salta verkauft werden.

Am nächsten Tag brechen wir dann schon wieder auf um eine Rundtour um Salta zu machen. 90 km geht es mit dem Bus nach Alemanía, nicht zu verwechseln mit Alemania, also Deutschland. Als ich nämlich nach einem Colectivo nach Alemania frage, ernte ich nach anfänglicher Ratlosigkeit dann großes Gelächter. Naja, nach Deutschland geht es dann doch besser mit dem Flugzeug… In Alemanía fängt die fantastische „Quebrada de las Conchas“ an mit ihren leuchtend roten Felsen und zahlreichen Felsformationen.

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In der „Garganta del Diablo“ einer steilen Nebenschlucht klettern wir hoch, um oben im Trichter ein tolles Echo zu hören. Dann gibt es noch ein natürlich entstandenes Amphitheater von riesiger Dimension mit phänomenaler Akustik für Theater und Musik. Vorbei an zahlreichen kleineren Formationen, Papageiennestern und -schwärmen geht es dann in die Toscana. So sieht es jedenfalls aus. Nach der kargen Felslandschaft sich plötzlich mitten in sattgrünen Weinfeldern und schattigen Zypressenalleen auf einem Fahrradweg (!) wiederzufinden ist schon ein bisschen Kulturschock. Der wohl schnellste Weg von Salta nach Europa! Cafayate ist wunderschön – mit schön renoviertem Ortskern, gelegen in Weinfeldern mit alten, idyllischen Weingütern und umgeben von einer wolkenverhangenen Gebirgskette.

Zwei Franzosen erstürmen den "Teufelsschlund" (Garganta del diablo)

Zwei Franzosen erstürmen den „Teufelsschlund“ (Garganta del diablo)

ein beeindruckender Einschnitt im Felsen

ein beeindruckender Einschnitt im Felsen

Laura topmotiviert

Laura topmotiviert

"Anfitheater" mit grandioser Akustik

„Anfitheater“ mit grandioser Akustik

wegen Windrauschen wenig davon zu merken

wegen Windrauschen wenig davon zu merken

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Papageienbruthöhlen - leider gerade ausgeflogen

Papageienbruthöhlen – leider gerade ausgeflogen

nur wesentlich schöner und beeindruckender

nur wesentlich schöner und beeindruckender

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"Der Obelisk"

„Der Obelisk“

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Gott sei Dank nur das Flussbett und nicht die Piste

Gott sei Dank nur das Flussbett und nicht die Piste

Wir checken in den Campingplatz ein, schlagen uns den Bauch mit Empanadas und Wein voll und schlafen erschöpft ein. Nach einer erholsamen Nacht radeln wir am nächsten Morgen zum Hightech Weinmuseum. So wird man in einem Raum zum Beispiel durch das Jahr des Weinbauerns mit Erklärungen zu jedem Monat auf 12 Schildern geführt. Links und rechts davon an den Wänden sind Leinwände aufgebaut auf denen eine Videosequenz von einem Weinfeld abgespielt wird mit erntenden Männern, so verfolgt man die Tätigkeiten des Weinbauern direkt im Weinfeld stehend. Mehrere Hologramme, die einen Redner auf einen Flaschenkorken oder neben ein Weinglas zaubern, bringen uns dann später noch weitere Details der Weinherstellung bei. Neben der beeindruckenden Technik auch ein sehr informativer Vormittag. So erfahren wir, dass hier auf bis zu 3800m (!) Wein angebaut wird und hier somit die höchsten Weine der Welt gewonnen werden. Dank kargen sandigen Böden, bis zu 345 Sonnentagen im Jahr und kühlen Nächten bilden sich gleichwohl Süße, Aromen und Säure in den Trauben aus, die gleichzeitig durch Höhe und Wind vor Schädlingen bewahrt werden. Der Torrontés aus Cafayate genießt ganz besonderen Ruhm!

