Magisches Hoi An und festliches Hue

Nach der langen Zugreise aus HCMC etwas gerädert (hier bitte lachen oder zumindest gezwungen lächeln), steigen wir in Danang aus und sind hocherfreut, nach kurzer Wartezeit unsere Räder in perfektem Zustand wieder überreicht zu bekommen. Wir satteln auf und fahren ans Meer. Der Strand ist endlos, die Wellen erstaunlich lebhaft und mit den Volleyballfeldern und lifeguard Türmen erinnert es sehr an die amerikanische Westküste. Danang ist eine boomende Millionenstadt zwischen Hoi An im Süden und Hue im Norden und wir müssen ca. 30km am Meer zurück nach Hoi An. Auf der Strecke reihen sich Luxusresorts an Golfplätze und es herrscht das Zeitalter des Pauschaltourismus: Am Meer Betonklötze und dahinter wüstes Land mit Bauprojekten und der ein oder anderen verbliebenen Hütte alter Bewohner. Die Drachenbrücke in Danang zeigt, wie eine gelungene Kombination aus Tradition und Moderne aussieht.

Drachenbrücke in Danang

Drachenbrücke in Danang

Kalifornisches Strandfeeling

Kalifornisches Strandfeeling

Hoi An ist eine alte Handelsstadt, die ca. fünf Kilometer im Landesinneren an einer Flussmündung liegt. Der Zufall wollte es, dass vor ca. 300 Jahren der Fluss versandete und so der einst einflussreichste Hafen nach Danang verlegt wurde und Hoi An in einen Winterschlaf verfiel. So wurden die prächtigen Residenzen der chinesischen und japanischen Händler mitsamt der historischen Altstadt erhalten. Die Holzhäuser mit den ausgeblichenen Fassaden, dazwischen eingestreute Tempelanlagen und Versammlungshäuser sind in außergewöhnlich guter Verfassung und der Grund, warum Hoi An den Stempel Weltkulturerbe erhalten hat.

Straßenbild Hoi An

Straßenbild Hoi An

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chinesische Pagode in der Innenstadt

chinesische Pagode in der Innenstadt

alte Markthalle

alte Markthalle

Eingangstür zu einer Pagode

Eingangstür zu einer Pagode

Leider sind wir nicht die einzigen, die Hoi An entdeckt haben. In den alten Häusern wechseln sich  Restaurants, Schneider und Souvenirläden ab – Gentrifizierung ist in Hoi An sicher kein Fremdwort. Die Touristenmenge ist erstaunlich durchmischt – Backpacker, Familien, Tagestouristen aus den Resorts und auch viele Vietnamesen strömen durch die Gassen. Wir genießen die Stadt dennoch sehr mit ihrem Charme, denn man findet auch noch viele kleine unberührte Gassen, ruhigere Ecken, Straßencafés und auch das Umland ist authentisch geblieben.

Beach bei Hoi An

Beach bei Hoi An

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Bei einer Radtour durch das vegetable village Tra Que nördlich sieht man die Kräuter und Gemüsesorten, die vom Feld direkt in den Topf wandern – ein Grund, warum die Küche Hoi Ans als die beste und vielfältigste Vietnams gilt. Wir lernen sie bei einem sehr netten Kochkurs mit Charlotte, einer Deutschen, und einer Familie aus Australien kennen. Insgesamt finden wir aber, dass wir im Mekongdelta leckerere Gerichte kennengelernt haben, als sie hier in Hoi An trotz Nobelrestaurants zu finden sind – oder ist es unseren Kochqualitäten geschuldet?

frische Kräuter werden geerntet

frische Kräuter werden geerntet

Viel Wasser nötig bei 40°C

Viel Wasser nötig bei 40°C

voilà - das Resultat

voilà – das Resultat

Hatte smeekt? Ja, sehr!

Hatte smeekt? Ja, sehr!

Der wahre Zauber Hoi Ans zeigt sich nachts, wenn die Stadt von Lampions und Kerzen erleuchtet wird. Auf öffentlichen Plätzen werden Gemeinschaftsspiele gespielt. Chinesisches Schach, Bingo mit traditionellen Versen und eine Art „Topfschlagen“ sind sowohl für Einheimische, als auch für die Touristen eine Schau. Die Uferpromenade spiegelt die warmen Lichtspiele und auf dem Hoi An River treiben einzelne Lampions, die aus gewachstem Papier sind und überall – leider recht aufdringlich – verkauft werden. Zufällig sind wir zum Vollmondfest hier gelandet, an dem die Menge an Lampions auf dem Fluss – und auch die Schar der Touristen – einen Höhepunkt erreicht. Auf der Brücke trampeln sich die Massen auf die Füße, aber von weiter weg bei einem frischen Bia Hoi ist die Szenerie sehr romantisch.

