Hitzefrei! Oasenstop in der Atacamawüste

In San Pedro angekommen, geht es erst mal zur Immigration, wo wir problemlos das chilenische Visum kriegen und entgegen der Vorwarnungen auch ohne Röntgen und jegliche Taschenkontrolle durchkommen. Vollkommen verstaubten Fahrradtouristen von der Lagunenroute traut man anscheinend nicht zu, noch extra Kilo an frischen Früchten oder Schädlingen mit sich herumzuschleppen. Die Stadt ist dann ein Schock. Wie lange haben wir schon keine gestrichenen Häuser mehr gesehen? Bäume und Blumenschmuck in der Wüste? Schön verzierte Holzpanelen zieren die Hotelfassaden, Touragenturen und Souvenirläden. Der ganze Ort ist herausgeputzt und sehr kitschig, aber genau auf diese Oase hatten wir uns ja eingestellt – und wenn man ehrlich ist auch gefreut!

Der wirkliche Schock erwartet uns aber noch, nachdem wir endlich in der Lage waren, Geld beim sporadisch arbeitenden ATM zu holen: das Preisniveau ist mindestens europäisch und im Vergleich zu Bolivien darf man getrost Faktor 5-10 (!) rechnen… Wir checken im „Casa del Sol Naciente“ ein – hier darf man für 5 Euro pro Nase ZELTEN, aber dafür gibt es einen netten Aufenthaltsraum, gutes WIFI und sehr nette Inhaber. Am ersten Abend teilen wir mit zwei netten Deutschen beim Pizzaessen in der Stadt den Tisch, die tatsächlich in drei Wochen (!) von Santiago de Chile über die Atacamawüste, Salta und die Wasserfälle von Iguazu schließlich nach Rio de Janeiro reisen. Rasen wäre hier wohl die angebrachtere  Bezeichnung und erinnert uns daran, warum wir diesen Fernurlaub VOR Antritt des Berufslebens absolvieren (Die Frau ist niedergelassene Pneumologin). Jetzt ist es übrigens offiziell geschafft – nach vier Monaten, gefühlten 8 Tagen Skype-Telefonaten, 20 Mails und vielen verlorenen Nerven ist unser Flug auf den 20. Februar 2015 verschoben! So werden wir leider erstmals Weihnachten fern der Heimat sein, aber freuen uns natürlich auf zwei Monate Chile und Argentinien mehr…

Die ersten Tage verbringen wir noch mit Aufarbeiten der Schäden und Strapazen, die die Lagunenroute hinterlassen hat. Die von Salz, Sand und Schotter entstellten Räder, Kleidungsstücke, Zelt und Körper müssen geputzt, geölt und festgezogen werden. Mein Frontgepäckträger ist wegen Gewicht und Waschbrettpisten auf beiden Seiten gebrochen und es gibt in diesem 2000-Einwohner-Loch tatsächlich eine Autowerkstatt, die Aluminium schweißt – fast zum Neukostenpreis, aber an Neukauf ist hier natürlich nicht zu denken. Mal sehen wie lange das hält… Ich werde zum Stammgast der Ferretería (Eisenwarenhandel), um Lenker und Bremse wieder zusammenzuflicken und den Benzinkocher erstmals mit edlem Waschbenzin (Benzina Blanca) zu befüllen.

Auch das leibliche und psychische Wohl erfährt immense Erholung. So kochen wir aus Herzenslust: jeden Morgen Pfannkuchen (mit reichlich Butter und Zucker), Grillabend, Kartoffelpüree und mexikanische Wraps füllen die mentalen Kraftspeicher und die Hüften wieder ein wenig. Bei über unfassbaren 30°C untertags und 5-10°C am Morgen streifen wir in kurzer Hose und T-Shirt durch die Gassen der Stadt und fühlen uns wie im deutschen Hochsommer! Zum ersten Mal gibt es auch wieder Salami, Käse und westlichere Lebensmittel in den Geschäften der Stadt. Selbst das Obst hat in Chile keinen Kratzer, sondern sieht aus wie aus dem Münchner Feinkostladen.

Grillabend !!

Grillabend !!

