Laos II – Luang Prabang bis Thailand

Nach der in Beton gegossenen billigen Konsum- und Partystadt Vang Vieng ist der Wechsel zum nächsten Programmpunkt heftig: Luang Prabang – alte Hauptstadt von Laos, ehemaliger laotischer Königssitz, die goldene Stadt und angeblich schönste Stadt Südostasiens erreichen wir in vollkommener Dunkelheit und als wir am nächsten Morgen aus unserem Gasthaus treten, sehen wir unzählige wunderschön erhaltene majestätische Holzhäuser, goldene Pagoden und grüne Straßen. Auf den Straßen ist kaum Verkehr, denn die Altstadt liegt auf einer Halbinsel umspült vom Nam Khan River und dem Mekong, den wir hier nach langer Entbehrung in alter Frische fließen sehen.

Hipstercafé LPB-Style

Hipstercafé LPB-Style

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Der Frühstückshunger treibt uns in eins der hippen Cafés, die genauso am Prenzlauer Berg eröffnen könnten (und leider genauso teuer sind). Nach zwei perfekten Cappucini, Vollkorn-French Toasts mit hausgemachtem Vanilleeis und exquisiten Gebäckstücken, die noch von den Künsten der französischen Kolonialherren zeugen, sind wir gestärkt für den Tag. Vom Hausberg Luang Prabangs mit thronender Pagode hat man einen unfassbaren Blick über das Mekongtal, die umrahmende Bergkulisse, den mündenden Nam Khan River und die an verschiedenen Stellen des Himmels sich ergießenden Tropengewitter, die uns immer öfter heimsuchen. Der Regenponcho ist unsere zweite Haut geworden.

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Die Anzahl und Vielfalt der Klöster der Stadt ist wirklich überwältigend. Aus jedem grünen Winkel ragt irgendwo eine Pagode hervor. Zudem sind sie wirklich sehr kunstvoll gestaltet und dank UNESCO-Stempel und -Geld sind Malereien und Holzschnitzereien wohlrestauriert.

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Je länger wir durch die Innenstadt laufen, desto mehr beschleicht uns aber ein befremdliches Gefühl, dass diese Stadt leider schon den Zauber etwas eingebüßt hat. Boutique-Hotel reiht sich an Boutique-Hotel, tripadvisor Restaurants in Reih und Glied und das eigentlich frische, lebendige Luang Prabang hat sich an den Rand der Gentrifizierungszone geschoben, wo glücklicherweise unsere Unterkunft ist. Besonders zu leiden haben unter diesem Phänomen die unzähligen Klöster mit den noch unzähligeren Mönchen, die bei ihren Almosengängen früh morgens kaum noch Bewohner der Altstadt antreffen, sondern vorwiegend in (auch in meine) Objektive gucken. Wenigstens nimmt der chinesische Bustourismus zu und die buddhistischen Horden lassen sich mit dem Sammelbus direkt vor das Kloster fahren, um in Hektik Matte und Reis auszupacken und so eine fromme Tat zu tun. Wir quälen uns auch um fünf aus dem Bett für dieses Spektakel, aber in jedem kleinen Ort in Nordostthailand hatte das Ritual trotz eines Bruchteils der Mönchmasse mehr Flair, da es unberührter, unverfälschter und im Morgendunst zauberhafter wirkte.

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Mönche sammeln morgens Almosen

Mönche sammeln morgens Almosen

Viele NGOs und Expats sind in LPB ansässig und tragen mit ihren Ansprüchen und Investitionen zum phänomenalen kulinarischen Angebot der Stadt bei. Den Genüssen der französischen Bäckereien, Riverside-Restaurants und dem genialen Essen am Nachtmarkt sind wir natürlich auch nicht abgeneigt.

Auf dem Nachtmarkt werden auch die Seiden- und Wollschals angeboten und man steht vor dem moralischen Dilemma: 500$ für einen unglaublich schönen Schal bei einer fair trade Organisation oder 10$ (mit etwas geringerer Qualität) am Nachtmarkt. Die Lohnunterschiede und Gewinnspannen kann man sich ableiten – nur ist die Frage wie viel davon tatsächlich bei der einzelnen Weberin ankommt. Wir besichtigen eine der Musterfabriken für ethische Beschäftigung im Westen der Stadt und bewundern die flinken Hände der Frauen, die erstaunliche Muster in noch erstaunlicherer Geschwindigkeit zusammenknoten. Auch rückblickend aus Thailand können wir nur sagen, dass es in Laos und besonders Luang Prabang definitiv die schönsten und hochwertigsten Textilien ganz Indochinas zu kaufen gibt, die oft aus den nördlichen Bergdörfern stammen.

