Santa Cruz Trek – alles andere als ein Kreuzweg

Die wohl schwierigste Aufgabe des Treks ist es für uns, in Caraz die nötigen Lebensmittel für vier bis fünf Tage im Hochgebirge zusammenzutragen. Wir schlendern durch die drei hintereinander liegenden Markthallen. Kartoffeln, gigantische Avocado, Tomaten, rohe Eier? Zum Schleuderpreis und mit dem liebevollen Blick einer Andenfrau kaum abzulehnen, aber dann wohl doch eher zu schwer und unhandlich. Aber es gibt dann doch einige Trödelläden, an deren Rahmen verstaubte Tütensuppen von Maggi hängen und die trockene Nudeln, Maisbrötchen (halten länger frisch), ein Rad Käse, Haferflocken, Kekse und Schokolade anbieten. Sogar Würstchen und Cocablätter (natürlich nur gegen die Höhenkrankheit!) finden den Weg in unsere Einkaufstüte.

So steigen wir schwer bepackt mit geliehenem Riesenrucksack früh morgens aus unserem Hotel, wo wir unsere Räder lassen und wanken zur Kreuzung, wo die Colectivos (Sammeltaxis) nach Cashapampa abfahren sollen. Es ist Sonntag und die ganze Stadt ist auf den Beinen, denn Sonntag ist Markttag in Caraz. Noch viel mehr traditionell gekleidete und im hohen Alter zunehmend verhutzelte Andenfrauen als sonst, sitzen um die Markthallen herum auf den Straßen und bieten ihre vier Pfund Kartoffeln, Quinoa oder Bohnen feil. Am liebsten würden wir die Rucksäcke zur Seite stellen und durch die Gassen schlendern, um ein paar Fotos zu machen, aber da spricht uns auch schon ein junger Mann an und bietet uns an, uns für 10 Soles (2,50 Euro) mitzunehmen. Also Rucksäcke in den Kofferraum und 1,5 Stunden auf der sich wie verrückt die Steilhänge hochwindenden Schotterstraße versuchen, sich nicht die Zunge abzubeißen.

Zahltag

Zahltag

Andenchic

Andenchic

In Cashapampa sind wir um neun Uhr morgens und legen noch ein zweites Frühstück ein, bevor wir den steilen Aufstieg beginnen. Gott sei Dank können wir schon bald den schweren Rucksack absetzen, denn wir müssen uns registrieren und einen Nationalparkpass für 65 Soles (17 Euro) pro Person kaufen. Danach steigt der Weg unaufhörlich im Santa Cruz Tal entlang des Flusses, der hier unten wild und reißend ist. Nach einiger Zeit kommt uns ein Eselstreiber mit seinen schwer beladenen Burros entgegen. Die meisten Touristen machen den Trek in der anderen Richtung organisiert mit Koch, Duschzelt, guide und eben Gepäcktransport auf Eselchen. Die entsprechenden Touristen kommen uns dann auch kurz danach entgegen und erzählen uns, dass sie viel Regen und gestern einen Schneesturm auf dem höchsten Punkt (4750m) hatten – oh weia!

Eselskaravane

Eselskaravane

der Trailbeginn

der Trailbeginn

Rio Santa Cruz

Rio Santa Cruz

Der strahlend blaue Himmel, die beeindruckenden Felswände links und rechts mit vielen Wasserfällen und der immer lieblicher werdende Fluss lassen uns aber alle Sorgen und Mühen vergessen. Die Steigung wird angenehmer und der glasklare Fluss plätschert uns über Steinterassen entgegen. Die Ufer sind mit knorrigen Bäumen mit rötlicher Rinde bestanden und bieten den Kühen, Pferden und uns einen angenehmen Schatten für die Mittagsrast. Nachdem der Wald sich lichtet bietet sich zum ersten Mal der grandiose Blick auf den Taulliraju, dessen Silouette uns die ganzen vier Tage über begleiten wird. So angespornt erreichen wir schon früh am Nachmittag den offiziellen Campingplatz LLamacoral. Angeblich sollte es hier einen Kiosk mit Bier geben, aber die Steinhütten sind verlassen. Es ist noch sehr früh und wir wollen gern noch ein paar Höhenmeter machen, daher beschließen wir noch ein Stück weiter bis zu einer Lagune zu wandern. Wir stärken uns nochmal mit Keksen, die uns der ausgespannte Esel der Reisegruppe versucht, aggressiv streitig zu machen. Er lässt sich tatsächlich nur mit Steinwürfen einen Meter zurücktreiben. So ein Vieh!