Die Anzahl der Touristen in der Stadt ist unfassbar und nicht allein durch den Transfer nach Bolivien zu erklären. So muss wohl irgendetwas dran sein an den Ausflugszielen der Umgebung – denken wir und radeln nachmittags ins Valle de la Luna, das nach der trostlosen Oberfläche des Erdtrabanten benannt ist. Und tatsächlich: trostlos ist es. Ein paar der Sand- und Schotter-Formationen sind auch halbwegs skurril, aber wir sind froh, dass wir am Tickethäuschen vorbeigerast sind und dafür nicht auch noch bezahlen. Der Ausflug von San Pedro (15km!) ist tatsächlich schon ab 30 US-Dollar zu haben – Eintritt NICHT inklusive, was geht hier eigentlich ab? Der Sonnenuntergang an der großen Düne bringt wenigstens etwas Farbe aufs Geröll. Einzig die glühende Gebirgskette um den Licancabur und die Erinnerung an das Altiplano erwärmen unser Herz. Been there, done that.

Sunset im Mondvalley

Sunset im Mondvalley

Neue Bewerbungsphotos aus der Atacamawüste

Neue Bewerbungsphotos aus der Atacamawüste

DSC_2156

einmal im Leben Kamel sein

einmal im Leben Kamel sein

joah, staubige Angelegenheit

joah, staubige Angelegenheit

von Wind, Sand und Regen (!) geformte Landschaft

von Wind, Sand und Regen (!) geformte Landschaft

ein kleiner Schritt für Laura, ...

ein kleiner Schritt für Laura, …

bizarrer Fels

bizarrer Fels

Am nächsten Tag radeln wir südlich zur Laguna Cejar. Gegen starken Gegenwind kämpfen wir uns 20km, um dann ein etwas ernüchterndes Wasserloch vorzufinden – jede Lagune im Altiplano war da schöner. Weit entfernt haben sich zwei Flamingos vor den Bustouristenmassen geflüchtet. Allerdings ist hier unten in der Atacamawüste (ca. 2350 M. ü. N) auf Grund der höheren Temperaturen Badespaß drin und zwar mit floating Faktor. Wegen des Salzgehalts ist man wortwörtlich obenauf und kann sich treiben lassen. Verglichen mit dem toten Meer sind Auftrieb und öliges Gefühl auf der Haut viel weniger ausgeprägt – dennoch hübsch. Zum Abwaschen der Salzkrusten, die sich auf der Haut danach bilden gibt es eine moderne Duschanlage und WCs. Chile ist wirklich eine andere Welt und Europa wohl wesentlich näher als seinen nördlichen Nachbarn. Vor Schreck haben wir vergessen Photos zu machen, lässt sich aber durch Google nachholen…

An der Laguna Cejar

An der Laguna Cejar

Am letzten Abend treffen wir uns noch mit den frisch eingetroffenen Samuel, Flurina und Jörg, die wir allesamt noch aus Peru kennen. Morgen früh wollen wir „den Finger machen“ – also versuchen einen LKW anzuhalten, um uns die beschwerlichen 2000 Höhenmeter in Richtung Paso Jama wiederhochfahren zu lassen, die wir bereits durch die Abfahrt von Bolivien kennen, um danach wieder fleißig in Richtung Jujuy und Salta in Argentinien zu pedalieren.

Heute Nacht erwartet uns hoffentlich noch ein funkelndes Highlight: die Atacamawüste ist wegen der seltenen Regenfälle (1/50 der Regenmenge des death valley!), kaum existenter Lichtkontamination und der besonders ruhigen, klaren Luft der beste Ort der Welt zum Sternegucken. Rund um San Pedro stehen die größten Teleskope der Welt, die Astronomen rund um den Planeten die Daten und Bilder für ihre Berechnungen liefern. Sie tragen die einfallsreichen Namen „großes Teleskop“ und „sehr großes Teleskop“. Derzeit wird übrigens am „extrem großen Teleskop“ geschraubt, das für die EU ab 2018 in Betrieb gehen soll. Und so werden auch wir uns um Mitternacht aus den Betten quälen, um durch „eher kleine Teleskope“ Milchstraße, Stern des Südens und das kleine Fahrrad am Himmelszelt zu suchen.

Zur aktuellen Karte

Mehr Bilder aus der Atacamawüste (cave: staubig)

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