Isla del Sol – Auf den Spuren der ersten Inka

Zusammen mit 1000 anderen Touristenbooten erreichen wir den Nordhafen der Isla del Sol nach fast drei Stunden unglaublich langsamer Tuckerfahrt. Zu unserer Freude sind Bea und Anne, zwei Psychologinnen aus Hamburg/Ruhrgebiet, die wir schon auf der Heimfahrt von Taquile kennengelernt hatten wieder an Bord und wir unterhalten uns den meisten Teil der Fahrt. Der Bootsfahrer erklärt uns kurz vor dem Anlegen, dass ein Guide am Hafen auf uns wartet, den wir extra bezahlen müssten. Er lässt es so obligatorisch klingen, als dürfte man gar nicht anders als in Herdenform über diese Insel marschieren, so dass die meisten tatsächlich brav zu besagtem Guide trotten. Die Tagestouristen haben nur ca. drei Stunden Zeit, um die 7 km lange Insel zu erkunden, dann legt ihr Boot wieder am Südhafen ab. So müssen auch die, die sich nicht dem Guide anschließen, gleich mit der Masse losmarschieren.

Willkommen auf der Isla del Sol

Willkommen auf der Isla del Sol

Thailand oder Italien? Der Nevado spricht etwas anderes...

Thailand oder Italien? Der Nevado spricht etwas anderes…

Wir frühstücken erstmal gemütlich im Hafen und schon nach einer halben Stunde haben wir den oberen Teil der Insel scheinbar für uns. Die Blicke sind fantastisch. Der tiefblaue Titicacasee, der uns immer wieder glauben lässt, dass wir an der italienischen Mittelmeerküste stehen. Und im Hintergrund geniale Blicke auf die Schneegipfel der Cordillera Real inklusive des beeindruckenden Illampu mit seinen massiven 6368 m, die verraten, dass wir wohl doch nicht in Italien sind. Der Wanderweg führt über Landzungen, Bergrücken und Gipfel, sodass sich immer wieder neue Blicke ergeben. Hoch gelegen gibt es Tempelruinen der Inka, die an den Ort erinnern wo der Legende nach die ersten Inka vom Sonnengott Inti zur Erde gelassen wurden. Neben dem obligatorischen „heiligen Stein“ und dem Opfertisch, ist der ungewöhnliche Labyrinthtempel erhalten. Natürlich soll auch die Form der ganzen Insel gemäß der Inka-Mythologie an einen Puma erinnern – mhm naja. Etwas ärgerlich, dass hier jede der drei Gemeinden einen eigenen Betrag von den Wanderern abschröpft – wenigstens liegt dafür kein Müll herum. Am Kamm der Hügelkette wandern wir weiter Richtung Süden, um dann durch einen Eukalyptuswald in eine schöne Bucht abzusteigen. Ich lasse es mir nicht nehmen, kurz in den berühmten Titicacasee zu springen. Es ist gar nicht sooo kalt…

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Opfertisch am Nordende der Isla del Sol

Opfertisch am Nordende der Isla del Sol

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oh!

oh!

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Laura, schau mal entspannt!

Laura, schau mal entspannt!

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Waschtag in Challa

Waschtag in Challa

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früh übt sich...

früh übt sich…

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hübscher Klostersitz

hübscher Klostersitz

bolivianische Cola (Werbefoto)

bolivianische Cola (Werbefoto)

Die von uns erwarteten Übernachtungsmöglichkeiten in Challa können wir nicht finden, so dass uns nichts anderes übrig bleibt, als noch weiter zum Hauptort Yumani im Süden zu wandern. Hier gibt es zahlreiche Hotels, wobei wir uns fragen, ob die jemals alle auch nur annähernd gefüllt sind. Die meisten Touristen – haben wir das Gefühl – sind Tagestouristen. Daneben gibt es unzählige Restaurants, angeblich soll es mehr Pizzerien als in Cusco geben! Wir finden ein günstiges (!) Hotel mit Traumblick über den See und auf den Illampu. Abendessen gibt es im Restaurant „Zur Kerze“ auf dem Bergrücken mit traumhaften Sonnenuntergangsblicken. Nach Sonnenuntergang ist in der kleinen Holzhütte dann der Name Programm: Das einzige Licht spenden die Kerzen auf dem Tisch. Auch wenn der Koch und Kellner nicht besonders nett ist und Totos komplette Bestellung nie ankommt, ist es sehr schön. Die vegetarische Pizza ist super lecker und sowieso groß genug für uns beide. Wir sind sehr überrascht, nach den überteuerten Erfahrungen auf den peruanischen (Halb)Inseln, so gute Qualität zu vernünftigen Preisen zu finden. Sehr freuen wir uns auf den Sonnenaufgangsblick über dem See aus unserem Traumhotelzimmer.