idyllischer Flusslauf

idyllischer Flusslauf

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Erster offizieller Zeltplatz

Erster offizieller Zeltplatz

aufdringlicher Esel

aufdringlicher Esel

Langsam dringen durch unsere Begeisterung doch die Mühen der Höhe, die Erschöpfung und der Hunger. So sind wir heilfroh, als wir endlich nach einer Moorebene am Ufer der Lagune die Rucksäcke abwerfen dürfen und einen Flecken Gras finden, der sich für unser Zelt eignet. In kürzester Zeit ist uns aber sehr frisch, da jetzt am frühen Abend ein starker und eisiger Wind weht. In der Nähe gibt es die verlassenen Ruinen einer alten Hirtenhütte, die einen perfekten und fast windstillen Ort für Zelt, Lagerfeuer und Kochstelle bieten mit zudem grandiosem Blick über die Lagune und die Nevados (Schneegipfel) um uns. Mit der untergehenden Sonne, dem Farbenspiel des Himmels, dem Andenglühen der Gipfel und dem sich darüber entwickelnden Sternenhimmel schmecken uns die Nudeln gleich doppelt so gut. Bis nur noch der Vollmond die Gletscher erleuchtet, harren wir am Feuer aus, um dann in die Schlafsäcke zu schlüpfen. Trotz ca. 4100m Höhe ist die Nacht erstaunlich erträglich und erst der am Zelt rüttelnde Morgenwind aus anderer Richtung weckt uns.

alternative Entstehungstheorie der Anden

alternative Entstehungstheorie der Anden

jeder legt noch schnell ein Ei, und dann kommt ...

jeder legt noch schnell ein Ei, und dann kommt …

Bist Du müde? I-AH!

Bist Du müde? I-AH!

Laguna Jatuncocha

Laguna Jatuncocha

Laura wärmt sich

Laura wärmt sich

Vollmond: auhhhhhhh

Vollmond: auhhhhhhh

Zunächst geht es entlang der Lagune mit ihrer hellblauen Wasserfarbe, bevor sich eine lange wüstenähnliche Fläche vor uns ausbreitet. Entlang des Weges tauchen immer wieder andere beschneite Gipfel links und rechts zwischen den Hügelketten auf. In der „Wüste“ kommt uns dann die nächste Gruppe entgegen, deren Eselstreiber und Führerin uns sehr nett erklären, wann und wie wir einen lohnenden Abstecher zum Alpamayo base camp und zu einer weiteren Lagune machen können. So schrauben wir uns aus dem Tal eindrucksvolle Serpentinen hinauf in ein Nebental. Hier hat man einen grandiosen Blick zurück ins Santa Cruz Tal und über die aufragenden 6000er dahinter. Über uns im strahlend blauen Himmel kreist der Andencondor – der größte Geier der Welt und wir fühlen uns genauso frei und glücklich.

ah ... Kaiserwetter!

ah … Kaiserwetter!

Laura wäscht die Socken

Laura wäscht die Socken

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Andenkondor - bessere Fotos bei Flickr

Andenkondor – bessere Fotos bei Flickr

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Da es noch recht früh ist, beschließen wir im Nebental nicht zu übernachten, sondern mit wenig Gepäck schnell rauf und runter zu wandern. Der dicke Rucksack mit unnötigem Essen bleibt also im Gebüsch und wir sind ohne die lähmenden Kilos so schnell wie nie. Ein traumhafter Campingplatz (das Alpamayo base camp) ist für uns Raststätte. Hier kann man sogar stilvoll auf ein gemauertes Klo, bevor man zum Sturm des Alpamayo aufbricht. Der Alpamayo ist übrigens vom Alpenverein zum schönsten Berg der Welt gekürt worden, noch vor dem Matterhorn – allerdings von der anderen Seite…

