Lockeres Ausrollen

Nach Sondierung der Alternativen: Woche Strandurlaub, Woche Bangkok, Woche Berge im Norden entscheiden wir uns dafür in Chiang Mai ein Auto zu mieten und die hochgelobte Strecke an der Grenze zu Myanmar doch noch motorisiert zu sehen. Also fahre ich im Bus zurück nach Chiang Mai und düse zurück nach Mae Hong Son.

Die Strecke danach gilt als die kurvenreichste Thailands (arme Laura!), führt durch dichtesten Wald und ist sehr hügelig mit immer wieder schönen Blicken auf den Grenzfluss und die Karstszenerie. Allerdings verhindern häufige Schauer und tiefhängende Wolken immer wieder die Aussicht. Wir halten am Mae Ngao Nationalpark Hauptquartier. In der Trockenzeit genießen hier hunderte Thaifamilien die Natur, wandern und campen im Freien. Jetzt allerdings sind Restaurant und Campingplatz geschlossen und nur ein paar Bauarbeiter arbeiten an Bungalows für die nächste Saison. Auch die Ranger schauen uns etwas verdattert an, und da alle Beschilderungen ausschließlich auf Thai sind, sind auch Wanderungen schlecht möglich. Gott sei Dank sitzen wir im Auto denken wir uns, denn eigentlich hatten wir diesen Ort hier als Übernachtung fest eingeplant!

Panorama mit Wolken

Panorama mit Wolken

Auf der Strecke sehen wir dann eines der vielen Flüchtlingslager unter anderem für Karen und Muslime, die unter der Militärdiktatur in Myanmar aufs brutalste verfolgt wurden und hier Zuflucht fanden. In Holzhütten leben über 60.000 (!) Flüchtlinge mitten im thailändischen Nirvana zusammen. Viele NGOs kümmern sich um die medizinischen und rechtlichen Belange der Flüchtlinge, dennoch scheint eine dauerhafte Bleibe in Thailand wohl für die meisten fraglich. Durch Drahtgitter ist das Camp verriegelt und die Armee kontrolliert die Straßen – illegale Migration der Flüchtlinge nach Thailand? Drogenschmuggel? Wir kommen dank „richtiger“ Hautfarbe und „no thai!“ problemlos durch.

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Mae La Flüchtlingslager

Mae La Flüchtlingslager

 

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In Mae Sot angekommen spüren wir zum letzten Mal das Grenzfeeling , schauen wehmütig über die Brücke nach Myanmar und ärgern uns ein wenig, dass es nur für einen Abstecher über die grüne Grenze gereicht hat. Wir sind aber sicher: wir kommen wieder. Unter der „Grenzpromenade“ auf der thailändischen Seite strecken sich die Hände der Zigaretten- und Pornoartikelschmuggler durch den Zaun – die thailändischen Polizisten hundert Meter weiter schauen wohl auf höhere Anweisung hin weg. Im Gegenzug gibt es auf der Thaiseite große Einkaufszentren und Elektronikgeschäfte, in denen die reicheren Burmesen die Errungenschaften der Neuzeit kaufen, die es in Myanmar wohl noch nicht überall zu geben scheint. Thailand profitiert auch massiv von Tausenden billigen Arbeitskräften aus Myanmar und Kambodscha, die gegen Bezahlung von 1-2 $ / Tag schwarz gefährliche und unbeliebte Arbeit in Thailand verrichten. Mit dem aktuellen Putsch fürchteten die Kambodschaner, dass dies nun nicht mehr geduldet wird und flohen zu Hunderttausenden aus dem Land. Hier allerdings ist keine Spur von Exodus zu sehen.

westlichster Punkt Thailands und unserer Reise

westlichster Punkt Thailands und unserer Reise

 

Auf der Fahrt in den Khao Yai Nationalpark halten wir noch in Kamphaeng Phet (Ziegelruinen) und Lopburi. Dabei müssen wir einmal bei einem sintflutartigen Regenfall eine halbe Stunde anhalten, da die Autobahn zu einem reißenden Bach wird und die LKWs „volllaufen“ und einfach auf der Spur oft unbeleuchtet liegen bleiben. In Lopburi kreuzen wir wieder unsere alte Strecke und wir erinnern uns, wie ängstlich, neugierig und grün hinter den Ohren (südostasienweise) wir exakt hier vor fünf Monaten im gleichen Café saßen. Die Affen machen immer noch die Straßen unsicher und lassen sich von den Autos ein Stück mitnehmen, um spätestens vor den Gleisen abzuspringen (weiter hat Mama gesagt, dürfen sie nicht).

