Visa Extension in Vietnam – lessons learned

Montag! Nach zwei schönen Wochenendtagen in HCMC können wir endlich die Verlängerung des Visums in Angriff nehmen. Voller Zuversicht stapfen wir früh morgens mit Pass, Fotos und einer Hand voll Dollars los. Wir hatten uns im Internet informiert, wo und zu welchen Bedingungen man das Visum verlängern lassen kann.

In der „Zielstraße“ angekommen blicken wir uns suchend um. Mhm, die Hoteldame hatte die Immigration hier eingezeichnet. Tatsächlich steht eine Art Kaserne mit Wachposten davor. Wie erkundigen uns, ob wir hier richtig sind und der kakifarbene Burschi, dem kaum sein erstes Haar auf der Oberlippe flaumt, reagiert überhaupt nicht. Wir fragen erneut nach und klappen den Pass mit offener Visumsseite auf, worauf uns der Typ auf Vietnamesisch anfährt ohne uns auch nur einmal anzusehen und mit der Hand eine Geste macht, als wollte man eine lästige Fliege verjagen. Aha, hier verbringt man also die ersten Dienstjahre in einem Wellblechhäuschen in der Sonne und wird dafür bezahlt, alle sich potentiell bietende Arbeit erstmal abzuwimmeln.

Ein paar Häuser weiter ist dann aber die richtige Immigration, auf die uns nach mehrmaligem Nachfragen sehr nette Parkwächter hinweisen. Wir ziehen brav eine Nummer und sind nach 15 Minuten warten tatsächlich schon dran. Das ging einfach. Dann kommt aber der Hammer.

Der freundliche und tatsächlich englisch sprechende Beamte erzählt uns, dass eine Verlängerung des Visums nur durch eine Touristenagentur möglich sei. Bei uns im Viertel hatten wir uns vorher schon erkundigt und waren auf Preise von 35$ (7-10 WERKTAGE) bzw. 55$ (2 Werktage) gestoßen. Wir erklären ihm freundlich, dass wir gerne selbst das Visum verlängern lassen würden, da die Agenturen überteuert seien und weisen ihn auf das Schild ihm gegenüber hin auf dem steht: Visum Extension 10$. Er sagt – nein – man bräuchte eine Einladung von vietnamesischer Seite und das könne nur eine Touristenagentur machen. Freundlicherweise reicht er uns dann einen Zettel, auf dem die Nummer einer Agentur (vermutlich die seines Bruders) vermerkt ist. Wir beharren darauf es selbst machen zu wollen und erklären ihm, dass man nur das Formular N5 auszufüllen bräuchte laut Internet. Daraufhin überweist er uns zur Formularausgabe.

Aha, erwischt – denken wir uns und füllen rasch das Formular aus, auf dem man ganz klar KEINE Einladung benötigt, sondern nur die Adresse des Hotels und einen Stempel der örtlichen Polizei. Voller Stolz kehren wir zu ihm zurück und schwenken das Formular unter seiner Nase, aber kein Durchkommen. Nein, es gehe nicht ohne Agentur. Er beharrt darauf so freundlich und redundant, dass man das Gefühl nicht loswird, er warte darauf, dass man ihm den Pass einmal mit einer Hand voll Dollar überreiche und das Problem würde sich sehr schnell dadurch lösen. Er erklärt uns, es stünde im Gesetz, dass man eine Agentur braucht, die einen pro forma „beschäftigt“ und daher um längeren Aufenthalt bittet?!?! Auf die Frage, ob das sein Chef auch so sehen würde und warum merkwürdigerweise der Preis für 10$ zwei Meter weiter hängt, reagiert er gelassen und wendet sich dem nächsten zu.

