Trujillo – besser als der Ruf!

Im neuen ruhigen Heim angekommen, nutzen wir den Rest des Tages, um die Stadt Trujillo zu erkunden. Was wie eine Notlösung wegen der Krankheit begann, stellt sich als absoluter Glücksgriff heraus. Die Innenstadt besteht zum Großteil aus bestens restaurierten kolonialen Häusern, darin nette Cafés, köstliche Bäckereien und kleine Museen. Auf der gigantischen, aufgeputzten Plaza de las Armas mit ihrer goldgelben Kathedrale lassen die Trujillaner den Tag ausklingen, schlürfen die hier so beliebte Gelatina und lassen sich – nötiges Kleingeld vorausgesetzt – ihre Schuhe öffentlichkeitswirksam blankpolieren. Wir schlendern durch die Quadratgassen und wie magnetisch zieht es uns immer wieder in die prächtigen Innenhöfe der Kolonialbauten. Mal Gerichtshof, Mal Bankgebäude mit Fotoausstellung, Mal Privathaus, Mal Club de Leones.

Gerichtshof Trujillo

Gerichtshof Trujillo

Kathedrale Trujillo

Kathedrale Trujillo

Plaza de las Armas Trujillo

Plaza de las Armas Trujillo

Die Innenstadt ist umgeben vom Ring der Avenida España. Tritt man hier aus den Toren wandelt sich das Bild und grau-grässliche Bauten sprechen die Sprache der Armut, die hier zu Hause ist und wohl doch eher der sozioökonomischen Wahrheit Nordperus entspricht. Von diesen Gebieten leben auch die Zeitungsschreiberlinge, deren Schlagzeilen uns an den Straßenkiosks entgegenprangen: Taxifahrer ermordet. Oder: 10 Tonnen (!) Kokain beschlagnahmt! Nur 10km von der Innenstadt entfernt im Hafenort Huanchaco wurden am Vortag diese ungeheuren Mengen in Kohlesäcke verpackt – Empfänger die europäische Partynase. Der bisher größte Drogenfund in der Geschichte Perus. Naja, müssen wir die Weiterreise wohl anders finanzieren – Laura übt wieder Cello und ich Triangel.

Unser erster Ausflug führt uns nach ChanChan – der alten Hauptstadt des Chimu-Imperiums, das hier von 8. – 14. Jahrhundert n. Chr. seine Einflusssphären hatte. Die Stadt beherbergte zu ihren besten Zeiten wohl ca. 60.000 Menschen und ist komplett aus Lehmquadern erbaut. Charakteristisch sind die horizontalen Linien und die Verzierungen mit Tieren der See- und seenahen Landwelt. Die Chimu wurden im 14. Jahrhundert von den aufstrebenden Inka unterworfen und so ging ihre Kultur und auch ChanChan nach und nach verschütt. Die Ausgrabungen legten nun vor einigen Jahren die Mauern frei, die nun leider ohne schützende Staub- und Steinschicht den Witterungen ausgesetzt sind und weiter abbröckeln. Wellblechdächer sollen nun das Restaurierte erhalten. Teil des Komplexes ist ein leider recht veraltetes Museum, das didaktisch auch noch in der Vorkriegsperiode feststeckt. Wenigstens tollen davor unsere ersten peruanischen Nackthunde herum, die wegen ihrer Körpertemperatur von 40°C kein Fell haben und früher gerne als Fußwärmer benutzt wurden.

ChanChan bei Trujillo

ChanChan bei Trujillo

peruanischer Nackthund

peruanischer Nackthund

Pelikane und Fische

Pelikane und Fische

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der Vorzustand vor Restaurierung

der Vorzustand vor Restaurierung

Am Abend gehen wir noch in das Spielzeugmuseum, das einem Künstler aus Trujillo gehört, der mit seinen Bildern in Europa viel Geld verdient und das zum Sammeln von Spielzeug aus aller Welt ausgibt. Die Exponate sind meist europäisch, für uns sind vor allem die Andenpuppen in Poncho und dunkler Hautfarbe interessant. Außerdem entdecke ich einen Meccano-Metallbaukasten, der mich zu meiner Kindheit sehr erfreute und der heute unter dem Namen Exacto in Argentinien weitergefertigt wird.

Am nächsten Tag fahren wir mit Sven und Kira zum Huaca de la Luna – dem Mondtempel. Dies ist der alte Tempel der Moche-Kultur, die von 1. – 8. Jhd. n. Chr. vor den Chimu die Ebene um den Mochefluss beherrschte. Dort steht ein fantastisches, brandneues Museum, das unglaubliche Exponate und sehr gute Erklärungen bietet. Die kunstvollen Keramiken sehen aus, als wären sie gestern erst aus dem Ofen gekommen so unbestoßen und ohne Kratzer im Lack glänzen sie im Spotlicht. Ohne schriftliche Überlieferung bieten sie den Hauptteil der Überlieferung hinsichtlich der Kultur der Moche.

