Busausflug nach Cuenca

..ist es natürlich nicht! Das Paket sollte am Mittwoch ankommen, am Samstag noch keine Spur davon. Am Wochenende erreiche ich natürlich auch niemanden von Thermarest. Wir machen einen Ruhetag in Riobamba, einer erstaunlich netten Stadt. Wenn auch etwas ausgestorben, da am Sonntag so gut wie alle Läden und selbst die Cafés geschlossen haben. Wenigstens die Eisdiele verkauft uns ein halbes Kilo Eis – das entschädigt.

sehr coole Idee: offene Bahnhofseinfahrt als Stadtplatz - weniger cool: geht nur bei sehr wenigen Zügen

sehr coole Idee: offene Bahnhofseinfahrt als Stadtplatz – weniger cool: geht nur bei sehr wenigen Zügen

Riobamba Altstadt

Riobamba Altstadt

Straßenverkauf in Riobamba

Straßenverkauf in Riobamba

Am Nachmittag rollen plötzlich 40 (!) Radfahrer und zwei deutsche Feuerwehrautos mit niederländischen Kennzeichen vor unserem Hotel ein. Unter dem Motto vom Mittelpunkt der Welt zum Ende der Welt machen sie eine 4,5-monatige Radreise von Quito nach Ushuaia. Sehr fix. Auf Grund der kurzen Zeit müssen sie jeden Tag ca. 100 km mit teilweise über 2000 Höhenmetern (Gepäck ist dafür im Feuerwehrauto) bewältigen. Ruhetage sind rar gesät. Die Routenführung von Quito hierher war bis jetzt durchgängig PanAm… schwierig. Wie Hardy, ein Dortmunder Teilnehmer, uns sagte: „Ich habe mich schon immer gefragt, wie es wäre, auf dem Seitenstreifen der deutschen Autobahn zu fahren. Jetzt weiß ich es!“

der Truck der bike-dreams

der Truck der bike-dreams

die selbstgemalte Werbung begeistert uns immer wieder

die selbstgemalte Werbung begeistert uns immer wieder

Am Abend gehen wir dann mit Hardy, dem Schwaben Alfred und dem Niederländer Jan-Willem essen. Die Gruppe besteht größtenteils aus Niederländern und Australiern, insgesamt sind zehn Nationen dabei. Mit „an Bord“ ein Mechaniker und eine Ärztin. Um 8 Uhr morgens wird zusammen losgefahren, keiner darf früher oder später starten. Unterwegs reißt das Feld dann natürlich schnell auseinander, so dass die meisten trotzdem einzeln fahren. Auch wenn uns der Comfort und die Vorteile so einer geführten Reise einleuchten, wird uns schnell klar – das würden wir keine Woche durchhalten! Schon nach fünf Tagen Fremdbestimmtheit auf der Galapagoskreuzfahrt hätte ich den Guide und seine Glocke am liebsten von Bord geschmissen, der uns durch Bimmeln zum nächsten Programmpunkt oder eher zum nächsten Appell gerufen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das 4,5 Monate lang wäre. Feste Startzeiten, feste Ruhetage, feste Route, straffer Zeitplan…puh, hier ist Anpassungsfähigkeit gefragt! Hut ab, an die Teilnehmer!

Am Montag ziehen wir dann unseren Ausflug nach Cuenca vor. Es liegt nicht an unserer Radstrecke, soll aber eine der schönsten Städte Ecuadors sein. So schaukeln wir fünf Stunden mit dem Bus die PanAm herunter. Nur Stunden vorher finden wir einen netten Gastgeber, Carlos, der ein ganzes Haus nur für Couchsurfer mitten in der Altstadt hat. So wohnen wir mit vier Argentiniern, einer Amerikanerin und einem Jordanier in einem riesigen Haus. Carlos kommt immer am Nachmittag vorbei, um zu quatschen oder gemeinsam in die Stadt zu gehen. Super nett! Was aber nun feststeht, dass das Spanisch der Argentinier überhaupt nichts mit Italienisch zu tun hat, also ich versteh zumindestens nichts. Toto leider auch nicht. Das wird noch spannend!

Die Stadt erinnert an Regensburg: alte Häuser, Gassen, Studentenstadt, Unesco Weltkulturerbe. Wir fühlen uns heimisch. Gleich am Morgen treffen wir im Museum die zwei Schweizerinnen Giulia und Tessa aus Quilotoa wieder, wir verabreden uns zum Abendessen. Später laufen wir dann in die Arme von Adam, einem der drei amerikanischen Brüder, die wir ebenfalls in Quilotoa kennengelernt haben. Und schließlich treffen wir auch seinen Bruder Daniel, den Medizinstudenten, leider nehmen die drei schon am Abend den Bus nach Guayaquil. Die Reisewege hier in Ecuador sind wohl doch bei allen sehr ähnlich.