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Laura gepäcklos glücklich

Laura gepäcklos glücklich

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Laura geht schon mal los, während ich noch die Essensreste verstaue. Nach kurzer Zeit winkt und ruft es von der anderen Talseite. Offenbar gibt es zwei Wege und wir haben uns für den jeweils anderen entschieden. Naja, stur wie wir sind, will jeder auf seinem weiter. Nach mehreren Serpentinen sehe ich dann, wo Lauras Weg hinführt: senkrecht die Felswand hinauf, über einen Gletscher zum Alpamayo! Sie hat den Irrtum wohl auch bemerkt, denn ich sehe sie nun weiter unten auf dem richtigen Weg – puh! Hier oben auf 4400 m grasen Pferde – ob sie sich des Glücks ihrer Aussicht überhaupt bewusst sind?

Das Auge pisst mit

Das Auge pisst mit

gut trainiert

gut trainiert

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Nach kurzer Zeit biegt man dann über den Rand eines Kraters, in dem eine unfassbar schöne Lagune liegt. Eisblaues Wasser, eine eindrucksvolle Schnee- und Gletscherwand dahinter und auf dem See schwimmende Eisschollen. Ich packe die Badehose aus und Laura zieht ihren Bikini an und … nein! natürlich ist uns nicht zum Baden zu Mute. Ein Wort zum Massentourismus Santa Cruz: Vielleicht liegt es daran, dass die Saison sich schon dem Ende zuneigt, aber wir treffen jeden Tag nur 1-2 Gruppen mit je ca. 15 Leuten, die uns entgegenkommen und zelten jede Nacht alleine (!) außer Sichtweite irgendeines anderen Zeltes oder Lichts und auch hier oben an der Lagune ist außer uns – kein Mensch. Fantastisch!

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Laguna Arhuaycocha

Laguna Arhuaycocha

auf 4400

auf 4400

Der Rucksack liegt noch an Ort und Stelle und die Kühe haben auch unsere Vorräte nicht angerührt. So steigen wir wieder – vom Gewicht verlangsamt – auf der Höhe entlang zum Zeltplatz Taullipampa. „Ist der Zirkus in der Stadt?“ fragt Laura, denn die lustigen bunten Koch- und Waschzelte einer Gruppe sind hier platziert. „Zelte für die Esel, die hier in Gruppen gehen“, meine ich. Hier ist auch das einzige Mal, dass wir das Gefühl haben, der Massentourismus schade der Bergwelt. Überall um den Zeltplatz liegen Klopapierfetzen, denn die in hehrer Absicht errichteten Toiletten sind hier nur noch Ruinen. Ein Stück weiter oben direkt am nun sehr schmalen Fluss ist aber ein Stück Wiesenfläche. Idyllischer geht es nicht: wir waschen uns im klaren, aber eisigen Wasser, stellen das Zelt auf mit direktem Blick auf die Gletscherfront des Taulliraju und kochen direkt am Fluss auf dem Lagerfeuer Milchreis! Laura freut sich doppelt: über die köstliche Abwechslung zu Nudeln und darüber, am nächsten Morgen fast ein Kilo weniger tragen zu müssen. Auch heute versinkt die Sonne mit einem wunderbaren Farbenspiel. Wieder hält uns das Feuer lange warm, bevor wir ins Zelt kriechen.

Märchenbäume

Märchenbäume

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offizieller Zeltplatz - Klopapieralarm

offizieller Zeltplatz – Klopapieralarm

unser einziger Zeltnachbar. Wir hatten ja mit dem Gedanken gespielt uns für die Wärme eine Kuh ins Zelt zu holen...

