Auf der MS Traumschiff durch die Halong und Bai Tu Long Bay

26 – eigentlich kein Alter, um unter die Kreuzfahrer zu gehen, aber nach reiflicher Überlegung, entschieden wir uns die Hauptsehenswürdigkeit Vietnams auf einer 3-Tagestour mit Ethnic Travel zu erkunden. Man hätte mit öffentlichen Fähren auch durch die Buchten fahren können, allerdings rasen diese in geschlossenen Schnellbooten von A nach B und man verweilt nicht zwischen den Felsformationen, was ja eigentlich der Hauptreiz ist. Die Agentur hat versprochen, die Massen der Halong Bay zu meiden und neben der Lan Ha Bay am zweiten und dritten Tag die untouristische Nachbarbucht Bai Tu Long Bay zu erkunden.

unser Boot am 2. Tag

unser Boot am 2. Tag

Also lassen wir uns tiefenentspannt um acht vor dem Hotel abholen und steigen in einen Minibus, der lustigerweise nur junge Leute in die 5h entfernte Halong Bucht bringt. Es herrscht Amtssprache Französisch und wir finden uns mit unserem Gwada-Slang natürlich sofort in hitziger Diskussion: Beeenn … Ouais … Putain … Außerdem sind noch eine sehr nette Polin und eine sehr nette Niederländerin an Bord. Es schüttet während der gesamten Fahrt aus Kübeln und wir fragen uns, ob es so eine gute Idee war, den Trip heute zu beginnen…

Boot an Boot in der Halong Bay

Boot an Boot in der Halong Bay

Der Hafen von Halong gleicht einem Taubenschlag – nur hässlicher. Hunderte Motorboote laufen ein und aus und hinterlassen Ölspuren hinter sich auf dem Wasser. Wir besteigen unser Boot – ein kleines Ausflugsschiff mit sechs Kabinen und insgesamt vier Mann Besatzung und uns neun Gästen. Die ersten Kilometer dümpeln wir dicht an dicht mit vielen Booten und nehmen unseren ersten lunch des all-inclusive Pakets ein. Flühlingslollen und andere asiatische Spezialitäten. Das Essen ist reichlich und wärmt uns wieder auf, nachdem wir auf dem Weg zum Boot ordentlich durchgeweicht sind.

Halong Bay

Halong Bay

reichliches Abendessen

reichliches Abendessen

Danach erreichen wir das Gebiet, wo die Kalkfelsen beeindruckend aus dem Meer ragen und wir die anderen Boote durch das Zick-Zack durch die Formationen abschütteln können. Nun wird es tatsächlich sehr schön, obwohl es mit unveränderter Intensität regnet. Wir machen es uns mit Regencapes und einer Tasse warmen Kaffee auf dem „Sonnen“deck bequem. Das Schiff gleitet nun fast lautlos durch die engen Durchgänge zwischen den Felsen und teilweise meint man den Fels berühren  zu können – so nah steuern wir daran vorbei.

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Nachmittags hört es für exakt eine Stunde auf zu regnen und wir nutzen die Pause, um mit Kayaks ein floating village zu erkunden. 800 Menschen leben hier seit fünf Generationen auf von Styropor getragenen Bretterbuden, um möglichst nah an den Fischgebieten und möglichst weit weg von den vietnamesischen Steuerbehörden zu sein. Sogar eine von Japan gesponserte Schule und eine Gemeindeverwaltung treiben auf dem grünen Meer. Alles wird bei nahendem Taifun in die nahe schützende Bucht verfrachtet. Wir denken über die Vorteile des Lebens auf dem Wasser nach: passt der Nachbar nicht, löst man die Taue und sucht sich einen netteren oder wenn man eine Party schmeißt, tuckert man einfach um den nächsten Fels. Beliebte Ausrede in der Schule: Herr Lehrer, ich habe keine Hausaufgabe – ich musste heute zur Schule schwimmen, das Boot ist defekt.

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Hier lernt man erst rudern, dann laufen

Hier lernt man erst rudern, dann laufen

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Das Meer sieht eher nach einem großen See aus und erst der salzige Geschmack des Wassers, das über die Paddel ins Gesicht tropft und erstaunlich warm ist, lässt uns glauben, dass es sich tatsächlich um das Meer handelt. Auf den Plattformen vor den Häusern spielen sogar Hunde und Katzen – wenigstens sind wir uns diesmal sicher, dass sie nicht hinter uns hergekrault kommen. Mehrere kleine Jungs rudern mit den Füßen herum, da sie noch nicht mit den Händen an die Paddel kommen. Der kleinste ist noch keine drei Jahre und vielleicht auch noch keine zwei. Hier lernt man anscheinend erst rudern und dann laufen.

Paddeln durch ein floating village

Paddeln durch ein floating village

Da hilft nur noch warmer Kaffee

Da hilft nur noch warmer Kaffee

Wir lassen uns in der geschützten Bucht treiben, wo man nur die Schreie der auf den Inseln lebenden Vögeln und Affen hört. Hoch oben ziehen Raubvögel Kreise und haben hier wohl das idealste Revier für ihre Jagd und einen sicheren Horst. Wir steigen aus dem Kayak und sind froh über die warme Dusche an Deck, sowie unsere hübsche Kajüte mit Meerblick (und Uringeruch).

