Phu Quoc – Abstecher ins Paradies

Die letzten Kilometer Kambodscha weht uns ein heftiger Gegenwind um die Ohren, so dass wir glauben, die höheren Mächte (Ahnen, Buddha, Jadekaiser, Kokosnussmönch, Hoa Hoa., ) wollen uns davon abhalten nach Vietnam zu kommen. Vielleicht hatten doch die vielen warnenden Stimmen Recht, die uns vor den verschlagenen und abzockenden Vietnamesen gewarnt hatten. Endlich sehen wir zum ersten Mal auf der langen Reise das Meer und können es uns nur schwer verkneifen, länger zu verweilen.

Uferpromenade in Kep - das erste Mal Meer !

Uferpromenade in Kep – das erste Mal Meer !

Aber wir wissen, die Trauminsel wartet und deshalb schleppen wir uns die letzten Kilometer bis zur Grenze, die wir bis auf eine lächerliche medizinische Untersuchung (Selbstausfüllen ob man HIV, Syphilis oder Tb, Fieber oder Durchfall hat mit Hauttemperaturmessung) für 1$ problemlos überschreiten.

Laura greift den Vietkong an

Laura greift den Vietkong an

Kaum in Ha Tien statten wir uns noch mit Dong (nach Baht, KIP und Riel), die vierte und von allen inflationärste Währung aus und werfen unser Gepäck auf die Fähre, die uns nach Phu Quoc bringt.

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Nach zwei Stunden Fahrt sind wir an einem gottverlassenen Pier mit links und rechts stark verschmutztem, aber fantastischen Sandstrand mit Palmen. Wir wissen sofort: hier sind wir richtig und wir bleiben für länger.

Squid Fischer fahren abends auf Fang

Squid Fischer fahren abends auf Fang

Die Hauptstadt Duong Dong liegt am endlosen westlichen Sandstrand und ist eine Mischung aus touristischem Einfluss mit Seafoodam Nachtmarkt, netten Cafés und Restaurants, sowie Souvenirläden und ehrlichem, rauem Fischeralltag. Um den Markt herum leben die Leute wie vor Jahrzehnten in Stelzenhäusern aus Holz und Wellblech und die farbenfrohen, geschwungenen Fischerboote mit Riesenglühbirnen für das nächtliche Squid-Fishing schaukeln ruhig im Fluss der Stadt auf und ab.

schwungvolles Fischerboot

schwungvolles Fischerboot

Den long beach südwärts allerdings drängt sich Resort an Resort und der Strand ist betoniert unterteilt und von Liegestühlen und Schirmen besetzt. Auf unseren Entdeckungstouren über die Insel sehen wir an verschiedenen Stellen leider weitere Zeichen der wohl nicht aufzuhaltenden Entwicklung dieses Kleinods hin zum Phuket Vietnams: riesige Straßenbauprojekte fressen sich in die hügelige Regenwaldlandschaft, Bagger planieren das Hinterland von Stränden, um Resortanlagen dort zu errichten und riesige Müllkippen verstecken den Müll der Tourismusblase leider nur unzulänglich.

Straßenbau frisst sich durch die Insel

Straßenbau frisst sich durch die Insel

Allerdings hat die Insel an den meisten Stellen ein noch fast unberührtes und fantastisches Gesicht. Abgeschiedene Strände, die nur über buckelige Staubpisten erreichbar sind, entschädigen für den weiten Weg durch den dichten Wald. Hier ist man zusammen mit wenig anderen Touristen am gleichen Strand wie die Fischer, die hier ihre Stelzenhäuser im Wasser stehen haben und abends mit einer Seilwinde die vollen Netze an Land ziehen.

Fischer holen ein Netz ein - Sao Beach

Fischer holen ein Netz ein – Sao Beach

Strand auf Phu Quoc

Strand auf Phu Quoc

Ganh Dau Strand

Ganh Dau Strand

In den entlegenen Fischerorten begrüßen uns die Kinder frenetisch und zeigen uns die Bootsanleger und den Strand („swim! Swim!“). Natürlich werden die Räder wieder aufs Genaueste untersucht – besonders begeistern Klingel und Licht. Wir können sie am Ende nur durch einen verwegenen Sprint abschütteln – der Mutigste hängt sich noch ein Stück an die Gepäcktaschen.

unser Empfang in Rach Vemh

unser Empfang in Rach Vemh

Im Hinterland lädt der Da Ban Bach, beziehungsweise sein ausgetrocknetes Flussbett zu einem Moskito-, Schmetterlings- und Vogelgezwitscher-reichen Spaziergang (adventurous trekking with bird watching and extreme nature enjoying) ein.  Tatsächlich sehen wir an mehreren Stellen der Insel hornbills und (angeleihnte) Affen, von denen es wohl auf der Insel über 200.000 (wilde) Exemplare gibt und deren Schreie wir uns auch ab und zu einbilden. Auf einem denkbar ereignislosen forest walk treffen wir zwei Engländer, die mit Trekkinghut, Expeditionshose und grenzenloser Begeisterung über dieses Naturspektakel ein lustiges Bild abgeben.

Hornbill - Szene nachgestellt

Hornbill – Szene nachgestellt

Die Unterwasserwelt und die Schlepperqualitäten der Vietnamesen lernen wir bei einem snorkeling trip kennen. Als erstes hält der Minibus nämlich nicht am Strand, sondern an einer der vielen Perlenfarmen der Insel, wo man (mit ein paar Dollar extra) eifrig einkaufen soll.