Die erste Bodega

Die erste Bodega

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romantische Weinlandschaft

romantische Weinlandschaft

Touri-Gag (größter anzunehmender Gag)

Touri-Gag (größter anzunehmender Gag)

Dann schwingen wir uns wieder aufs Rad und fahren ein Stück aus der Stadt heraus zu den Weingütern. Dort werden kostenlose Führungen und Verköstigungen angeboten. Die riesigen weißen Güter inmitten von Weinfeldern wirken wie eine andere, dekadente Welt. Probieren dürfen wir einen Rotwein der 200 Pesos pro Flasche kostet – er schmeckt scheußlich. Der billige Weißwein ist dafür exzellent. Der Wein ist insgesamt unfassbar billig hier in Argentinien und für 2 US-Dollar ist schon eine ansehnliche Flasche Rot zu haben.

Dieser Bodega statten wir einen Besuch inkl. Verköstigung ab

Dieser Bodega statten wir einen Besuch inkl. Verköstigung ab

easy cycling am Ruhetag

easy cycling am Ruhetag

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bei "Nanni", dem einzigen Bio-Weingut

bei „Nanni“, dem einzigen Bio-Weingut

Intensivstation

Intensivstation

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Nach dem Vergnügen dann die Pflicht: am nächsten Tag geht’s weiter in Richtung Cachi. Nach 20 km endet der Asphalt. Die wüstige Landschaft wird immer wieder unterbrochen durch grüne Oasen und die verworrenen Felsformationen der „Quebrada de las Flechas“ machen den Weg interessant. Unterschlupf finden wir abends im Weingut – ein sehr idyllischer Platz zum Campen zwischen den Rebstöcken mit Blick über die rotleuchtenden Felsketten in der Ferne. Durch verschiedene kleine Dörfer mit unter 1000 Einwohnern und reichlich Wild West Flair führt der Weg am nächsten Tag hügelig an einem Flusstal entlang. Die imposanten, begrünten Dorfplätze mit Statuen und Palmen beeindrucken vor allem in Seclantás. 26 km vor Cachi haben wir keine Lust mehr verbringen die Nacht mit Traumblick über das Flusstal an einem verlassenen Haus – zwei Tage bevor wir erfahren, dass hier schwarze Witwen heimisch sein sollen!

sandiger Boden

sandiger Boden

When i'm rolling through the ....

When i’m rolling through the ….

Rette deine Sehle - bei der Hitze wohl eher die Kehle!

Rette deine Sehle – bei der Hitze wohl eher die Kehle!

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Beginn der "Quebrada de las flechas"

Beginn der „Quebrada de las flechas“

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mächtige Einschnitte

mächtige Einschnitte

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bitte treten Sie ein - unser  Zeltplatz für die Nacht

bitte treten Sie ein – unser Zeltplatz für die Nacht

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leider war der Wein noch nicht reif...

leider war der Wein noch nicht reif…

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einmal Papagei sein

einmal Papagei sein

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Uluru

Uluru

wie zu Hause

wie zu Hause

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nur noch 4445 km bis Ushuaia! das Schild 1km vorher war wohl ein beliebtes Andenken

nur noch 4445 km bis Ushuaia! das Schild 1km vorher war wohl ein beliebtes Andenken

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Zelten an einem verlassenen Haus

Zelten an einem verlassenen Haus

wieder guter Blick- das Mammut da unten ist übrigens ein sehr wolliges Lama

wieder guter Blick- das Mammut da unten ist übrigens ein sehr wolliges Lama

Am Morgen kommen uns zwei nette Radfahrer entgegen– Marc aus England und Carwyn aus Schottland. Die werden wir sicher bald wiedertreffen, denn auch sie fahren Richtung Süden nach Mendoza und dann ins Seengebiet. Entlang der Strecke gibt es immer wieder Schreine für „Gauchito Gil“ – den argentinischen Volksheiligen, der wohl Anfang des 19. Jahrhunderts so eine Art hiesiger Robin Hood war. Sie sind zumindest in ähnlicher Dichte wie die Kirchen gesät und genießen weiterhin große Verehrung.

Papagei am Morgen, Tag ohne Sorgen

Papagei am Morgen, Tag ohne Sorgen

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Gauchito Gil - eine Art argentinischer Robin Hood wird allerorten verehrt.

