Salz im Getriebe

Uyuni ist ein riesiges Touriloch mit entsprechenden Preisen. Leider können wir nicht direkt nach dem Nachtbus zum Salar durchstarten, sondern müssen eine Nacht hiee verbringen, da Toto noch einige Reparaturen an seinem Rad vornehmen muss. Am nächsten Morgen schicken wir für nur 50 Bolivianos (6 Euro) einen prall gefüllten 79l Seesack (ca. 20kg) mit einer der zahlreichen Jeep-Firmen (Estrella del Sur) nach San Pedro vor und dann geht es deutlich erleichtert los zum Salar. Der Salar de Uyuni ist die größte Salzwüste der Welt (10.000 km²!!!). Entstanden ist sie durch das Austrocknen des Tauca Salzsees vor mehr als 10.000 Jahren. Neben Salz, soll hier in Zukunft auch das begehrte Lithium, welches man vor allen Dingen zur Herstellung von Akkus benötigt, gewonnen werden. Der medizinisch verwendete Anteil des Lithiums beträgt übrigens nur 2%. Tatsächlich befinden sich hier die wohl größten Lithium-Reserven der Welt (70% des weltweiten Vorkommens). Bei dem stätig steigendem Bedarf an Handys, Laptops und in Zukunft vielleicht auch Elektroautos eine sehr lukrative Geschichte. Es wird geschätzt, dass die Vorräte ganze 5.000 Jahre den Weltmarkt sättigen können – eine tolle Perspektive für Bolivien! Schade, nur dass diese surreale Landschaft dafür zerstört werden muss. Gut, dass wir nicht erst im Jahr 7014 hergekommen sind! Aktuell gibt es nur Probebohrungen, die experimentieren, wie man das Lithium in der nötigen Reinheit (99,5%) gewinnen kann.

Etwas aufgeregt sind wir, ob der Salar noch fahrbar sein wird oder ob schon Wasser auf seiner Oberfläche steht? Die Jeeps fahren auch noch bei bis zu 20cm Wasser (tolle Fotos von spiegelnden Wolken bei Google!), aber unsere Räder wären sicher schrottreif nach der Fahrt durchs Salzwasser. Über eine im Bau befindliche Straße, die noch für Autos gesperrt ist erreichen wir den unscheinbaren Ort Colchani. Hier ist außer Luxushotels, in denen alles aus Salz ist, nichts geboten, und der Ort vermittelt den Charme einer öden Westernstadt.

Colchani train station - hier steht nichts außer Salzhotels

Colchani train station – hier steht nichts außer Salzhotels

Auf dem Weg zum Salar scheint es dann, also würde uns jemand mit aller Macht abhalten wollen. Erst fällt mir auf, dass mein Tacho, der sowieso nur noch als unsere Uhr fungiert, kaputt ist. Dann merke ich, dass auch mein E-Werk aus unerfindlichen Gründen nicht lädt. Dies brauchen wir zum Aufladen des Akkus mit dem wir nachts das Handy wieder aufladen – unsere einzige Navigierhilfe. Gleichzeitig merkt Toto, dass das USB-Kabel, mit dem er über sein USB-Werk das Handy tagsüber laden möchte einen Wackelkontakt hat und somit bei ihm auch nicht lädt. Aber der Super-GAU: Das GPS funktioniert auch nicht mehr. Toto hatte am Tag vorher die Software aktualisiert und nun findet er kein GPS-Signal mehr. Auf einer weißen Ebene, ohne Anhaltspunkte, nur mit einem kleinen Kompass ausgestattet und ohne gute Karte eine 80km entfernte Insel zu finden, ist dann doch etwas sportlich. Vertut man sich auch nur um wenige Grad in der Himmelsrichtung, landet man im Nirgendwo. Also was tun? Unsere Rettung sind zwei nette Engländer, die wir am Rand des Salars treffen. Sie verraten uns das WLAN Passwort ihres in der Nähe liegenden Luxus-Salzhotels. So können wir dann vielleicht mit Hilfe des Internets zumindest das Update rückgängig machen, um wieder ein GPS Signal zu haben.

