Jetzt fahren wir übern See, übern See, jetzt fahren wir übern.. – Lagunenroute, Teil 1

Der erste Tag geht dann erstaunlich gut los. Wir können easy aus San Juan rausfahren, dann kommt ein weiterer trockener Salar, auf dem man fast wie auf Asphalt düst. Weiter geht es zu einem Militärcamp, wo uns ein netter Soldat ein Schattenplätzchen für eine Kekspause bereitstellt und wir unsere Trinkflaschen wieder auffüllen. 15 Kilometer danach beginnt dann ein langer Anstieg. Hier fahren wir so gut wie nichts mehr dank starkem Wind, Steigung und sandig bis steinigem Untergrund. Aber da wir uns auf das Schieben eingestellt haben, trübt es unsere Laune nicht. Trotz spätem Aufbrauch erreichen wir schon um 16 Uhr entspannt das Tagesziel: ein steinerner Windschutz in einem ausgetrockneten Flussbett. Wir überlegen, ob wir noch bis zum Gipfel schieben sollen, da es dort auch noch Campingmöglichkeiten geben soll, oder hier bleiben. Letztlich sind die Kilometerangaben in dem .pdf Dokument von tour.tk aber so ungenau (unser Campingplatz war zehn Kilometer früher angeben), dass wir nicht genau wissen wann der Gipfel kommt und wie weit das alles noch ist, sodass wir einfach bleiben und in aller Ruhe noch in der Sonne und abendlichen Wärme kochen. Die Nacht ist erstaunlich warm auf knapp 4100 m.

so steckt man hier fest bei Regen!

so steckt man hier fest bei Regen!

kurz vor Chiguana

kurz vor Chiguana

Vulkan Ollagüe begleitet uns

Vulkan Ollagüe begleitet uns

der Aufstieg beginnt

der Aufstieg beginnt

hier schiebt man meistens hoch (sehr sandig)

hier schiebt man meistens hoch (sehr sandig)

schön warm noch abends

schön warm noch abends

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elektrisiert am Morgen

elektrisiert am Morgen

Am nächsten Tag schieben wir die letzten Kilometer zum Gipfel. Es wäre nicht mehr weit gewesen, aber von Windschutz zum Campen ist da oben keine Spur. Eine kurze Abfahrt können wir dann wieder radeln. Doch schon bald ist es wieder flach mit 20 – 30 cm Sand und die Schieberei geht weiter. Bis zur Hauptstraße – die ist ein Traum. Mist, wären wir nicht über diesem Gipfel gefahren, hätten wir von San Juan aus über Avaroa auf dieser Straße bleiben können, das wäre sicher viel einfacher gewesen.

Wir halten Kekspause auf Dünen in surrealer Felsenlandschaft. Es ist warm und die Dünen fühlen sich an wie die Nordsee. Bald müssen wir dann wieder abbiegen von der Hauptstraße und es geht wieder absurd steil auf einer absurd schlechten Straße nach oben – radeln Fehlanzeige. Es hält ein Jeep an und fragt, ob wir Wasser brauchen, sehr nett! Gestern haben wir quasi keinen Jeep gesehen, da die alle die Hauptstraße nehmen. Heute waren es schon mehr, aber alle haben guten Abstand gehalten und sind in einem angemessen Tempo vorbeigefahren. Unter Radfahren erzählt man sich nur Horrorstories von betrunkenen Jeepfahrern, die ohne Abstand an einem vorbeibrettern und Touristen, die einem das Kameraobjektiv ungefragt ins Gesicht drücken, gerne auch um 6 Uhr morgens, wenn man aus dem Zelt kriecht. Bisher haben wir aber nur gute Erfahrungen gemacht.

hier grasen Vicunas

hier grasen Vicunas

30cm Sand - wer hier "fährt" hat 4 Reifen oder ein Fatbike

30cm Sand – wer hier „fährt“ hat 4 Reifen oder ein Fatbike

Sand in einer seiner schöneren Formen

Sand in einer seiner schöneren Formen

Mittagsrast wie auf Rügen

Mittagsrast wie auf Rügen

Marmeladenbrot!

Marmeladenbrot!

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Das heutige Tagesziel erreichen wir schon um 14 Uhr, die fantastische Laguna Cañapa. Eine Stunde lang verbringen wir damit die zahlreichen Flamingos, die nur einen Meter von uns entfernt stehen, zu beobachten. Plötzlich schleicht dann sogar auch noch ein Andenfuchs vorbei! Leider sieht er uns, bevor er sich einen Flamingo schnappen kann, ändert sein Plan, dreht um und legt sich erstmal entspannt in die Sonne. Aufs National Geographic Photo of the Year müssen wir also noch ein Weilchen warten…

hilfreich - danke!

hilfreich – danke!

viele Optionen - alle schlecht

viele Optionen – alle schlecht

die Alternative zu Sand - Waschbrettpiste

die Alternative zu Sand – Waschbrettpiste

Viscacha- Hase mit Schwanz!