unser einziger Zeltnachbar. Wir hatten ja mit dem Gedanken gespielt uns für die Wärme eine Kuh ins Zelt zu holen…

zweiter Zeltplatz am Fluss

zweiter Zeltplatz am Fluss

ich glaub, der Milchreis ist angebrannt

ich glaub, der Milchreis ist angebrannt

Andenglühen

Andenglühen

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dem Himmel ganz nah

dem Himmel ganz nah

Am nächsten Tag steht mit dem Punta Union Pass der höchste Punkt des Treks auf dem Programm. 4750 Meter, die von ca. 4200m erklommen werden wollen. Wir keuchen die steilen Serpentinen hoch und ziehen uns warm an, denn heute ist es ein wenig bewölkt und es weht ein recht frischer Wind. Während des Aufstiegs genießen wir zum letzten Mal den Blick auf das unfassbar schöne Santa Cruz Tal und eine neu erspähte Lagune unterhalb des Gletscherbruchs des Taulliraju. Am Pass ist nun auch eine neue 6000er Kette in der Ferne zu sehen, allerdings wegen tief hängender Wolken leider nur unvollständig.

amorphe Graslandschaft

amorphe Graslandschaft

Santa Cruz Valley - der letzte Blick!

Santa Cruz Valley – der letzte Blick!

Laura, hast Du schon die Kühe gemolken?

Laura, hast Du schon die Kühe gemolken?

ich will auch ein neues Facebookphoto!

ich will auch ein neues Facebookphoto!

etwas verhangener Passblick

etwas verhangener Passblick

Die Idylle währt kurz, denn bald schiebt sich eine neue Reisegruppe mit lärmenden Amerikanerinnen auf den Gipfel. Denen ist es auch wirklich nicht zu blöd, uns erschöpfte Wanderer aufzuscheuchen, damit sie mit ihrer GoPro Gold am lächerlichen Auslösestab ein perfektes neues Facebook-Profilfoto (ohne uns und von schräg links oben) schießen können. Wir unterhalten uns kurz mit einem deutschen Lehrer, der auch mit der Gruppe wandert und meint, sich dafür permanent rechtfertigen zu müssen. Group photo! schreit er bald und wieder alle LÄCHELN! Das Erlebnis scheint hier nicht die Wanderung zu sein, sondern die Photos danach am PC durchzuklicken. Bald drauf müssen sie weiter – lunch steht an und wir mümmeln etwas befremdet unser tägliches Käsebrot. Trotz den fairen Preisen (ca. 20 Euro pro Tag) und dem genialen Comfort des Gepäcktransports, sind wir schrecklich froh, abseits dieser Lärmkulisse unsere eigenen Bahnen zu ziehen.

Dann heißt es: absteigen und zwar wie… Endlos und ohne Erbarmen für die Knie geht es Serpentine um Serpentine ins Tal runter. Hier sieht man die Gipfel nun nicht mehr so schön und das neue Tal erscheint uns auch nicht ganz so schön wie das Vorherige. Vorbei an recht schön gelegenen Lagunen schlängelt sich der Weg ins Tal. Hier geht der Abzweig ab, um statt nach Vaquería abzusteigen, gleich den Alpamayo Trek (weitere sieben Tage) anzuschließen. Allerdings winden sich die Serpentinen bereits erbarmungslos den nächsten Pass hoch und wir sind schon ziemlich groggy. Wir ringen mit uns und beschließen dann aber, wegen fehlender Karten (und Essen) vorerst wie geplant weiter abzusteigen.

Lagune hinter dem Punta Union Pass

Lagune hinter dem Punta Union Pass

das Andenweiß

das Andenweiß

diese Graslandschaft

diese Graslandschaft

kein Petriheil heute

kein Petriheil heute

Bald wechseln wieder liebliche Gras- und Baumlandschaft die kargen Steinwüsten der höheren Gefilde ab und wir sind wieder am Fluss. Um etwas Abwechslung in die Küche zu bringen, schmeisse ich die Schnur nach frischen Bachforellen aus – aber: oh Wunder – kein Fisch will beißen. Dabei quatschen wir nett mit einem fitten jungen Israeli, dessen Gruppe sich für die 3-Tages-Variante entschieden hat und dementsprechend hochrast. Einige seiner Freunde hätten vielleicht doch lieber die etwas entspanntere Variante wählen sollen, denn bleich wie die Laken kommen sie keuchend bei uns an und werfen sich aufs Gras. Das Notpferd dürften sie nicht besteigen, sagen sie uns, denn sonst käme es nicht mehr den Berg hoch (?!). Alles klar…