Dort radeln wir also hin und wollen gerade die Hotellobby betreten, als das Handy beschließt, doch wieder zu funktionieren! Welch ein Glück! Auch das Stromproblem können wir lösen: Das kaputte Kabel funktioniert mit meinem E-Werk an Totos Rad. Frohen Mutes machen wir uns also auf in die Salzwüste! Schon wartet der nächste Schock auf uns: Wasser! Auf dem Salar! Und das nicht zu knapp. Verdammt! Das kann doch nicht sein. Riesige Pfützen. Wir schieben fluchend um die Pfützen durch den Salzmatsch. Wenn das nicht besser wird, können wir es vergessen. Doch nach den ersten hundert Metern, dann die erleichternde harte Salzoberfläche: Glück gehabt! Enttäuschend aber die Farbe: Nicht strahlend weiß wie auf Fotos von anderen Radfahrern, sondern mit braunen Salzkrusten. Später erfahren wir, dass der Salar jedes Jahr gegen Ende der Trockenzeit durch den Sand verschmutzt ist und in der Regenzeit wieder weiß gewaschen wird. Wir machen das Beste raus. Die braunen Vielecke sehen aus wie Eisschollen – auch nicht schlecht. Die unendliche Weite führt zu lustigen optischen Phänomenen. Der Horizont flimmert, sodass die Jeeps in der Ferne aussehen wie gigantische vorbeisausende Rollschuhe und weit weg gelegene Felsen wie landende UFOs.

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warum hexagonal? Gewinner wird unter allen Einsendungen verlost und gewinnt ein Schlüsselanhängerlama

warum hexagonal? Gewinner wird unter allen Einsendungen verlost und gewinnt ein Schlüsselanhängerlama

GPS hilft weiter

GPS hilft weiter

doppelt geschützt mit Gletscherfaktor 800

doppelt geschützt mit Gletscherfaktor 800

Vorsicht, Loch! - davon gibt es scon viele zu dieser Jahreszeit!

Vorsicht, Loch! – davon gibt es scon viele zu dieser Jahreszeit!

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Seht ihr die riesen Rollschuhe?

Der Weg zur Insel Incahuasi ist weit. 80 km geht es durchs das Nichts. Erschwert wird das Ganze noch durch starken Gegenwind. Aber irgendwann taucht sie dann in der Ferne auf mit ihren zahlreichen Kakteen. Ganzjährig wird der Felsen von einem alten Ehepaar bewohnt. Zur Touristensaison ziehen noch zusätzlich einige Arbeiter her. Wir dürfen vor dem Haus der alten Frau unser Zelt aufschlagen, mit Blick über den ganzen Salar. Um 18 Uhr verschwinden dann die letzten Touristenjeeps und wir sind mit den Bewohnern ganz allein. Wir essen auf den aus Salzblöcken bestehenden Tischen Spaghetti – fehlt Salz, leckt man einfach am Tisch – genial! Toto kickt mit einem der Arbeiter Fußball im Abendlicht. Später spielen noch alle zusammen Volleyball. Wir genießen die Sonnenuntergangsstimmung über der weiten Fläche.

Nach einer gefühlten Ewigkeit taucht endlich die Insel auf!

Nach einer gefühlten Ewigkeit taucht endlich die Insel auf!

Isla Incahuasi

Isla Incahuasi

Jeepauffuhr - schon bald sind alle verschwunden!

Jeepauffuhr – schon bald sind alle verschwunden!

