Hasta Luego, Ecuador! Du wirst uns sehr fehlen!

Zurück in der Zivilisation schlagen wir wieder bei unserem Couchsurfer in Puyo auf, bei dem wir schon vor dem Dschungel gewohnt haben. Sein Nachbar steht in der Einfahrt und fragt wo wir gewesen seien. Als wir ihm erzählen, dass wir in Sarayaku waren stürzt er auf uns zu und fragt: „Geht’s euch gut?? Seid ihr verletzt? Haben sie euch was getan??“ Etwas verwirrt versichern wir, dass es uns gut geht. Er erzählt weiter: „Das sind Wilde!! Die sind gefährlich!“ Wie sich rausstellt werden junge Lehrer im ersten Berufsjahr dazu verpflichtet in einer ruralen Umgebung zu unterrichten. Für ihn und seine Frau bedeutete das vor 18 Jahren: Ein Jahr in Sarayaku.

In dem Jahr sei wohl eine der ersten Ölfirmen ungefragt im Territorium gelandet. Die Insassen des Hubschraubers seien „von den Wilden“ auf den Dorfplatz gebracht, dort mehrere Tage festgehalten, umtanzt und mit Speeren bedroht worden – filmreif! Auch das unbekleidete Nachbarvolk sei zu dieser Zeremonie eingeladen worden. Er und seine Frau habe man aus ihrem Haus geholt und gezwungen dem Spektakel beizuwohnen. Seine Frau habe daraufhin Panik bekommen und habe nach Puyo zurück fliegen wollen, doch die Indianer hätten sie wieder aus dem Flugzeug gezerrt. Wahrscheinlich aus Angst, dass die ecuadorianische Polizei eingreifen würde, wenn sie davon erfahren würde. Es scheint eine eindrückliche Erfahrung gewesen zu sein. Im weiteren Gespräch wird auch deutlich, dass sie eben verpflichtet wurden dorthin zu gehen und auch vor dem Vorfall keinerlei Interesse an den „Unzivilisierten“ haben. Sie hätten in einer einfachen Hütte schlafen müssen und die Indianer hätten ihnen nichts zu essen gegeben. Angewidert erzählt uns seine Frau später was diese Leute so alles Ekliges gemacht hätten und dass sie einmal mit den anderen Frauen durch einen Fluss waten musste und dabei fast ertrunken wäre. Außerdem sei der Rückgang des Tierbestands nur auf die maßlose Jagdlust der Indianer zurückzuführen und hätte nichts mit anderen Eingriffen in das Ökosystem zu tun. Das nächste Mal sollten wir doch besser auf ihre Finca im nahen Urwald kommen – dort gebe es viele Tiere, aber keine Wilden! Eine sehr andere Sichtweise als das was wir in den letzten Tagen gesehen und gehört haben – interessanter Abschluss der Dschungel Tage.

stylisches Luftstation

Bitte voll aufpumpen!

Am nächsten Tag brechen wir nach Baños auf. Die Strecke wird in den einschlägigen Reiseführern als schönste Ecuadors bezeichnet und auch zahlreiche „nicht Radfahrer“ leihen sich hier Mountainbikes, um diese Strecke zu fahren – in umgekehrter Richtung, da geht es nämlich 60 km bergab. Für uns heißt es also bergauf. Ist aber alles nicht so schlimm wie erwartet, die niedrige Höhe im Gegensatz zu sonst (am Ende sind wir auf 1800 M.ü.N.) hat uns Kraft gegeben, sodass wir schon mittags in Banos ankommen. Leider war es aber auch weniger schön als erwartet. Ein paar Wasserfälle hier, Tunnel da und sehr viel Touri-Infrastruktur (Canopy, Seilbahn, Bridge-Jumping, Restaurants) – naja, haut uns nicht vom Hocker! Dazu noch Nieselregen, pfui. Und wegen der Wolken nichts zu sehen vom Vulkan Tungurahua, der gerade aktiv ist und gerne Funken sprühen soll. Auch den Vulkan El Altar soll man bei gutem Wetter sehen können. Möglich also, dass uns die Strecke bei besserem Wetter mehr begeistert hätte.