Wir steigen noch ein Stück weit zum Zeltplatz Paria ab. Auch hier kein Mensch.  Wir schlagen unser Zelt mit Blick in ein Seitental auf, sammeln Feuerholz und kochen. Trotz beginnender Dämmerung ziehen immer noch ein paar Gruppen bergauf, die wohl recht spät aus Huaraz gestartet sind und erschöpft und etwas neidisch in unsere Töpfe gucken. „Dreißig Minuten hat der guide gesagt und wir sind immer noch nicht da!“ rufen sie säuerlich und trotten weiter bergauf. Fremdbestimmtheit ist der Preis des Comfort und wir sind wieder so froh, einfach da bleiben zu können, wo es uns gefällt.

Zeltlager der letzten Nacht

Zeltlager der letzten Nacht

Morgens endlich in der Sonne

Morgens endlich in der Sonne

Wos gibts heid aufd Nacht? Heid gibts a Nudelsuppn, Nudelsuppn,  Nudelsuppn....

Wos gibts heid aufd Nacht? Heid gibts a Nudelsuppn, Nudelsuppn, Nudelsuppn….

Am nächsten Morgen hat der Wind alle Wolken vom Himmel verjagt und die Sonne wandert über die Hügelketten. Nun sieht man auch die entfernten Nevados wieder und die Gletscherfront des Nebentals erscheint zum Greifen nah. Wir frühstücken am frisch entfachten Feuer, als eine sehr nette 3er-Gruppe Individualwanderer vorbeizieht. Sie waren am gleichen Tag aufgebrochen, aber immer ein kleines Stück hinter uns geblieben und wollen heute früh ankommen, daher sind sie sehr früh aufgebrochen und haben uns eingeholt. Die Morgensonne ist schon so stark, dass sie das etwas nasse Zelt in Null Komma Nichts trocknet und sogar uns nach der morgendlichen Katzenwäsche im Fluss. So steigen wir gestärkt und wieder sauber bergab.

Das Tal weitet sich, hier grasen reichlich Pferde, Esel und Schafe. Zwei Schäfer betteln uns um Essen, Geld oder wenigstens Coca-Blätter an. Man merkt, dass hier Touristenscharen durchkommen und das Folgen hat. Aber wir sind selbst auf den Coca-Geschmack gekommen und behalten die Blätter für den nächsten Trek! Kurz vor den ersten Dörfern holen wir die 3er-Gruppe ein. Mathias, ein sehr netter deutscher Physiker aus Zürich und seine sehr nette Schwägerin Estinka aus Tschechien mit Mann Hanso sind für Wandertage aus Europa hier. Schade, dass wir sie erst am letzten Tag treffen…

Hiking at its best

Hiking at its best

Das Abstiegstal

Das Abstiegstal

Dung und was daraus gedeiht

Dung und was daraus gedeiht

Schäderidylle

Schäderidylle

Durch verstreute Bauernhöfe und Felderwirtschaft geht es nun auf die andere Flussseite und zu unserer Überraschung noch einmal kräftig bergauf bis wir endlich in Vaquería sind. „Wo die Colectivos fahren? Da oben!“, lächelt die Bäuerin und wir quälen uns in der Mittagssonne die Serpentinen zur Hauptstraße herauf. Ich bin kaum oben, als schon ein rumpeliger Minibus vorbeituckert. Ich halte ihn an und überzeuge den Fahrer, 5 Minuten auf Laura zu warten, doch kaum sitze ich, fährt er weiter. „ALTO!“ rufe ich, aber er fährt nur zwei Kurven weiter, von wo aus man die steilen Serpentinen darunter überblicken kann, um sich zu vergewissern, dass Laura bald kommt. Offensichtlich haben die Frauen normalerweise mehr Rückstand. Aber Laura ist sehr fit (und inzwischen der Essensrucksack auch spürbar leichter). Also rennt sie die letzten Meter hoch und wir quetschen uns auf die Rücksitzbank, die Füße auf einem mal schlafenden, mal um sich schlagenden Schafbock abstellend.

2,46 ist der Weltrekord!

2,46 ist der Weltrekord!

