Ende mit Knall

Wir verlassen Chiang Mai per Minibus und fahren direkt nach Pai, um Zeit zu sparen und auch um den langweiligen, verkehrsreichem Highway aus Chiang Mai zu umgehen. Pai gilt als die „Khao San Road“ (= Bangkok’s Backpackermeile) des Nordens. Dicht an dicht drängen sich Gästehäuser, Restaurants und Bars – gut können wir uns vorstellen wie es hier in der Hauptsaison auf der Partymeile zugehen muss. Zum Glück, ist es aber zu dieser Zeit sehr ruhig und man sieht nur vereinzelt den ein oder anderen Teenager Falang, barfuß, oberkörperfrei (trotz kühler Temperaturen anscheinend ein Muss, wenn man den Anspruch hat besonders lässig oder besonders dämlich, je nach Betrachterstandpunkt, rüber zu kommen) mit einem Tubingreifen (ein Autoreifenschlauch mit dem man sich betrunken im Fluss treiben lassen kann) unterm Arm durch die Stadt tapsen.Abends profitieren wir vom breitem kulinarischem Angebot und essen israelisch.

Übermüdet nach grundlos schlechtem Schlaf starten wir den nächsten Tag ungewohnt spät erst um acht Uhr. Der erste Speichenbruch (hey, das hatten wir schon länger nicht mehr!) ereilt Toto nach 10 km. Nach steilen 25km werden wir am Pass mit einem Kaffee belohnt. Darauf kann man sich in Thailand verlassen, am Gipfel gibt es fast immer ein nettes Café oder ähnliches. Der Viewpoint hat heute seine Namen leider nicht verdient, man sieht nicht viel mehr als eine Nebelwand. Sicherlich wäre der Blick toll gewesen, trotzdem war es eine schöne Strecke, besonders die dann folgende bequeme 14 km Abfahrt bis Soppong:). So erreichen wir mittags ein Traumresort mit dem Namen Little Eden, geführt von einer deutsch sprechenden Thailänderin, die jahrelang in Berlin gelebt hat. Wir genießen den Nachmittag im Pool (dem Regen zum Trotz!) und in der Hängematte auf der Flussterrasse.

Kaffee am Pass ! Bei Nieselregen und 20°C bitter nötig

Kaffee am Pass ! Bei Nieselregen und 20°C bitter nötig

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Flussterrasse Little Eden Resort

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Am nächsten Tag geht es dann nach Mae Hong Son, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Strecke ist anstrengend und hügelig, wir haben zu wenig gefrühstückt, sind ständig hungrig und kommen nicht so richtig in den Tritt. So vertrödeln wir viel Zeit und machen kaum Kilometer. Plötzlich „platzt“ dann auch noch Totos Hinterreifen mit einem großen Knall, zum Glück schafft er es, nicht zu stürzen. Wir denken es handele sich um ein kaputtes Ventil und tauschen den Schlauch aus. Doch 500 m weiter das gleiche Schauspiel: Bumm! Wir entdecken einen Riss im Mantel, wo der Schlauch sich anscheinend durchdrückt und dann platzt. Nach einigem diskutieren, ob wir direkt einen Pick Up anhalten sollen oder es noch einmal so probieren wollen, flickt Toto den Mantel notdürftig. Unerwarteterweise schaffen wir tatsächlich die verbleibenden 50 Kilometer ohne weitere Panne. Leider gibt es in Mae Hong Son dann aber nur 26 Zoll Mäntel zu kaufen und auch die Motorradwerkstatt hat keine Reparaturtechnik für einen Mantelriss parat. So bleibt uns nichts anderes übrig, als den Riss mit noch mehr Flicken zu stabilisieren. Außerdem haben wir im Internet gelesen, dass das Einlegen eines Geldscheins helfen soll. Vermutlich ist das wohl eher als Opfer an den Reifengott zu verstehen, als dass es wirklich zur Stabilität beiträgt. Wir legen einen 10.000 Dong Schein ein- Just In Case!

Viewpoint?

Viewpoint?