Wasserfälle im Tal von Banos

Wasserfälle im Tal von Banos

Wasserkraftwerk kurz vor Banos

Wasserkraftwerk kurz vor Banos

Kein Glück haben wir auch bei der Übernachtungssuche: Feuerwehr und Kirche haben keinen Platz für uns. Schlussendlich ziehen wir dann in ein Hostel – das ist dafür dann aber super. In den heißen Quellen, für die Baños berühmt ist, sieht man vor lauten Menschen kein Wasser mehr, sodass wir dankend abwinken. Den E. coli holen wir uns lieber woanders. Vielleicht in der exzellenten Pizzeria in der wir mit den Dschungel Franzosen am Abend essen gehen? Das Highlight des Tages. Ein sehr schöner Abend. Am nächsten Tag sehen wir beim Frühstück die Rauchsäule des Vulkans, wow! Den Vulkan selbst soll man von einem Baumhaus, das durch eine dreistündige Wanderung erreichbar sein soll, sehen. Also sprinten wir los… bis wir oben sind ist natürlich alles wieder zugezogen. Mist. Und das obwohl wir den letzten Teil des Weges, der dann auf der Straße verläuft, von 2 jungen, sehr netten Ecuadorianern im Auto mitgenommen wurden. Unglaublich die Gastfreundschaft in diesem Land. Sie haben einfach angehalten und gefragt ob wir mit hochfahren wollen. Das hat uns bestimmt eine Stunde Fußweg auf einer blöden Straße erspart. Am Baumhaus gibt es aber eine coole Schaukel.

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Am Nachmittag ereilt mich dann trotz Verzicht auf die heißen Quellen – vielleicht inspiriert vom Vulkan – das große Spucken. Weiter finden wir raus, dass die Straße nach Riobamba wegen des ausbrechenden Vulkans im Moment gesperrt ist und man stattdessen einen Umweg über Ambato und die Panamericana machen müsste. So entscheiden wir uns für einen Bus am nächsten Tag. Warum fahren eigentlich nach Riobamba?

Jaaa… man glaubt es kaum. Das Paket ist heute angekommen!! Nach läppischen vier Wochen. Gerettet hat uns der Postbeamte in Puyo, das 4. Postamt in dem wir waren, der einen Kumpel beim Zoll hatte, der ganz einfach den Hotelnamen aus der Adresse löschen konnte. Ich musste nämlich nur weil da „Hotel“ in der Adresse stand Steuern zahlen. Er war auch der einzige der rausgefunden hat, dass dieser Bezahlcode, auf den wir so lange gewartet haben, nie generiert worden wäre, da ich dafür die Ausweisnummer des Hotelbesitzers gebraucht hätte und nicht meine eigene. Das wusste niemand, in jedem Postamt haben sie immer beim Zoll angerufen und der hat gesagt ja morgen müsste der generiert worden sein… es wäre aber tatsächlich N I E passiert!! Das kann doch echt nicht wahr sein. Das war am Tag vor dem Dschungel. Wir haben ja gar nicht geglaubt, dass das funktioniert, aber tatsächlich als wir aus dem Dschungel wieder gekommen sind, hieß es: Das Paket hat den Zoll verlassen! Haben besagten Beamten dann erstmal ein Kilo Schokolade als Dank vorbeigebracht! Seitdem rufen wir jeden Morgen beim Postamt in Riobamba an und heute war es dann so weit.

Toto springt voller Vorfreude im Zimmer auf und ab, ich habe Bauchweh und Übelkeit und freue mich nicht das Bett zu verlassen. Die Busfahrt vergeht dann aber zum Glück ohne Zwischenfall. Aus dem Postamt kommt Toto mit leeren Händen – die Passkopie fehlt, natürlich! Doch eine halbe Stunde später halten wir das Ding in den Händen, unglaublich!!! Toto will voller Tatendrang gleich in den Bus Richtung Peru springen, ich möchte ins Bett. Normalerweise reicht es ja wenn einer motivert ist, in dem Fall setze ich mich aber durch und werde in ein Hostel gebracht. Am nächsten Tag bin ich dann zumindest wieder transportfähig und wir brechen zur Monsterfahrt nach Peru auf, um die gewartete Zeit wieder reinzuholen: 40 Stunden Bus, welch Freude!

Paketempfang in Bauchschonstellung

Paketempfang in Bauchschonstellung: Die Freude ist größer als der Gesichtsausdruck vermuten lässt!

Da ist das Ding! Schöner als jeder Pokal!

Da ist das Ding! Schöner als jeder Pokal!

Aktuelle Karte

Bilder aus Baños und vom PAKET !

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