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In unserem guest house lernen wir neben dem Reiseradler James, Yan und Maya kennen – zwei sehr nette Reisende aus Japan und China. Wir verstehen uns sofort prächtig und unterhalten uns über die verschiedenen Traditionen und Systeme unserer Länder. Wir schlagen vor, dass sie uns am nächsten Tag bei einer Radtour zu einem nahe (30km) gelegenen Wasserfall begleiten und wir finden am Abend gute Leihmountainbikes für die beiden. Fröhlich radeln wir durch wundervolle Natur und nur der erste Berg bringt die beiden nach ca. der Hälfte der Strecke ins Schwitzen. Auf der Abfahrt rast Laura vor und Yan folgt ihr unerschrocken. Als ich kurz darauf nachkomme sehe ich Yan allerdings ziemlich zerknautscht im Seitengraben liegen und sofort ist klar: das ist etwas Ernsteres. Sie ist ziemlich geschockt und am rechten Schlüsselbein hat sie eine dicke Schwellung. Es ist ein unglaubliches Glück, dass sie trotz Helmlosigkeit (hätte 50 Cent extra gekostet!) „nur“ einen Schlüsselbeinbruch und ein paar Kratzer am Knie hat.

Endlich kommt auch Laura wieder den Berg heraufgestrampelt und sieht das Malheur. Wir stoppen ein Pick-Up und fahren mit Rädern alle wieder zurück ins Krankenhaus der immerhin viertgrößten Stadt von Laos mit unglaublichen 47.000 Einwohnern. Laura bleibt bei Yan und verbindet zusammen mit dem thailändischen Austauscharzt den Bruch, während ich versuche das verbogene Rad wieder geradezubiegen. Leider mangelt es neben Verbandsmaterial, Schmerzmitteln und antibiotischen Salben auch an Fachkenntnis und nur auf wiederholtes Nachfragen gibt es eine Tetanusimpfung und der Arzt zu, dass er den Bruch wohl doch eher operieren oder lege artis verbinden lassen würde und rät zum Flug nach Bangkok. Yan findet tatsächlich am nächsten Morgen einen Flug nach Bangkok, wo sie einen ordentlichen Verband kriegt und wir sind froh, dass die Geschichte so glimpflich ausgegangen ist. Maya, die initial gar nicht mitwollte und der wir noch die Schaltung erklären mussten, überrascht uns alle damit, dass sie am Nachmittag nochmal zum Wasserfall fährt – und zwar die ganze Strecke. Es freut uns sehr, dass wir wenigstens sie vom Spaß überzeugen konnten, den Radfahren macht!

Wir sehen die Geschichte als Omen, Luang Prabang und damit Laos so schnell wie möglich zu verlassen und steigen auf ein slow boat, dass uns den Mekong aufwärts an die thailändische Grenze bringt. Die Fahrt dauert zwei Tage mit Zwischenstop in dem kleinen Ort Pakbeng inmitten der laotischen Wälder. Unser Fahrrad wird kurzerhand aufs Dach des Bootes geschnallt und wir genießen die ruhige Fahrt sehr, die im Gegensatz zu den Busfahrten ruhig, kurvenlos und gemütlich ist. So schaffe ich es nach drei Monaten (!) endlich die „Brüder K.“ fertig zu lesen und vor Freude darüber auch noch „Catfish and Mandalay“ – eine absolute Leseempfehlung für alle, die etwas mit Vietnam zu tun haben möchten oder nach der Lektüre auch nicht mehr!

Dorfleben am Fluss: nachmittags Waschstunde

Dorfleben am Fluss: nachmittags Waschstunde

das slow boat vom zweiten Tag

das slow boat vom zweiten Tag

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Mekong

Mekong

Im Grenzort Houayxay angekommen verbringen wir noch eine letzte Nacht auf laotischem Boden und stehen am nächsten Tag an der neu errichteten Freundschaftsbrücke zwischen Laos und Thailand, um in unser „Heimatland“ überzusetzen. Absurderweise müssen wir die Räder über die Brücke in einen Bus laden, da es verboten ist über die Brücke zu radeln – ärgerlich! Der Ärger weicht aber der Vorfreude auf die gute Infrastruktur, Küche und Freundlichkeit Thailands, die uns im gelobten Land auf der anderen Seite erwarten…

Photos aus Luang Prabang und der Mekongfahrt

Zur aktuellen Karte

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