Es hört auf zu regnen und nun weht eine warme, angenehme Brise. Abends ankern wir in einer – bis auf drei Boote in der Ferne – ruhigen Bucht und lassen auf dem Deck die vollkommene Finsternis die Schatten der Kalkfelsen auslöschen. Nun schlägt die Stunde unseres Guides „Mu“ – einer flower hmong. Es ist das Konzept von Ethnic Travel meist Minoritäten einzustellen und Mu schildert von den Sitten und Bräuchen in ihrem Heimatdorf nahe Sapa, an der chinesischen Grenze.

unsere bunte Runde

unsere bunte Runde

Es ist wirklich unglaublich, ihr zu lauschen, denn sie selbst entschied sich das Dorf zu verlassen, ihre Eltern seien 50% stolz, 50% bedrückt über ihren Fortgang in die Metropole Hanoi. Ihre 15jährige Schwester sei inzwischen glücklich verheiratet. Und zwar geht das bei ihr so: Am achttägigen Neujahrsfest nutzen die Bauernsöhne die Gelegenheit das Angebot zu inspizieren, um sich dann an einem der letzten Tage die Braut ihres Willens zu kidnappen(!!). Ob Frau will oder nicht, sie müsse erstmal mit. Mus Schwester konnte zwei Wochen danach ihren Arm nicht bewegen, weil sie sich so gewehrt habe. Der Entführer bringt dann ein Büffelhorn mit Reiswein zu den Eltern der Braut und diese haben drei Tage Zeit, zu entscheiden, ob sie ihre Tochter dem Mann versprechen wollen oder nicht. Allerdings gilt ein Ablehnen als enormer Affront und man fürchtet, dass sich dann in den kommenden Jahren kein Mann mehr an diese „widerspenstige“ Frau wage. Außerdem habe man nur drei Jahre Zeit, um entführt zu werden, da man mit 18 schlicht zu alt zum verheiratet werden ist. Mu selbst allerdings ist mit einem Schiffsjungen liiert und auch wenn die Annäherungen dezent sind, so muss es für sie einen unglaublichen Ausbruch aus den traditionellen Rollenverteilungen darstellen.

Leider haben sich drei der Franzosen anscheinend im Reisebüro vertan, denn sie stören Mus Erzählung immer wieder durch laute französische Witze und verlangen nach Karaokesingen und Trinkspielen. Uns freut es zu sehen, wie sich die 21jährige Mu (150cm maximal) gegen diese drei Chaoten durchsetzt und sie immer lächerlicher dastehen lässt. Das frustriert sie dermaßen, dass sie am nächsten Tag beim Paddeln immer noch die Motzkuh geben, die Paddel umherschmeißen und sich lautstark über alles und jeden beschweren. Ich fühle mich an meine besten Zeiten vor ca. zehn Jahren erinnert.

Die Nacht an Bord ist sehr ruhig und morgens paddeln wir zu einer nahegelegenen Höhle, die früher Fischern Unterschlupf bot und leider aber ziemlich vermüllt ist und kein Vergleich zu den Höhlen in Phong Nha Ke Bang. Danach ist es die Kunst vom Sonnendeck zwischen die Quallen in der Bucht zu springen. Schließlich tuckern wir zurück nach Halong, um einen Bus in die Nachbarbucht Bai Tu Long Bay zu nehmen.

Dort ist der Hafen wesentlich authentischer: bunte Fischerboote treiben hier statt weißen Ausflugsdampfern und wir besteigen ein Holzboot, was uns auf eine der Inseln in der Bucht bringt. Die Bai Tu Long Bay ist zwar vollkommen untouristisch, aber nur am Anfang ähnlich spektakulär  wie Halong. Danach werden die Inseln breiter und flacher.

Wenn ich nicht hier bin, dann bin ich auf dem Sonnendeck

Wenn ich nicht hier bin, dann bin ich auf dem Sonnendeck

Hafen der Bai Tu Long Bay

Hafen der Bai Tu Long Bay

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Nach einer Nacht auf einer größeren Insel, die immer noch keinen Strom hat, fahren wir – langsam der Inselszenerie überdrüssig – zurück. Einmal noch besteigen wir das Kayak, um eine floating oyster farm zu umpaddeln. An langen Nylonschnüren wachsen hier über acht Monate Speisemuscheln. Das Schlimmste erwartet uns aber noch: der Fahrer schafft es, dass uns auf der 5-stündigen Fahrt nach Hanoi tatsächlich nur ein vollkommen von den Lebensgeistern entkoppelter Bus überholt. Ich fühle mich wie ein Crashtest dummy, denn wir rasen mehrfach frontal auf Scooter, Autos und LKWs zu, um im letzten Moment noch einzuscheren.

Allerdings erreichen wir so noch unseren Fahrradladen vor Ladenschluss und sind im Endeffekt froh, denn lange Feiertage hätten sonst unseren Sprung in die Berge an die chinesischen Grenze erschwert. Insgesamt war der Trip sehr schön, vor allem die doch nicht ganz so überfüllte Halong Bay ist definitiv eine Nacht wert, um in die entlegeneren Ecken bis zur Lan Ha Bay zu kommen. Allerdings – lag es am Wetter?! – konnten wir die frenetische Begeisterung der Reiseführer nur bedingt teilen und in unserer Meinung sind das Mekongdelta und auch der Phong Nha Ke Bang NPA mindestens ebenbürtig.

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