Zeltplatz Isla Incahuasi

Zeltplatz Isla Incahuasi

die Bewohner beim abendlichen Volleyball über Flaggen - wir kicken Fußball mit

die Bewohner beim abendlichen Volleyball über Flaggen – wir kicken Fußball mit

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für die nächste Kogabroschüre

für die nächste Kogabroschüre

Isla Incahuasi

Isla Incahuasi

Laura genießt den Sonnenuntergang

Laura genießt den Sonnenuntergang

achne, doch nicht

achne, doch nicht

Am nächsten Morgen hat es sich schnell erledigt mit der Nachtruhe. Um 4.30 Uhr fallen die Touristenmassen zum Sonnenaufgang ein – welch Pein. Verschlafen kriechen wir aus dem Zelt und werden gleich mit zahlreichen Fragen bombardiert. Nach dem Frühstück flüchten wir schnell um die nächste Ecke (die einzige, weit und breit) hinter die Insel außer Sichtweite, um die Perspektivlosigkeit ausnutzen und noch ein paar slapstick Fotos zu schießen.

Reckturner Laura

Reckturner Laura

achso, ihr habt zwei Größen dabei?

achso, ihr habt zwei Größen dabei?

wie wir damit nach Chile kommen wollen?

wie wir damit nach Chile kommen wollen?

40 km später wird die Oberfläche immer unruhiger und mit dem Ende des Salar finden wir uns auf einer miesen Sandpiste wieder – ein kleiner Vorgeschmack auf die Lagunenroute. Etwas besser sind die Nebenspuren auf einem kleinen Salar daneben, um danach wieder in der gemeinsamen schlechten Schotterpiste zu münden. Die letzten Kilometer vor San Juan, auf der sogenannten „Hauptstraße“ werden wir mal wieder von einem übelsten Gegenwind heimgesucht, der größtenteils kein Radfahren ermöglicht. So erreichen wir mit letzter Kraft San Juan um 18 Uhr, ärgern uns über die Hotelpreise, finden aber schließlich ein akzeptables und warten erschöpft auf das Abendbrot.

Laura auf der Reise in 80km  Nichts

Laura auf der Reise in 80km Nichts

Matsch am Ende des Salars

Matsch am Ende des Salars

Route nach San Juan

Route nach San Juan

Der Witz des Abends ist dann, dass ein Touri die einzige (!) Gemeinschaftsdusche irgendwie kaputt macht und die Hoteldirektion sich auch außer Stande sieht irgendetwas daran zu ändern oder Ersatz zu schaffen. Erst nach ausführlichem Jammern von meiner Seite sagen sie plötzlich, na gut… ich schließe Dir Euer Privatbad auf. Wie bitte? Jedes Zimmer hat eigentlich ein privates Bad, das sie abschließen? Aha. Naja, die Dusche ist dann arschkalt, aber immerhin eine Dusche nach zwei sehr anstrengenden Radtagen – der einzige Grund, warum wir überhaupt ins Hotel eingecheckt haben. Erschöpft fallen wir nach dem Abendessen direkt ins Bett, doch die laute Musik der Aufräum-Mannschaft in der Küche verhindert bis Mitternacht das Einschlafen. Vier Stunden später dann fängt die Morgenschicht der Küche an. Halleluja, freuen wir uns aufs Wildcampen! Wir füllen 20 Liter Wasser auf und ergänzen unsere Essensvorräte um Kekse und Nudeln, sodass wir genug Wasser für drei und Essen für fünf Tage haben. Nach den Einkäufen ist es dann schon recht spät als wir endlich aufbrechen können zur legendären Lagunenroute!

Etwas nervös sind wir. Werden wir es schaffen? Oder sind wir langsamer als die angegebenen Zeiten und uns wird dementsprechend das Wasser ausgehen? Viel haben wir gehört. „Härteste Strecke Südamerikas.“ „Man schiebt fast nur.“ „Es wird nachts -20° C.“ Lange haben wir überlegt, ob wir Asphaltliebhaber überhaupt hier fahren sollen… Wir hatten Zweifel, ob die Strecke berühmt ist weil sie wirklich schön ist oder einfach nur wegen der Strapazen. Jetzt kennen wir die Antwort – dazu später mehr.

Fortsetzung folgt!

Zur aktuellen Karte

Mehr Bilder vom Salar de Uyuni

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