Nach der ganzen Plagerei haben wir uns einen Ruhetag verdient, finden wir. Wir leihen einen Roller und scootern an die Grenze von Myanmar, wo es ein chinesisches Flüchtlingsdorf gibt, das berühmt ist für seinen Teeanbau ist. Die Chinesen haben sich 1949 auf der Flucht von den Kommunisten hier angesiedelt und ihr Dorf „Das Dorf, das Thailand liebt“ benannt. Cleverer Einschmeichlungsversuch, finden wir. Der Chinese weiß, wie er das Geld vom Touristen bekommt: Das Dorf ist eine Ansammlung von Teesouvenirläden und Restaurants. Spannender ist da fast der Abstecher zur unbesetzten „Grenze“ Myanmars (ob dieser Klapperzaun das Wort Grenze verdient hat, sei dahingestellt), wo wir etwas burmesische Luft schnuppern dürfen. Von Wanderungen in dieser Gegend wird streng ab geraten, da es hier wohl viele Drogenschmuggelpfade gibt. Bei der „strengen“ Grenzbewachung nicht schwer vorzustellen..

Mein kleiner Scooter fährt 210 -schwupps, der Burmese hat uns nicht gesehen- das macht Spaß..

Mein kleiner Scooter fährt 210 -schwupps, der Burmese hat uns nicht gesehen- das macht Spaß..

Die "Grenze"

Die „Grenze“

"Tourist oder Terrorist???"

„Tourist oder Terrorist???“

Hallo Myanmar!

Hallo Myanmar!

Teeladenidylle

Teeladenidylle

Der nächste Radtag soll uns nach Khun Yuam führen. Am ersten Pass im Café (wo auch sonst;)) sitzen wir einen Regenschauer aus und bemerken, dass Totos Mantel sich an der geflickten Stelle gefährlich ausbeult. Das hält nicht mehr lang, das steht außer Frage. Wir beratschlagen uns und beschließen umzukehren und diese Strecke auf den nächsten Radurlaub zu verschieben. Doch dann taucht plötzlich ein anderer tropfnasser Radfahrer aus der Nebelwand auf. Steve aus England macht seit drei Jahren eine Weltreise mit dem Fahrrad. Er gibt Toto ein Stück Radmantel, den er an der kaputten Stelle in den anderen Mantel einlegt und so das Durchtreten des Schlauches verhindert. Allerdings bemerken wir bei der Gelegenheit, dass der Mantel auch schon an einer zweiten Stelle reißt, die Toto dann auch noch flickt. Toto wertet es als Zeichen des Universums, dass Steve vorbeikommen ist und meint, wir sollen es noch einmal probieren und weiterfahren. Ich bin mäßig begeistert, da es mittlerweile nach Pause, Regen aussitzen und Rad reparieren schon sehr spät ist und sehe nicht, dass wir es noch vor Einbruch der Dunkelheit ans Ziel schaffen. Aber was soll man gegen ein Zeichen vom Universum schon sagen?? Das zweite Zeichen lässt dann auch nicht lange auf sich warten, 1 km schaffen wir bis: Knall! Das war‘s dann wohl! Der Hinterreifen ist wieder geplatzt, an der neuen Stelle. Die fünf verbleibenden Radtage werden wir so nicht mehr schaffen. Chiang Mai ist 6h mit dem Bus entfernt und selbst da ist es nicht sicher ob wir einen neuen Mantel bekommen. Die Zeit bis zum Flug reicht nicht mehr aus, so beschließen wir: Das war Radreise Südostasien 2014! Wir werden wiederkommen!

Wat in Mae Hong Son

Wat in Mae Hong Son

Nach nur eine Minute kommt ein Pickup, der uns netterweise nach Mae Hong Son zurückfährt. Der Fahrer, ein thailändischer Karen, arbeitet für eine NGO und kommt gerade von einem burmesischem Flüchtlingscamp. Er ist unglaublich nett, spricht gut Englisch und erzählt mir viel interessantes, während Toto auf der Ladefläche unsere Ladung sichert. Er sagt, sie haben ca. einmal im Monat einen Malariafall im Camp. Ich hatte mehr erwartet, da hier das höchste Risiko in Thailand besteht. Auf die Frage, ob in seinem Dorf noch traditionelle Kleidung getragen wird, sagt er, nur manche tragen das noch, außer natürlich Sonntags zur Kirche, da tragen alle traditionelle Kleidung. Zur Kirche??? Fleißige Missionare haben es anscheinend bis in die letzten Bergregionen Thailands geschafft. Ja, sagt er, nicht alle Karen seien Christen, sein Bruder sei zum Beispiel Buddhist. Er bringt uns bis zur Haustür von unserem Hotel und lehnt sogar das Geld ab, was wir ihm geben wollen. Das haben wir noch nie erlebt.

Nun ist es offiziell: Für mich gehen fünf Monate Südostasien ohne auch nur einen einzigen Platten zu Ende. Schwerste Panne: Kette einmal rausgesprungen. Mein Fahrrad ♥

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