Pastorale

Pastorale

ich hasse Tierfotos - aber dieses Ferkel? Seht selbst....

ich hasse Tierfotos – aber dieses Ferkel? Seht selbst….

Die Fahrt über eine sehr schlechte Schotterstraße einen Pass zur Lagune 69, zu der wir wollen, wandern manche, es ist aber landschaftlich eher langweilig und außerdem seeeehr lang. Wir freuen uns, dass die Beinmuskeln Pause haben und wir uns nur in den Kurven mit den Armen festkrallen müssen. Ich warte darauf, dass der Schafbock kotzt, aber er beschränkt sich darauf, uns seine Köddel zwischen die Füße zu legen. Auch eine Meinungsäußerung.  Endlich ist der Pass überschritten und der Fahrer hält an. Aussteigen? Nein, der Wanderweg geht doch vom Tal unten los, sage ich. Er fährt weiter, um drei Kurven später bei der Kilometermarkierung 42 anzuhalten und deutet auf einen Eselspfad, der sich von der Straße weg um den Berg zieht. Viel besser sei dieser Weg, da er ohne Höhenmeterverlust direkt zur Lagune gehe und man sich den mühsamen Aufstieg aus dem Tal spare. Etwas erstaunt, da es den Weg in den Karten nicht gibt, aber dankbar für diesen guten Tipp inspizieren wir den Weg und steigen dann tatsächlich aus, nicht ohne dem Fahrer einen gesalzenen Aufpreis zahlen zu müssen – mal wieder vergessen vorher den Preis auszumachen…

Wegen der langen Fahrt ist es schon recht spät, dank 4700 m empfindlich kalt, wir hatten noch kein Mittagessen und sind schon etwas erschöpft. Also ziehen wir uns erst mal alles an, was wir dabei haben, um kurz hinter der Kurve was zu essen? Richtig! Käsebrot. Juhu. Von hier erstreckt sich ein unfassbarer Blick ins Tal mit den Zwillingslagunen und den darüber thronenden Nevados des Huascarán, Pisco und anderer 6000er. Die Straße windet sich 10km auf einer Strecke von Luftlinie einem Kilometer in atemberaubenden Serpentinen ins Tal. Die Strecke ist Bestandteil der berüchtigten Radelrunde durch den Huascaran NPA, aber wir sind gerade froh, hier nicht hochstrampeln zu müssen.

Der Wanderweg zieht sich tatsächlich mit etwas Auf und Ab um die Kurve und bald sehen wir den weit unter uns im Tal liegenden Wanderweg und die gegenüberliegende Lagune etwas unterhalb unserer Höhe. Allerdings ist uns schleierhaft, wie wir zur anderen Talseite gelangen sollen, denn rechts von uns steigt es zum Gletscher eines Gipfels und links fällt lotrecht eine Felswand ab. Naja, der Fahrer hatte uns gesagt, nach 30 Minuten kämen wir zu einer Kreuzung, wo es rechts zum Gipfel des Nevados und links zur Lagune gehe. So weit so klar, aber als nach fast zwei Stunden immer noch keine ersichtliche Kreuzung da war und wir kurz vor dem Gletscherfeld stehen, kommen uns zunehmend Zweifel. Links haben wir die Wahl die Felswand runterzustürzen oder ein abartig steiles geschottertes Flussbett auf gut Glück hinab ins Tal zu rutschen, das etwas unterhalb auch nach unten uneinsehbar abbricht – vielleicht ein Wasserfall?! Ganz davon abgesehen landet man nach dem Höllenabstieg im Tal weit unterhalb der Lagune und muss gleich wieder steil aufsteigen. Wo ist da der Gewinn hier oben zu starten? Über uns ziehen sich die Wolken immer dichter und wir hängen uns als Vodoo-Zauber zur Abschreckung schon die Regenponchos über die Rucksäcke. So schnell kann es gehen, dass man von sonniger Frühstücksromantik in Nachmittagsdepression stürzt und sich nach Hause oder zumindest an ein Kaminfeuer wünscht!

die abartige Passstraße

die abartige Passstraße

da runter laufen? Wo ist mein Rad???

da runter laufen? Wo ist mein Rad???