nette Straßenkunst

nette Straßenkunst

Das Rathaus von Cuenca

Das Rathaus von Cuenca

Don Pedro, Don Carlos, Don Ignacio, Don Juan und Don John

Don Pedro, Don Carlos, Don Ignacio, Don Juan und Don John

Am Nachmittag fliege ich dann förmlich (trotz Wanderschuhen) eine nasse Steintreppe zehn Meter runter und lande schmerzhaft auf dem Rücken – autsch. Gleich stürzen irgendwelche Männer auf mich zu und hieven mich (wie eine alte Frau) auf die Beine. Ich will doch gar nicht aufstehen, aua! , ich stemme mich dagegen, doch sie gewinnen schlussendlich. Es tut fürchterlich weh, ich kann kaum laufen. Nach eingängiger Inspektion habe ich mir wohl die Illiosakralregion geprellt oder ausgerenkt und außerdem die Gelenkapseln des linken Mittelfingers gerissen. Naja, hätte schlimmer sein können. Wir gehen passend zum Thema ins Medizinhistorische Museum und ich jammer noch etwas vor mich hin. Das Museum ist im wunderschönen alten Krankenhaus untergebracht und stellt allerlei skurille Dinge aus… Besonders begeistert uns der Werbeflyer für Valium – bei Spannungskopfschmerz 5mg 1-1-1 !!

eine weitere Spezialität von Cuenca: Panama (eigentlich Montecristo) Hüte

eine weitere Spezialität von Cuenca: Panama (eigentlich Montecristo) Hüte

Was wohl der Oberarzt dazu sagen würde?

Was wohl der Oberarzt dazu sagen würde?

medizinhistorisches Museum im alten Krankenhaus

medizinhistorisches Museum im alten Krankenhaus

Danach treffen wir unsere Mitbewohnerin, die Amerikanerin Macy auf der Straße, der wir ein Stück köstlichen Kuchen für einen Dollar abkaufen. Sie bäckt jeden Morgen einen Kuchen, den sie dann verkauft. „That’s how I survive.“ Ob sich das lohnt? Auf den Ratschlag, sie könnte ihr Macbook Air Pro veräußern, verzichten wir allerdings. Am Abend treffen wir dann Giulia und Tessa und verbringen einen sehr lustigen Abend mit den supernetten Architekturstudentinnen aus Zürich. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder in der Schweiz!

"Ich war wie Du bist, und Du wirst sein, wie ich bin - MERK DIR DAS!"

„Ich war wie Du bist, und Du wirst sein, wie ich bin – MERK DIR DAS!“

Wer wohl der größere Mediziner ist?

Wer wohl der größere Mediziner ist?

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Nach einem Telefonat mit Thermarest, kenne ich nun die Trekkingnummer des Pakets und weiß, dass es im Zoll irgendwo in Ecuador hängt. Wie lange das noch dauert weiß niemand. Für diesen Fall hatten wir uns überlegt eine drei Tageswanderung, den sogenannten Inka Trail von Ingapirca nach Norden zu machen. Leider bin ich aber zu lädiert, so dass wir noch einen gemütlichen Tag in Cuenca verbringen, ins Museum für moderne Kunst gehen und lesen. Auch am nächsten Tag keine Neuheiten vom Paket. Also fahren wir in den nahegelegen Cajas Nationalpark, um eine Probewanderung für den Inka Trail zu machen. Es ist kalt (4000m), die Landschaft ist öde, trockenes Grasland und Seen und es regnet. Zur Verteidigung bleibt zu sagen, dass Toto den NPA mochte – ich weiß nicht warum! Das Ergebnis der Probewanderung ist dann, dass ich in nächster Zeit auf keinen Fall irgendwo hinwandern werde und wir beschließen, dass Toto mit einem der Argentinier den Trail alleine macht und ich in Cuenca warte.

Lagunen, Wind, Kälte, Gras, Wanderwege: Cajas NPA

Lagunen, Wind, Kälte, Gras, Wanderwege: Cajas NPA

gute Wanderwege im Cajas NPA

gute Wanderwege im Cajas NPA

Märchenwald mit Prinzessin

Märchenwald mit Prinzessin

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Doch dann kommt es anders. Auf der Rückfahrt plötzlich die Nachricht: Der Zoll hat mein Paket gefunden, wer hätte es gedacht! Und jetzt wollen sie, dass ich Steuern zahle… Bitte was? Steuern auf einen Umtausch von einer Matte?? Keinerlei Informationen wo das Paket nun ist. In Quito? In Riobamba? Wie, warum und vor allen Dingen was man bezahlen muss. Nach frustranen Versuchen über diverse Hotlines etwas zu erfahren gehen wir schließlich zur Post. Dessen charmanter, herzerwämender Mitarbeiter klärt uns dann auf, dass das Paket in Quito liegt, ich 28 (!!) Dollar zahlen muss, warum weiß er nicht und sei ihm auch scheißegal. Außerdem bräuchte er jetzt eine Ausweiskopie, nein nicht das Original, eine Kopie. Selber machen kann er die nicht, weil er nämlich bis hierhin (Geste zum Hals) in Arbeit steckt (großes Gelächter von den Kollegen). Zurück mit der Kopie können wir natürlich nicht den Betrag zahlen, denn das wäre zu einfach. Stattdessen müssen wir unsere Telefonnummer hinterlassen. Der Zoll wird uns dann, vielleicht am Montag (in vier Tagen) anrufen und uns eine Nummer mitteilen. Mit dieser Nummer müssen wir dann wiederkommen und können dann Bezahlen. Nach dem Bezahlen dauert es dann auch nur noch läppische drei Tage, also ungefähr, vielleicht auch mehr. Das macht dann drei Wochen warten. Was soll man dazu noch sagen?

Wir beschließen zurück zu unseren Rädern nach Riobamba zu fahren und von da aus einen Rundweg über Baños durch den Amazonas zu radeln als Alternative zur geplanten Südamazonasstrecke. So sind wir dann in einer Woche wieder in Riobamba, können das Paket mitnehmen und einen Bus direkt in den Süden nach Loja nehmen, um Zeit zu sparen.

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