Gauchito Gil – eine Art argentinischer Robin Hood wird allerorten verehrt.

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Gletscher!

Gletscher!

Cachi - Umgebende Bergketten bis 6000er

Cachi – Umgebende Bergketten bis 6000er

Nach einer sehr einfachen Etappe erreichen wir am frühen Nachmittag den herrlichen Campingplatz von Cachi. Es ist so heiß, dass wir froh sind uns im Baumschatten ausruhen zu können. Am späten Nachmittag ist es dann erträglicher und wir raffen uns auf zum Aussichtspunkt am Friedhof hochzulaufen. Nach Empanadas und Wein schlafen wir schnell ein – auch weil zum Glück die argentinische Party Crowd „schon“ um 10 den Campingplatz verlässt. Kira und Sven hatten uns schon damals in Peru von den berüchtigten argentinischen Campingplätzen erzählt, wo man am Wochenende keinen Schlaf findet, da die Einheimischen ihn zu einer riesigen Partywiese umfunktionieren. Tatsächlich sind auch noch einige am Sonntagnachmittag da, mit kindshohen Boxen auf maximale Lautstärke gedreht – wie das wohl ist, wenn noch zehn weitere Familien andere Musik laut aufdrehen? Gut, dass wir nicht schon gestern angekommen sind.

Papst-Tante-Emma- Laden: Ob der Papst wirklich Cola mochte?

Papst-Tante-Emma- Laden: Ob der Papst wirklich Cola mochte?

"Ich will in Würde arbeiten und leben - ich will Strom!"

„Ich will in Würde arbeiten und leben – ich will Strom!“

Am nächsten Tag müssen wir dann von 2000m über einen 3400m hohen Pass, nur um dann gleich wieder auf 1200m nach Salta abzustürzen. Ein langer Tag – es sind gut 160 km. Bis zum Pass gibt es zur Abwechslung mal wieder Asphalt. Es geht durch eher öde Kakteenlandschaften, einzig der Blick von oben auf das Kaktusmeer ist fantastisch – leider kommt es auf dem Foto nicht so gut rüber.

"lange Gerade" von TinTin

„lange Gerade“ von TinTin

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mächtige Kakteen

mächtige Kakteen

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faszinierende Gesteinsschichten

faszinierende Gesteinsschichten

Blick von oben auf das Kakteenmeer: Ebene von Tintin

Blick von oben auf das Kakteenmeer: Ebene von Tintin

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Bei der Streckenkalkulation haben wir uns mal wieder ordentlich vertan, statt nach 30 km, kommt der höchste Punkt erst nach 50 km – eine nervenzehrende Angelegenheit. Auch das angekündigte Restaurant mit der lang ersehnten Cola hat geschlossen. Zudem hört auch noch der Asphalt auf. 20 km geht es herunter auf harter, welliger Piste – die sowieso schon schmerzenden Beine werden noch weiter strapaziert. Der Blick von oben auf die sich herunter schlängelnde Straße ist aber wie immer schön. Als der Asphalt wieder beginnt, fahren wir durch bunte, wunderschöne Felsen und dann durch ein idyllisches enges Flusstal mit nun üppiger Vegetation – so, so unbeschreiblich schön!

endlich am höchsten Punkt - wir dachten leider, er läge auf 3100!

endlich am höchsten Punkt – wir dachten leider, er läge auf 3100!

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Abfahrt nach El Carril

Abfahrt nach El Carril

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idyllische Kirche

idyllische Kirche

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Felsfarben vom Feinsten

Felsfarben vom Feinsten

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In El Carril 40 km vor Salta versuchen wir einen Pickup anzuhalten, um uns den Stadtverkehr zu ersparen. Das klappt wieder nicht. So erreichen wir um 20 Uhr nach über 160 km erschöpft Luis Haus – gerade als es anfängt zu hageln. Im Haus erwartet uns dann eine schöne Überraschung – die Radler Sam und Flu aus der Schweiz, die wir zum ersten Mal in Ayacucho und dann wieder in San Pedro getroffen haben, sind mittlerweile auch in Salta eingetroffen!

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