Selbstgefälligkeit in Grün

Selbstgefälligkeit in Grün

Pah! Dem zeigen wir es, denken wir uns und marschieren zum Hotel, damit sie uns die Einladung bestätigen und dann gibt es keine Zweifel mehr. Also zurück zum Hotel. Nach einem kurzen Telefonat weigert sich allerdings das bisher sehr freundliche Personal, das Formular auszufüllen. Wir erklären ihnen, dass wir einfach nur die Adresse brauchen und eine Unterschrift, dass wir hier wohnen, aber keine Chance. Wir sollten zur Polizei und den Stempel besorgen. Also zur Polizei. Er empfiehlt uns eine nette Polizei, die wir schon nach 40 Minuten Suchen finden, da sie absolut nicht angeschrieben oder erkenntlich ist. Dort versteht der tatsächlich nette Polizist und schickt uns aber zur Hauptpolizei von District 1 weiter. Er schreibt uns noch einen Unterschrifts-Krakel auf einen Zettel, mit dem – wie er sagt – jeder das macht, was wir wollen, da er es authorisiert habe. Aha … Uns rauscht schon etwas der Kopf und wir kommen uns vor, wie Asterix und Obelix (wer ist wer?) im Haus, das Verrückte macht. Lindgrüner Passierschein A38… Auf der neuen Polizeiwache setzen wir uns schweißgebadet auf die Wartebank und schauen ungläubig auf den Überwachungsfernseher. Ein mittelalter Polizeibeamter verprügelt gerade einen jugendlichen Knaben, der offensichtlich verhört wird. Kurz darauf verpasst er ihm fünf Meter von uns entfernt eine schallende Ohrfeige und schreit ihn an. Ah, nett hier – denken wir uns und wissen nun auch über die Methoden der vietnamesischen Polizei Bescheid.

Unterschrift, die angeblich alle Puppen tanzen lässt und Handlungsanweisung für das Hotel. Leider half alles nix.

Unterschrift, die angeblich alle Puppen tanzen lässt und Handlungsanweisung für das Hotel. Leider half alles nix.

Als wir an der Reihe sind, gibt es aber nur eine kleine Ohrfeige: Dienststelle schließt jetzt, kommt um 14.oo Uhr wieder. Gelegenheit für uns, Mittag zu Essen, um neue Energie im Kampf gegen die vietnamesischen Windmühlen zu sammeln. Um zwei sind wir zurück, aber diesmal schreibt uns die Polizistin vier Befehle auf Vietnamesisch auf einen Zettel und macht klar – wir müssen erneut zum Hotel. Aber die Belegschaft weigert sich uns die Bestätigung auszustellen. Wir sind sehr genervt. Gerade treten wir aus der Hoteltür, als uns ein Mann anspricht, der eben noch neben uns auf der Wache auf der Bank saß. Er hält uns einen russischen Pass und das gestempelte Formular mit einem triumphierenden „you are never gonna get that stamp“ unter die Nase. Er arbeitet bei der Touristenagentur zwei Häuser weiter. Irgendwie hat er dann doch Mitleid mit uns oder er befürchtet, dass wir es tatsächlich auf eigene Faust schaffen, jedenfalls bietet er uns an, es in zwei Tagen für 25$ für uns zu besorgen. Entnervt und wütend willigen wir ein.

Dein Freund und Helfer

Dein Freund und Helfer

Natürlich wird es dann doch einen Tag später und wir kriegen die Pässe eine halbe Stunde vor Abreise aus HCMC. Aber da wir unseren Typ am Vorabend in der Dunkelheit der Gasse beobachtet hatten, wie er einem hochdekorierten vietnamesischen Polizisten eine Rolle Geldscheine beim Handschlag überreicht hatte, sind wir uns sicher: wir hätten diesen Stempel nie bekommen. Wie zum Hohn steht auf dem Visum: Extension – 10 US-Dollar.

Es bleibt festzuhalten: Es war immer noch billiger, als gleich in Kambodscha ein 90-Tage-Visum zu beantragen und die insights in ein korruptes und machtgeprägtes System waren ebenfalls erhellend, aber es wäre doch wesentlich weniger nervig gewesen, uns gleich dort ein längeres Visum zu holen.

10 US-Dollar - wirklich?

10 US-Dollar – wirklich?

Zu Bildern aus HCMC

Zur aktuellen Karte

 

Wer nicht glaubt, dass es nicht geht – hier der Weg durch den Bürokratendschungel:

A.)

1.)    Dieses Formular ausdrucken, am besten

2.)    Vom Hotel bestätigen/einladen lassen und unterschreiben

3.)    Zur örtlichen Polizei, in unserem Fall hier und stempeln lassen

4.)    Zur Immigration hier gehen und warten (hier könnten Dollar im Pass helfen)

B.) Hierhin (Sunrise Travel) gehen und den Preis runterhandeln auf 25$ pro Person oder weniger (zwei Arbeitstage).

Extending your visa in HCMC/Saigon/Vietnam

A.)

1.)    Print this form and

2.)    Get your hotel to “invite you” to stay longer in Vietnam and sign the form

3.)    Go to local police, in our case it’s here

4.)    Go to Immigration office and wait (some dollar might speed the process up

B.) Go to Sunrise Travel and bargain the price down to 25$ per person or less (two working days).

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2 Gedanken zu “Visa Extension in Vietnam – lessons learned

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