Zwischen dem Huaca del Sol – dem administrativen Zentrum und der Huaca de la Luna liegt in der Ebene die noch großteils unangerührte Stadt. Die Huaca de la Luna war wohl ein ritueller Tempel, der immer wieder von neuen Erweiterungen umgeben wurde, bis schließlich einer russischen Matruschka gleich fünf Tempel ineinander gestapelt entstanden waren. Bei Regen, Trockenheit oder Meeresunruhe versuchten sie die Götter, die sie für die Probleme verantwortlich glaubten, mit dem besten zu besänftigen was sie besaßen – ihrem eigenen Blut… So traten ihre besten Krieger im Duell gegeneinander an und wer den anderen an den Haaren packen konnte, durfte seinen unterlegenen Duellanten dann zum Menschenopfer schleifen. Vor der Exekution wurde den Besiegten der halluzinogene San-Pedro-Kaktus verabreicht, um ihre Qualen wenigstens ein bisschen zu mindern. Die Schüssel mit dem Blut der Krieger wurde dann von der obersten Stufe des Tempels auf die Erde vergossen.

äußerste der fünf Tempelhüllen mit sieben Stockwerken

äußerste der fünf Tempelhüllen mit sieben Stockwerken

Kalender der Moche?

Kalender der Moche?

es geht aufwärts in Peru!

es geht aufwärts in Peru!

Gefangene verlustreiche Soldaten, die das Todesopfer erwartet

Gefangene verlustreiche Soldaten, die das Todesopfer erwartet

oberster Gott der Moche

oberster Gott der Moche

Die Probleme der Kultur begannen, als durch einen sehr lange anhaltenden El Niño im 7. Jahrhundert die Priester es nicht mehr schafften, den Zorn der Götterwelt zu zügeln und das Wetter einfach blieb wie es war. So wandten sich die Menschen von ihren Priestern und ihrem Staatsapparat ab und die Chimukultur entstand nach und nach. Die äußerste Tempelmauer mit den Abbildungen der Gottheiten, den Sitten und dem Kalender der Moche ist unfassbar. Gute 20 Meter hoch, mit den Originalfarben und in einer unfassbaren Ästhetik lässt sie einen auch noch gute 1500 Jahre danach vor Ehrfurcht erschaudern.

Das Unglaublichste aber ist, das hier erst vor ca. 20 Jahren die Ausgrabungen begannen – vorher waren nur Grabräuber tätig. Und erst vor drei Jahren begannen die Arbeiten am Huaca del Sol, die wohl noch Jahrzehnte andauern werden. So werden wohl noch weitere unglaubliche Schätze aus dieser Epoche zu Tage gefördert und dem Besucher zugänglich gemacht.

Am Abend wollen wir mal wieder Meer schnuppern und fahren gleich weiter nach Huanchaco – der Surf- und Strandoase Trujillos. Allerdings ist Küstennebel, der die drögen Betonbauten und endlosen Beachbars noch trostloser erscheinen lässt. Einzig die Mole und die Erinnerung an die kalifornische Westküste trösten ein wenig. Besonders apart ist die Pelikanschutzsammlung: Männer mit Spendendosen wollen Spenden für Pelikanfutter, da diese angeblich bedroht seien. Bei Spende ziehen sie einen am Schnabel zum Foto heran und werfen einen Fisch in die Reihe der gierigen Schlunde. Kommen diese aber zu nahe, werden sie gnadenlos mit einem Holzstock verprügelt. Fragwürdige Tierschutzeinrichtung unserer Meinung nach …

Pelikanfütterung - Tierschutz?!

Pelikanfütterung – Tierschutz?!

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Wir bevorzugen den apple pie mit Vanilleeis in einer netten Bar und sind froh, nach dem Sonnenuntergang vor den klassischen Fischerbooten aus Schilf, am Abend wieder nach Trujillo zu kommen. Nach knapp einer Woche fahren Kira und Sven weiter nach Norden und auch bei uns sind Erkältung und Magen-Darm-Infektion dann endlich soweit, dass wir weiter in Richtung Cordillera Blanca fahren. Es geht wieder in die Kälte und vor allem – nach oben!

 

Abschied von Sven und Kira - intensiver Beginn, dann eine sehr nette Zeit mit Euch - viel Glück und allzeits guten Reifendruck! Wir sehen uns in Deutschland!

Abschied von Sven und Kira – intensiver Beginn, dann eine sehr nette Zeit mit Euch – viel Glück und allzeits guten Reifendruck! Wir sehen uns in Deutschland!

 

Hund vorne drin? Selbst mit Lauras Körbchengröße schwer vorstellbar!

Lieber Hahn im Korb, als Hund im Körbchen!

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