sunset at Yumani

sunset at Yumani

Doch in der Nacht schüttet es und am nächsten Morgen hängen tiefe Wolken um die Insel. Nicht einmal den riesigen Gletscher sieht man mehr. Was hatten wir für ein Glück mit dem Wetter die letzten Tage! Der See leuchtet nicht wie sonst blau, sonder mutet eher bleiern-gräulich an. Bei schlechtem Wetter hätten wir sicher einen viel schlechteren Eindruck gewonnen. So sind wir dankbar für die tollen Tage, die wir hatten und fliehen mit der ersten Fähre vor dem schlechten Wetter. Der Nachtmittag in Copacabana ist dann wieder sehr schön, doch in der Ferne sehen wir die Unwetter über dem See toben.

 

Inka Staircase in Yumani

Inka Staircase in Yumani

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Mr Lama Lama

Mr Lama Lama

 

Wir landen in einem Cafe von einem amerikanischen Methodisten Missionars-Ehepaar, die uns recht Interessante Einblicke in ihre Arbeit und das Leben hier geben. Letztes Jahr habe es in Copacabana eine Abstimmung gegeben über eine mögliche Brücke über den Titicacasee auf der Straße nach La Paz. Aktuell muss man mit einer Fähre an einer Engstelle in Tiquina übersetzen. Die Abstimmung ging darüber, ob man dort eine kurze Brücke baut, oder in einem anderen Ort weiter südlich, was die Strecke nach La Paz verkürzen würde, wo aber der See sehr breit, sodass die Brücke die 3-fache Dimension der Golden Gate Bridge haben müssten. Tiquina möchte keine Brücke, da es ihre Bootsfahrer arbeitslos machen würde. Die Befürworter der Brücke hier sagen, dass die Bootsfahrer Piraten seien. Sie führen nur wenn sie Lust hätten, zu sehr variablen Preisen und seien ständig betrunken. Die andere Stadt hätte gerne die Brücke vor ihrer Haustür, jedoch ist sie natürlich viel zu teuer. Da Bolivien für seine sozialen Unruhen bekannt ist, sind die Repräsentanten der einzelnen Städte und Stadtviertel auf einem Boot auf den See hinausgefahren, um ungestört abstimmen zu können. Sie stimmten für die Brücke in Tiquina, in der Konsequenz waren also beide Städte unzufrieden.

Also wurde protestiert, aber nicht so wie man es aus Europa kennt. Erst haben die Demonstranten sie sämtliche Straßen nach Copacabana mit riesigen Baumstämmen blockiert, sodass den Bewohnern die Lebensmittel ausgegangen sind. Ein paar Tage späte haben sich die Bewohner von Copacabana über plötzliches lautes Knallen gewundert. Bauarbeiten zu dieser Zeit? Das ist komisch. Als sie dann ihre Häuser verlassen haben, um zu schauen was los ist, sehen sie, dass die unzufriedenen Einwohner der beiden betroffenen Städte die Bergkämme bezogen haben und mit Dynamit auf Copacabana werfen. Das scheint eine sehr populäre, doch sehr radikale Methode der Proteste in Bolivien. Eine ähnliche Geschichte haben wir schon einmal von einer Demonstration von Minenarbeitern gehört. Eine eher befremdliche Art sich gegen eine demokratische Abstimmung zu wehren. Für uns ist es schwer vorstellbar, wie der uns ausgesprochen freundlich und friedlich vorkommende Bolivianer plötzlich anfängt mit Dynamit auf seine Mitbürger zu werfen.

Wir lesen und bloggen die letzten Stunden des Tages auf der Dachterasse mit Blick über den See – und ein brennendes Haus. Wo sind die Bomberos?, fragen wir. Gibt keine, antwortet die Señora, also lässt man das Haus ausbrennen – und das in einer eher größeren Stadt! Am nächsten Tag geht es in Richtung La Paz, wo wir in zwei Tagen ankommen sollten.

 

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