Viscacha- Hase mit Schwanz!

mhm ... da kann ich mich gar nicht entscheiden

mhm … da kann ich mich gar nicht entscheiden

Cabana - die erste Lagune!

Cabana – die erste Lagune!

Laura in der Nähe... "Tu mal so, als könnten wir hier radeln"

Laura in der Nähe… „Tu mal so, als könnten wir hier radeln“

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schöne Lagunenlandschaft

schöne Lagunenlandschaft

täuschend echte Mimikri

täuschend echte Mimikri

Laguna Cabana

Laguna Cabana

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drei verschiedene Flamingos hausen hier

drei verschiedene Flamingos hausen hier

guter Zeltplatz Laguna Cabana

guter Zeltplatz Laguna Cabana

Flucht!

Flucht!

vor dem Fuchs...

vor dem Fuchs…

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Wir beschließen noch 10 km weiter zu schieben bis zur Laguna Hedionda wo es ein Hotel und damit eine Dusche gibt. Auch dieser See ist ein Traum – besonders im Licht der untergehenden Sonne. Alle drei südamerikanischen Flamingoarten sollen hier zuhause sein. Wieder gibt es nur eine kalte Dusche, trotz stolzem Preis und nach dem Abendbrot (Suppe, eine Mini-Hähnchenbrust, drei abgezählte Bohnen, ein Klecks Kartoffelpüree und Pfannkuchen als Nachtisch) gehe sogar ich hungrig zu Bett. Kurz überlegen wir noch einen Flamingo zu grillen, doch wahrscheinlich ist da nicht so viel dran… nur Beine. Schön ist aber, dass wir zwei sehr nette Italiener, Paola und Silvano, im Hotel treffen und uns mit ihnen beim Abendbrot austauschen. Sie waren schon oft in Bolivien zum Radurlaub, nun zum ersten Mal für eine längere Zeit: sechs Monate bis Ushuaia. Sie haben ihre Räder selbst zusammen gebaut, ihre eigene Radmarke erfunden und sich passende Trikots dazu bedrucken lassen. Très chic! Und sehr professionell. Eine Idee für wenn wir mal Geld haben…

Laguna Cabana - Kein Eis, sondern Salz!

Laguna Cabana – Kein Eis, sondern Salz!

Mörderpiste zwischen Cabana und Hedionda

Mörderpiste zwischen Cabana und Hedionda

Laguna Hedionda

Laguna Hedionda

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das EcoHostal "Flamecos"

das EcoHostal „Flamecos“

Hedionda am nächsten Morgen

Hedionda am nächsten Morgen

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Die Beiden bleiben noch einen Tag länger, da sie noch Gepäck mit einem Jeep verschicken wollen. Wir machen uns nach einem sehr gemütlichen Frühstück mal wieder viel zu spät auf den Weg. Die Flaschen haben wir nochmal bis auf 20 Liter aufgefüllt, allerdings ist das Wasser des Hotels „leicht salin“ – auf gut deutsch scheusslich salzig. Der Hotelbesitzer meinte, dass es die Radfahrer immer tränken. Ich weiß ja nicht… zum Glück haben wir noch 10 Liter Frischwasser übrig. Das Andere nehmen wir dann wohl erstmal nur zum Kochen.

Der Tag ist eine ganz angenehme Mischung aus Schieben und Radfahren. Schon um 14 Uhr sind wir an der beschriebenen Campingmöglichkeit an der Engstelle eines sandigen Tales. Die nächste soll laut der Beschreibung erst in weiteren 20 km kommen, sodass wir einengemütlichen Lesenachmittag mitten in der Wüste einlegen. Gegen Abend bekomme ich Kopfschmerzen, wir sind auf 4570 m. Ich nehme eine Paracetamol, die leider keine Wirkung zeigt. In der Nacht wache ich mit rasenden Kopfschmerzen auf, nehme eine Ibuprofen und schlafe wieder ein. Am Morgen leider keine Besserung. Ich nehme noch eine Ibu, die wieder nicht hilft. Eigentlich haben wir alles richtig gemacht. Wir waren eine ganze Woche am Titicacasee auf 3800 und jetzt die letzte Woche in La Paz und am Salar auf 3600 m. Die letzten zwei Tage haben wir auf 4100 m übernachtet, ohne Probleme. Man soll nicht mehr als 1000m in der Woche aufsteigen, auch das haben wir also eingehalten. Also warum werde ich höhenkrank??

