Prasat Preah Vihear Tempel – dem auswärtigen Amt zum Trotz

Wir befinden uns in der kambodschanischen Prärie 180km nordwestlich von Angkor Wat. Die Stadt Preah Vihear oder Tbeng Menchea, in der wir uns befinden ist eine klassische Durchgangsstadt. Man kommt von Angkor, Kamphon Thom oder Stung Treng – man  geht zu einem der anderen Orte. Hier gibt es nichts zu sehen, zu tun oder zu erleben. Natürlich das authentische kambodschanische Leben, außer einer Seidenfabrik tatsächlich nichts.

110km nördlich allerdings liegt direkt an der Grenze zu Thailand der Tempel Prasat Preah Vihear, der mit seinen atemberaubenden Lage gleich einem Adlerhorst an den Felsen geklammert und faszinierenden Blicken begeistern soll. Außerdem hat der Tempel eine besondere Faszination: er ist vom auswärtigen Amt verboten, da sich die Thais und Kambodschaner um die Lage streiten und sich mehrfach Kämpfe und zuletzt 2009 Scharmützel geliefert haben.

Lintel in Preah Vihear Tempel

Lintel in Preah Vihear Tempel

Zahlreiche aktuelle Tripadvisor und Foreneinträge hatten uns aber davon überzeugt, dass es dort safe sei. Um nicht einen zu großen Umweg auf dem Weg nach Angkor einzulegen wollten wir hierher per Minibus reisen. Wir schlugen in weiser Nachsicht aus den bisherigen Erlebnissen das Angebot eines Scooter für 10$/Tag aus, dass es in Tbeng Menchea gibt und trabten brav um 7 Uhr morgens zum Busbahnhof. Tatsächlich waren wir sofort geködert von einem driver, der um 8 Uhr nach Sra Em (erste 90km) wollte und uns Platz für 5$ im „pick-up“ anbot. Der Pickup hatte Fahrer- und Beifahrersitz, sowie eine Rückbank für drei Leute. Auf die Nachfrage, ob es sich tatsächlich auf einen Platz IM Pickup oder AUF der gewaltigen Menge aufgetürmter Ladung handele, wurde uns versichert: neinnein, bequem auf der Rücksitzbank – puh!

Also frühstückten wir in aller Ruhe, um beim Einsteigen festzustellen, dass der komplette Pickup schon voll Kambodschaner war. Aber a bissl wos geht ollawei und daher rückten die zum Glück schmalen Kambodschaner zusammen und siehe da: mit Luftanhalten, viel Körperkontakt zum Nebenmann und Lächeln (!) gingen alle Türen zu und wir fuhren los. Der Fahrer, zwei Kambodschaner und reichlich Ladung auf dem Beifahrersitz und vier Erwachsene und ein 3-5jähriges Mädchen hinten. Der Fahrer hielt im Ort noch ca. 15 Mal an, um noch kleine Bündel für Leute auf der Strecke unter die Windschutzscheibe zu klemmen. Diese fielen allerdings nach der ersten Bodenwelle auf das Lenkrad und ihn selbst, so dass er sie kurzerhand auf dem Pärchen auf dem Beifahrersitz stapelte.

Zu allem Überfluss hielt der Fahrer dann nach ca. 5km an und verlud einen Koffer auf dem Bündel – uns schwante Übles. Er rutschte beim Wiedereinsteigen ganz nach rechts auf die Handbremse und wir dachten: Oh ne! Oh doch! Und schon quetschte sich die neue Insassin neben ihn auf den Fahrersitz. Neun ist das neue Fünf dachten wir und waren froh, dass der Wagen ein Automatik war, der Verkehr nicht zu dicht und der Driver nur für das Fahren. Achso, ja. Der Driver war auch noch ständig mit Telefonieren, SMSen, Diskutieren mit allen khmersprachigen Insassen, Anhupen von Verkehrsteilnehmern und ständigem Wechseln seiner Karaoke-Videos, die statt Rückspiegel auf einem kleinen TV abgespielt wurden, beschäftigt.

Der Fahrer muss ein Stück zur Seite weichen, denn links neben ihm sitzt noch wer.

Der Fahrer muss ein Stück zur Seite weichen, denn links neben ihm sitzt noch wer.

Trotz allem kamen wir wohlbehalten in Sra Em an und mussten nach harten Verhandlungen ein Motorbike für 15$ besteigen; Teil des Deals war aber, dass wir uns zu dritt mit Fahrer auf den letzten 30km schmal machten. Allerdings hält Kambodscha mit FÜNF Personen (davon vier Erwachsene) den Rekord des zweirädrigen Verkehrs, also sahen wir das entspannt. Natürlich ohne Helm.

Der Tempel selbst ist kostenfrei, allerdings muss man noch einmal auf einen offiziellen Motoradfahrer für die letzten 2km wechseln, der erneut 5$ wollte uns so zerstückelt ist der Weg doch sehr mühsam.

Preah Vihear Temple

Preah Vihear Temple

Oben angekommen ist der Tempel in der Anlage tatsächlich beeindruckend, da er auf eine Bergspitze geklebt ist und sein Heiligstes direkt über einer 500m hohen Abbruchkante sitzt. Jedoch war der in der Trockenzeit herrschende Dunst so dicht, dass man kaum den Ticketschalter direkt unter dem Berg ausmachen konnte. Von Fernsicht keine Rede.

Laura vor dem Dunst

Laura vor dem Dunst

Auf der Anlage hängen allerorts die kambodschanischen Truppen, die den Thai bei Invasion stoppen sollen in den Tarnfarbe-Hängematten. Bei permanentem Bier- und Zigarettenkonsum hält sich die Awareness aber in Grenzen und selbiges galt auch für unser Mitleid. Es wird nämlich aggressiv gestreut, dass der arme Soldat hier für nur 150$/Monat löhnen müsse und die Kambodschaner bringen fleißig Zigaretten, Bier (das wichtigste), Reis, usw. mit um es stets dem ersten (der glückliche!) Soldaten in die Hand zu drücken.

Man sieht die ausgehobenen Schützengräben, Sandsäcke und die in Stellung gebrachten Fernrohre und MGs. Allerdings ist von Kampfstimmung keine Spur. Entspannt wird am Bier gesüppelt und die Soldaten hängen wohl eher aus Nostalgie herum. Viele leben mit ihren Familien um den Tempel herum am Berg. Angeblich sind viele von ihnen ehemalige rote Khmer, die hier ihre letzte Bastion hatten und erst vor einigen Jahren in die kambodschanische Armee integriert wurden.

Sandsackcharme

Sandsackcharme

Zahlreiche Bustouristen aus Thailand sind neben vielen kambodschanischen Touristen und sehr wenigen Falangs ebenfalls auf der Anlage, so dass kaum vorstellbar ist, dass hier irgendwer einen Schuss abgeben könnte ohne erheblichen internationalen Aufruhr.

Fazit: schwer zu erreichen und die Reise ist wohl das Erlebnis. In der Regenzeit, wenn die Sicht besser ist, ist es bestimmt atemberaubend, in der Trockenzeit nur gut.

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