Vollmondfest Hoi An

Vollmondfest Hoi An

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Kinder beim Lampionverkauf

Kinder beim Lampionverkauf

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Kenner beim chinesischen Schach

Kenner beim chinesischen Schach

Von Hoi An radeln wir über den Wolkenpass nach Hue. Pünktlich zum Abschlusswochenende des Hue Festivals, das als größtes kulturelles Event Vietnams gilt. Abends ist die Stahlbrücke bei einer Installation einer französischen Künstlergruppe mit hunderten brennenden Eimern in einen funkelnden Schein versetzt. Entlang des perfume river spielen Bands auf öffentlichen Bühnen und es herrscht Volksfeststimmung.

Am nächsten Tag erkunden wir die Zitadelle von Hue. Hier residierten von ca. 1800 bis zum Ende des 2. Weltkriegs die vietnamesischen Kaiser. Die elegante, leichtfüßige und zeitlos moderne Bauweise mit flachen Holzhäusern, schattigen Galerien, Wasseranlagen und begrünten Innenhöfen ist ebenso groß wie fantastisch. Hervorragende Schautafeln lassen die Riten, Kostüme und Gepflogenheiten am vietnamesischen Hof lebendig werden. Elefantenparaden, beratende Mandarine und französische Kolonialherren sind noch nicht einmal hundert Jahre her, aber erscheinen wie aus einem anderen Jahrtausend. Im Gegensatz zu Hoi An sind hier überraschenderweise fast keine Touristen und wir haben die Anlage stellenweise für uns allein. Zum ersten Mal machen wir uns auch einen Lenz und lassen einen Cyclofahrer (vietnamesische Radrikscha) die Arbeit machen.

Hurra, hurra die Brücke brennt!

Hurra, hurra die Brücke brennt!

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Von Hue geht es dann per Bus weiter in den Phong Nha Ke Bang Nationalpark. Leichter gesagt, als getan. Wir hatten am Abend zuvor einen Bus bei unserem Rezeptionisten gebucht nach den üblichen Verhandlungen über den Preis. Am nächsten Morgen stehen wir auf und der gleiche Rezeptionist empfängt uns mit den Worten: „Good Morning! Any plans for today?“ … Ähm .. was? Ja, zum Beispiel den gebuchten Bus nehmen?! Nein, er streitet ab, überhaupt mit uns geredet zu haben – anscheinend gab es ein Problem mit der Buchung und das ist die vietnamesische Problemlösestrategie ohne sein Gesicht zu verlieren. Nach wiederholter Bitte mit dem dringenden Wunsch, den Typen zu würgen, ruft er den Bus dann noch einmal an, der tatsächlich nach kurzer Zeit bei uns am Hotel ist. Allerdings sitzen schon jede Menge Touristen darin, die einen daytrip in den Nationalpark machen wollen und über die „Kaffeepause“ wie der Busfahrer sagt, zehn Minuten nach Abfahrt not amused sind. Der Bus hat einen Kofferraum von ca. 1m³ und jeder Mensch sieht sofort, dass da niemals unsere Räder hineinpassen, aber nein: es müssen erst alle Reifen abmontiert, die Schaltungen gestoßen und die Schutzbleche verbeult werden, bevor auch dem Busfahrer klar ist, dass wir und die Räder vorerst in Hue bleiben und die Touristen entnervt wieder einsteigen. Bei der local bus station kriegen wir dann einen Bus, der unsere Räder im Inneren, damit sicher und auch noch billiger mitnimmt. Im Nationalpark treffen wir dann noch einmal, die einzig nette Familie, die beim Einladeversuch Mitleid mit uns hatte und nicht entnervt weiter wollte und hören vom Horrortrip in einem vollkommen überfüllten Bus, der noch viele Leute auf der Strecke mitgenommen hatte und sind froh, dass unsere Räder sich dagegen gewehrt hatten.

Löwe in der Telefonzelle?

Löwe in der Telefonzelle?

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Galerie in der Zitadelle

Galerie in der Zitadelle

Dachverzierung

Dachverzierung

Gut lachen im Cyclo

Gut lachen im Cyclo

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