Onkel Ho wacht über alles: alle Geldscheine, Schulen und auch Perlenverkauf. Der gute Mann hat viel zu tun

Onkel Ho wacht über alles: alle Geldscheine, Schulen und auch Perlenverkauf. Der gute Mann hat viel zu tun

Schließlich kommen wir am Hafen an, wo der Kapitän erst mal zum Aufwachen ein anderes Boot rammt und dessen Stabilität auf eine echte Probe stellt. Nur um kurz danach bei einer Verkaufsstation für Krabben und Hummer anzuhalten, wo man sein Mittagessen noch (mit ein paar Dollar extra) verbessern kann. Dann dürfen wir eine halbe Stunde eine Angel ins Wasser halten, um genug Fisch für das Mittagessen an Bord zu holen. Ein paar Mal beißt es und Laura kämpft bestimmt zehn Minuten mit einem anscheinend ordentlichen Pfünder, bevor dieser leider von der Angel rutscht. So bleibt es beim Füttern der Rifffische und dem sinnlosen Tod von zwei kleinen Fischen, die wir auf Grund ihrer Jugend wieder ins Wasser entlassen, die aber leider beim kurzen Aufenthalt auf unserem schönen Boot schon verendet sind.

Bai Sao - was soll man da noch sagen

Bai Sao – was soll man da noch sagen

Schließlich dürfen wir zum ersten Mal ins türkise Wasser springen und die tatsächlich sehr lebhafte Fischwelt bei allerdings sehr milchiger Sicht bestaunen. Beim Lunch gibt es als Vorspeise (für ein paar Dollar extra) Seeigel. Das zweite Mal Schnorcheln, die Fahrt über die Inseln an der Südspitze von Phu Quoc  und der Traumstrand Bao Sai machen den Ausflug aber dennoch zu einem sehr schönen Tag auf Phu Quoc.

das rechte Boot hatten wir zuvor 1 Minute lang heftig gerammt - bis auf Kratzer nichts passiert

das rechte Boot hatten wir zuvor 1 Minute lang heftig gerammt – bis auf Kratzer nichts passiert

Phu Quoc ist für dreierlei – angeblich über die Landesgrenzen hinaus – berühmt.

Das erste ist der einheimische Phu Quoc Ridgeback – ein Jagdhund, dessen Fell über der Wirbelsäule gegen den Strich gebürstet ist. Zwei besonders loyale Exemplare hüten am Morgen nach der Nacht im Zelt am Traumstrand unsere Räder und bellen jeden, der sich ihnen nähert erbarmungslos an. Endlich sind wir mal auf der richtigen Seite der Leine!

morgendliches Anfreunden mit den ridgebacks

morgendliches Anfreunden mit den ridgebacks

Laura führt die Hunde zum Morgenspaziergang

Laura führt die Hunde zum Morgenspaziergang

treue Wächter über unsere Räder - endlich meinen es die Vierbeiner gut mit uns

treue Wächter über unsere Räder – endlich meinen es die Vierbeiner gut mit uns

Das zweite ist der Anbau von schwarzem Pfeffer, der an hopfenähnlichen Stangenkonstruktionen im hügeligen Bergland wächst und frisch, intensiv und aromatisch samt Trocknungsprozess zu bestaunen ist. Der lustige Farmer zeigt uns stolz seine Körner, faucht seine gefangenen Leguane und Wiesel an um sie zu necken, demonstriert die von seinem ridgeback erlegten Schlangen im Glas und spendiert uns einen Tropfen Selbstgebrannten – Gott sei Dank sind wir mit dem Rad da!

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vom Phu Quoc Hund erlegt

vom Phu Quoc Hund erlegt

Pfeffer in der Sonne

Pfeffer in der Sonne

Pfefferplantage

Pfefferplantage

Das dritte – und berühmteste ist die Fischsaucenproduktion. Fischsauce ist in der asiatischen Küche wohl so etwas wie das Äquivalent von Salz . Siewird gewonnen durch das monatelange Vergären von Fisch zum Teil mit Salz und Gewürzen, bis sich dieser aufgelöst hat und sich in eine colafarbene klare Brühe mit – oh wunder – fischigem und salzigem Geschmack verwandelt hat. Der Feinschmecker erkennt ganz klar den Unterschied und so schleppen die Einheimischen kanisterweise auf der Fähre mit nach Hause. Für uns ist der Besuch der Fabrik, wo in riesigen Holzfässern der Fermentierungsprozess bei über 40°C abläuft und der resultierende Geruch Erinnerung genug.

in der Fischsaucenfabrik: Nase zuhalten!

in der Fischsaucenfabrik: Nase zuhalten!

Verrückterweise treffen wir am schönsten Strand der Insel ein sehr nettes Medizinstudenten (!!) Pärchen (Theresa und Fabi) aus Lappersdorf (!!) eine Straße über der Goethestraße (!!), die eigentlich nur ihren Rucksack kurz von uns bewachen lassen wollten und dann allerdings liebenswerterweise 3kg Gepäck (Defektes und Überflüssiges) von uns mit nach Hause nehmen. Sachen gibt’s …

Über die Insel

Über die Insel

Insgesamt waren wir nun eine Woche auf Phu Quoc und am letzten Tag am Strand denken wir: es könnte wohl ewig so weitergehen, aber wir reißen uns los, um das Mekongdelta Richtung HCMC (Saigon) zu durchqueren. Der Start in Vietnam war jedenfalls traumhaft, die Menschen größtenteils sehr freundlich, das frische seafood leckerst, die Preise wohl etwas überhöht und die Landschaft atemberaubend. Hoffentlich macht Phu Quoc nicht den zu erwartenden Boom (den wir letztlich leider auch unterstützt haben) durch, denn die stillen und geheimnisvollen Orte drohen durch Beton, Asphalt und Rodung den Reiz der Inselidylle zu verlieren.

Sonnenaufgang aus dem Zelt

Sonnenaufgang aus dem Zelt

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