Im gleichen Café wie vor fünf Monaten in Lopburi

Im gleichen Café wie vor fünf Monaten in Lopburi

 

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Im Khao Yai Nationalpark sind wir begeistert von der guten Organisation und Infrastruktur. Mehrere viewpoints bieten grandiose Aussicht über den dichtgrünen Wald und die Chance Elephanten, Tiger, Leoparden, Gauren und andere Tiere zu sehen. Um es gleich zu verraten: wir haben eher „andere Tiere“ gesehen, aber es war trotzdem fantastisch. Die erste Nacht verbringen wir auf der Ladefläche unseres Pick-Ups, die zweite im Zelt auf einem wunderschönen Campingplatz mittem im Herz des Nationalparks. Auf den Stellplätzen grasen Hirsche und Gibbons rascheln in den Baumkronen  und wecken uns morgens mit ihrem Gesang.

Trägt man jetzt so

Trägt man jetzt so

 

Ele crossing - leider nicht

Ele crossing – leider nicht

Unsere erste Wanderung geht entlang einem Flussbett, das bei Lauras letztem Besuch in der Trockenzeit total ausgetrocknet war und nun doch beeindruckende Wassermengen führt. Leider sind vom Wasser auch die Krokodile bedeckt, jedoch rückt uns eine andere Gefahr bedrohlich auf den Leib. Erst dachten wir: süß! Eine Raupe! Wie falsch wir lagen zeigte sich, als die Raupe dann zielstrebig unser Hosenbein begann hochzuklettern. Also holten wir uns im headquarter „leech socks“ oder einfach Stulpen, um Socken und Hose gegen die Blutegel abzudichten. Dennoch müssen wir auf den Wanderungen alle zehn Minuten anhalten und die Aufdringlichsten wegschnipsen, die sich schon bis zur Kniekehle vorgerobbt haben. Wir schaffen es tatsächlich bis zum Ende nicht „Blut zu spenden“…

guguck, ich will Dich beißen!

guguck, ich will Dich beißen!

 

ja was wurmt denn da?

ja was wurmt denn da?

 

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Blutegel können kommen

Blutegel können kommen

 

Wir ignorieren die Empfehlung, die längeren Wanderungen nur mit guide zu machen und wandern drei Tage durch das Dickicht. Die Wege im Nationalpark sind ordentlich zugewuchert, von gestürzten Baumriesen versperrt und nur teilweise ausreichend beschildert. Mit etwas Suche und dank Openstreetmaps (hat tatsächlich auch Wanderwege) gelangen wir aber ans Ziel. Unser Lieblingsplatz ist ein sehr schön angelegter Aussichtsturm, von dem aus man endloses Grasland und Salzleckstellen sehen kann – ein Magnet für Großtiere, der leider erfolglos bleibt. Dennoch ist die Stimmung im Abendlicht mit Grasland, See und Wald fantastisch. Wie von Zauberhand bleiben wir drei Tage lang trocken und hören nur abends den Regen auf Auto und Zelt prasseln.

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Hätte ich fast überfahren

Hätte ich fast überfahren

Streichelzoo

Streichelzoo

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abends gab es Pilzpfanne à la Múscarin

abends gab es Pilzpfanne à la Múscarin

perfekt getarnter Schmetterling

perfekt getarnter Schmetterling

Als letzter Stopp vor dem Flugzeug steht Ayutthaya auf dem Programm. Mit Leihrad und Lauras Rad geht es von Backsteinhaufen zu Backsteinhaufen. Liegt es am unglaublichen Angkor oder sind wir einfach tempeled out? Die Parks um die Tempel, der köstliche Nachtmarkt und die traurige Gewissheit, dass dies unsere letzte Station in Südostasien ist, erzeugen dennoch eine melancholische Zufriedenheit. Wir waschen noch einmal alle Wäsche, sortieren aus und um, machen die Räder Box-fertig und sind auch schon auf dem Weg nach Bangkok, um bei Plai die Boxen abzuholen und dann in den Flieger zu steigen! BKK-DOH-MUC-MAD-UIO …

ok, das ist cool

ok, das ist cool

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Endgültige Karte Südostasien

Die letzten Bilder aus Südostasien

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2 Gedanken zu “Lockeres Ausrollen

  1. Superspannend, euren Trip zu verfolgen. Wir sind aber auch erleichtert, dass letztendlich alles gut gegangen ist und hoffen, dass das in Südamerika auch so läuft (nur gibt es dort glaube ich nicht so viele Fahrradgerschäfte!!!) Also weiterhin viel Spass und wir freuen uns über eure weiteren Berichte. Liebe Grüsse Gitte

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