Von Ha Giang nach Tam Son

Nach unserer Halong Bay Exkursion nehmen wir von Hanoi einen Bus in die Hauptstadt der nördlichsten Provinz Vietnams, Ha Giang, um von dort den gebirgigen Norden zu erkunden. Wir fürchten uns etwas vor der Antrengung der nächsten Tage, im Schnitt müssen wir jeden Tag 1000 Höhenmeter überwinden. Am nächsten Morgen stehen wir erst um 7 Uhr auf, da wir wissen, dass die Immigration, wo wir unser Passiererlaubnis für die nun kommenden Straßen nahe der chinesischen Grenze beantragen müssen, erst um 8 Uhr öffnet. Leider informiert uns dann aber die Dame an der Hotelrezeption, dass heute Feiertag ist (1. Mai), dass bis Sonntag einschließlich Ferien sind und dort niemand arbeitet. Aber wir bräuchten uns da keine Sorgen machen, wir bräuchten die Passiererlaubnis nicht. Irritiert und verunsichert verlassen wir das Hotel und sagen uns, dass wir wenigstens mal bei der Immigration vorbeischauen und, wenn die geschlossen hat, an einem Reisebüro nachfragen. Leichter gesagt als getan – nach einer Stunde erfolgloser Suche finden wir weder Immigration noch Reisebüro. Da man aber, laut Reiseführer, nach Ha Giang zurück geschickt wird (neben eine saftigen Geldstrafe versteht sich), wenn man kontrolliert wird und nichts vorweisen kann, ist uns das Risiko zu groß, einfach so zu fahren. Nach einigem hin und her fällt Toto ein, dass er etwas von einem Motoradtourenveranstalter im Ort gehört hat, den wir kurzerhand anrufen. Dieser erklärt uns, dass wir erst ab Dong Van (200 km später) diese Erlaubnis brauchen und bis dahin problemlos fahren können. Ist wohl nicht mehr die aktuellste Information in dem Reiseführer.

Mittlerweile ist es dann schon 10.15 Uhr als wir endlich nach Tam Son aufbrechen können. 47 km sind auch um 10 noch machbar, denken wir uns…oh, hätten wir gewusst was uns erwartet, naja, der Reihe nach. Kaum haben wir Ha Giang hinter uns gelassen, fühlen wir uns wie in der Freilichtversion des Hanoier Ethnologiemuseums. Überall sehen wir Menschen in traditioneller Kleidung mit oder ohne Wasserbüffel, auf dem Rücken wahlweise ein Kind oder ein großer Tragekorb, über die Straße laufen. Vorbei geht es an den verschiedensten Dörfern, Stelzenhäusern, Lehmhäusern… verzweifelt versuchen wir uns zu erinnern: Welche Minorität baut nochmal welche Häuser?? Wer baut nochmal Nassreis und wer Trockenreis an? Niemals hätten wir erwartet, dass die Straße wirklich direkt an den Dörfern vorbeiführt und dass trotz der guten Anbindung zur Außenwelt fast niemand Adidas oder Reebok Einheitskleidung trägt.

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Nach ca. 20 km Idylle beginnt dann der Pass, auch atemberaubend, doch leider fehlt mir schnell die Kapazität um es wirklich zu genießen. In praller Mittagssonne winden wir uns den nicht enden wollenden, verflixt steilen, Berg hoch. Nach 8 km bergauf sitzen wir zerfließend im Schatten als ein Amerikanerpärchen von oben kommend mit seinem Motorrad anhält. Wir fragen- ist es noch weit bis zum Gipfel?? Sie winden sich etwas und sagen: Nee, da vorne noch um die Ecke, dann geht es erst mal eben, dann kommt noch ein kurzer (!!) Anstieg und dann geht es nur noch bergab bis zur Stadt. Erleichtert bedanken wir uns. Ihr Zögern hätte uns wohl sagen sollen, dass es anders kommen wird. Nachdem wir um die Kurve gefahren sind nimmt die Steigung etwas ab und wir denken, dass das die Ebene sein muss von der sie sprachen, danach kommt dann noch ein kurzer Anstieg und wir denken: Jaaa geschafft!! Doch leider lässt die Abfahrt auf sich warten. Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit in der Ebene gefahren sind, schwant mir schon böses. Sollte der Anstieg noch vor uns liegen?? Und tatsächlich taucht er dann bald auf, laut auf die Beschönigung des Amerikaners fluchend beißen wir die Zähne zusammen und fahren noch einmal bergauf, kein Anstieg, den ich als kurz bezeichnen würde. Doch wieder kommt am Gipfel nicht die versprochene Abfahrt.

33 km geschafft! Noch frohen Mutes...

33 km geschafft! Noch frohen Mutes…

 

Feldarbeiterin in Tracht

Feldarbeiterin in Tracht

Mittlerweile sind es noch 10 km bis zum Ziel und wir fragen uns wie hoch denn wohl genau der Anteil von „then it’s all the way downhill into town“ an der Gesamtstrecke sein wird. Nach ein paar weiteren Kilometer in der Ebene bleibt Toto plötzlich am Straßenrand stehen und ich denke, da ist endlich die Abfahrt. Doch leider weit gefehlt, als ich näher komme sehe ich Verzweiflung aus seinen Augen sprechen. Und dann erblicke auch ich ihn… den kleinen Anstieg, geradezu süß!! Besonders die Straßenanteile, die nahezu senkrecht verlaufen zu scheinen. Niedlich! Ohne ein weiteres Wort zu sprechen greifen wir an. Ich muss mehrfach anhalten, da ich mir sicher bin, mich sofort zu übergeben. Toto gesteht später, dass er oft geschoben hat. Ich nehme mir eisern vor nicht zu schieben, wäre vielleicht aber schneller gegangen. Die letzte S-Kurve (von der ich natürlich nicht weiß, dass es die letzte ist) ist dann so fürchterlich steil, dass ich aufgebe und noch die letzten Meter versuche, zu schieben. Allerdings bin ich schon so erschöpft, dass ich mehrere Anläufe brauche, bis sich das Rad überhaupt bewegt. Plötzlich überholen mich 6 Vietnamesen auf dem Motorrad. 2 Halten oben an, springen von ihrem Motorrad und rennen den Berg runter, um mir beim Schieben zu helfen! Sehr gerührt von so viel Hilfsbereitschaft komme ich endlich am Gipfel an. Das war schon die 3. Unterstützung an diesem Tag. Das erste Mal haben uns 4 kleine Jungs von der Größe von Franz mit einer erstaunlichen Stärke, erst Toto und dann mich, einen Stück den Berg raufgeschoben. Es war wirklich verrückt, mich haben sie bestimmt 100 m richtig schnell den steilen Berg hinaufgeschoben. Keine Ahnung wo sie die Kraft hergenommen haben. Am letzten Pass haben mich dann noch zwei Männer, deren Minibus am Berg liegen geblieben war, ein Stück geschoben, allerdings so schnell und unkontrolliert, dass ich Angst hat direkt über den Straßenrand ins Tal zu fallen. Trotzdem sehr nett. Zusammenfassung des Tages Radfahrer – Berg 1:0 und 100 Sympathiepunkte für die Vietnamesen!

Achja, die Abfahrt beinah hätte ich sie vergessen zu erwähnen Es gab sie! 2 km „all the way downhill“. Also waren es ab Treffpunkt Amerikaner noch 18 km bis zum Gipfel und dann 2 km Abfahrt, das hätte man wohl besser beschreiben können!

Reishüte – ein eher seltener Anblick hier in den Bergen

Endspurt!

Endspurt!

 

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