Blick auf die Lagunen in LLanganuco

Blick auf die Lagunen in LLanganuco

Höhenweg - leider ohne happy end

Höhenweg – leider ohne happy end

der Gipfel, den wir fast bestiegen hätten

der Gipfel, den wir fast bestiegen hätten

Wir beschließen das Unternehmen als den Tag, an dem Laura und Toto beinah ausversehen einen Gletscher bestiegen hätten, abzuschließen. Wir sind entweder a) zu blöd sind diesen Weg zu finden oder b) der Colectivo-Fahrer wollte uns einfach schnell loswerden und ein ziemliches *rschloch ist. Da wir das komplette Tal und die Wände überblicken können und es keine Spur eines Weges gibt, der hinüber führt, halten wir allerdings Variante b) für wahrscheinlicher. Zudem bestätigt uns, dass es auf dem gesamten Rückweg auch keine Stelle gibt, an der man ins Tal hätte absteigen können. Völlig fertig und frustriert stehen wir also drei Stunden später wieder an den Serpentinen. Das letzte Colectivo soll hier um drei Uhr Nachmittag vorbeikommen – längst verpasst also. Also trotten wir die Straße entlang nach unten, um die Nacht nicht auf der Höhe verbringen zu müssen, außerdem haben wir kein Wasser mehr.

Huascarán in den Wolken

Huascarán in den Wolken

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Drei oder vier Gefährte kommen uns entgegen, aber niemand fährt runter – es ist zum Heulen. Die Sonne sinkt langsam hinter das Pisco-Massiv und wir kurven uns unsäglich langsam den Berg runter. Wie sehr wünschen wir uns jetzt trotz Schotter unsere Räder unter uns. Damit wären wir in nicht mal 20 Minuten am Campingplatz an den Lagunen… Nach 4km endlich der erste Fluss und ich packe den Wasserfilter aus und setze zum Pumpen an als Laura schreit: BUUUUUUUUUS! Also schnell alles einpacken, denn der Fahrer nimmt uns tatsächlich gerne mit. Es ist eine Gruppe von Schulinspektoren, die aus den entlegenen Bergdörfern zurückkommt. Wir halten sie mit ihren Schlafsäcken, Isomatten und in ihrer eher an Trainingsanzüge erinnernden Uniform für eine Sportgruppe, was sie leicht pikiert. Sie erzählen uns dann über die Fortschritte der Beschulung in den entlegenen Andenregionen. Die Schlafsäcke und Matten haben sie anscheinend dabei, um in den besuchten Schulen in der Turnhalle zu schlafen – das sollte man mal einem deutschen Schulinspektor stecken! Lachend erklären sie uns übrigens auch, dass es da oben keinen Weg zur Lagune gebe, der sei weiter unten..

Im wunderbaren Abendlicht rumpeln wir nach unten an der Zwillingslagune und dem eigentlichen Abgang zur Wanderung zur Lagune 69 vorbei (exakt da wo wir den Busfahrer eigentlich gebeten hatten uns rauszulassen). Der Legende nach sind die zwei Seen die Tränen einer Prinzessin und eines Generals, deren verbotene Liebe den Berggott so rührte, dass er sie in wunderschöne Nevados verwandelte und sich ihre Tränen noch heute in den eisblauen Lagunen sammeln… Das Campen an der Lagune mit Blicken auf Huascarán, Pisco, etc. wäre sicher eine unfassbar schönere Wanderung, aber wir hatten den Blick ja schon – nur von der anderen Talseite – und die dichten Wolken verheißen keine guten Morgenblicke, daher beschließen wir heute noch zurück nach Caraz zu fahren.

Laura kommt gar nicht mehr aus dem Schmunzeln heraus, da wir tatsächlich noch einen Transport bekommen haben. Ich bin so fertig, dass ich erst in Caraz realisiere, dass wir nicht im Regen auf 4700m schlafen, sondern wohlduftend nach einer heißen Dusche im weichen Hotelbett. Und dann macht es BUMM – KRACH – BUMM – MARCA LAS OLLAS! Achja, wir sind ja in Caraz, der Hauptstadt des Feuerwerks, Wahlkampfsongs und der Fiesta!

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