schöne Laguna (Santa Cruz)

schöne Laguna (Santa Cruz)

hinter den ersten Lagunen wird mal wieder nur geschoben

hinter den ersten Lagunen wird mal wieder nur geschoben

Zeltplatz auf 4575m

Zeltplatz auf 4575m

Mist, mist, mist. Laut Leitlinien dürfen die Beschwerden 24h anhalten und man soll auf der Höhe bleiben. Wenn sie dann nicht verschwinden muss man absteigen um 500 bis 1000 Meter. Absteigen bedeutet in unserem Fall abbrechen: San Pedro de Atacama am Ende der Lagunenroute ist der einzige Ort der unter 4000 m liegt. Der Tag ist anstrengend. Ich lasse es sehr langsam angehen, am Morgen schiebe ich nur. Toto kommt immer wieder zurück, hilft beim Schieben oder fährt mein Rad vor. Am Nachmittag sind die Kopfschmerzen besser und ich fahre wieder. Wir sind optimistisch. Wir passieren den Abzweig zu einem weiteren Luxushotel (Hotel Desierto), das nur 1,8km von der Straße wegliegt und eine weitere Wasserquelle ist. Unsere Vorräte sind noch ziemlich voll und daher verzichten wir auf den Abstecher. Andere Radler haben hier aber Wasser gekriegt und sogar einen kostenlosen Schlafplatz im Jeep-Chauffeurszimmer mit kostenlosem Frühstück!

Lauf, kleines Vicuna, lauf!

Lauf, kleines Vicuna, lauf!

"Abfahrt" zum Hotel Desierto - Abschub trifft es besser

„Abfahrt“ zum Hotel Desierto – Abschub trifft es besser

hier rects abbiegen zum Hotel El Desierto!

hier rects abbiegen zum Hotel El Desierto!

technisches KO in der 149. Kurve

technisches KO in der 149. Kurve

Laura - wo ist Dein Rad???

Laura – wo ist Dein Rad???

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Hinter dem Abzweig geht es gefühlt eeeeewig durch eine leicht ansteigende Schotterwüste, die ca. zu 50% fahrbar ist, bevor sie am Ende in eine besser unterhaltene Art Straße (!) übergeht. Wir wählen einen Campingplatz in einem verlassenen Haus, der laut Beschreibung auf 4300m liegen soll. Stimmt leider nicht. Liegt vielmehr wieder auf ca. 4550 m. Doch mir geht es gut. Es ist mal wieder erst 14 Uhr. Unsere Unterkunft hat zwei Zimmer, ein Schlafzimmer und ein Esszimmer, welch Luxus! In der Nacht wache ich aber wieder mit rasenden Kopfschmerzen auf! Nein!!! Ich mache mir gar nicht die Mühe eine Schmerztablette zu nehmen, wirkt eh nicht, und schlafe gottseidank wieder ein. Am nächsten Morgen geht es mir wieder gut. Was tun? Die 24h Regel ist überschritten, aber nun geht es mir ja wieder gut. Das heutige Etappenende ist an der Laguna Colorado, die nur auf 4300 m liegt. Also fahren wir weiter. Ich trinke viel, vielleicht liegt es auch nur daran, dass wir Wasser sparen, weil wir immer Angst haben, dass es uns ausgeht? Leichte Kopfschmerzen stellen sich ein, aber nichts weiter Dramatisches. Wenn es an der Lagune nicht ganz weg ist, müssen wir abbrechen.

verlassenes Haus 10km vor dem Arbol de Piedra

verlassenes Haus 10km vor dem Arbol de Piedra

bietet perfekten Schutz

bietet perfekten Schutz

Vorzelt passt leider nicht

Vorzelt passt leider nicht

stilsicher mit Entenpopo

stilsicher mit Entenpopo

wie am Strand - kriegen auch Sonnenbrand

wie am Strand – kriegen auch Sonnenbrand

unser Frühstückstisch im Nachbarraum

unser Frühstückstisch im Nachbarraum

unser Nachtquartier - "tu hostal" scherzt der Jeepfahrer, der uns 2l Wasser schenkt - DANKE!

unser Nachtquartier – „tu hostal“ scherzt der Jeepfahrer, der uns 2l Wasser schenkt – DANKE!

Fortsetzung folgt!

Zur aktuellen Karte

Mehr Bilder von der Lagunenroute

Gute, doch etwas veraltete Beschreibung der Lagunenroute von tour.tk

Unser update dazu

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2 Gedanken zu “Jetzt fahren wir übern See, übern See, jetzt fahren wir übern.. – Lagunenroute, Teil 1

  1. Ein ausführlicher langer interessanter Bericht mit vielen schönen Fotos,

    Also zum Schluss bin ich hier gewesen und dann fehlten einige Fotos die vorher da waren,
    aber beim Anklicken waren die Bilder sichtbar.
    >> https://lolaundtotorollen.wordpress.com/2014/11/11/jetzt-fahren-wir-ubern-see-ubern-see-jetzt-fahren-wir-ubern-lagunenroute-teil-1/

    Hinweis Ihr könnt auch Kategorien und Tags verwenden von jedem rund max 5 rund am besten.
    Dann habt Ihr mehr Chancen auf Besucher.
    mfg aus Lima.

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