Kambdoscha! Und das erste Mal unvernünftig!

Wir sind in unserem dritten Land angekommen, Kambodscha! Wie schon beim Grenzübertritt nach Laos, haben wir auch dieses Mal spontan am Nachmittag entschieden, noch am selben Tag das Land zu wechseln. Unser Reiseführer hatte uns ein Dorf direkt hinter der Grenze versprochen, sodass wir mit keinerlei Problemen rechneten. Auf dem Weg haben wir noch den schon oben genannten größten Wasserfall Südostasien (und angeblich breitesten der Welt) Khone Phapeng besichtigt. Dieser war so beeindruckend, dass wir uns erst gegen 16.30 Uhr losreißen konnten und um 17 Uhr an der Grenze angekommen sind.

Khone Phapheng Falls

Khone Phapheng Falls

Noch waren wir zuversichtlich, da die Sonne gegen 18 Uhr untergeht und das Dorf 10 Minuten von der Grenze entfernt sein sollte. Allerdings waren die Grenzposten verlassen, sodass wir schon dachten, die Grenze wäre bereits geschlossen. Dann entdeckten wir auf einer Wiese ein paar Männer beim Fußball spielen. Bald kam dann auch der entsprechende Grenzbeamte im Fußballtrikot zu uns hergejogged und gab uns unsere Ausreisestempel für Laos. Da man mehrere Stationen an der Grenze durchlaufen muss und wir offensichtlich während dem allabendlichen Fußballspiel „Laos gegen Kambodscha“ angekommen sind, mussten wir an jeder Station warten bis der jeweilige Beamte vom Feld kam, sodass wir erst gegen 17.40 Uhr weiterfahren konnten.

verschlafener laotischer Grenzposten - wenigsten hatte der Grenzbeamte ein Policeman Fußballtrikot an!

verschlafener laotischer Grenzposten – wenigsten hatte der Grenzbeamte ein Policeman Fußballtrikot an!

Dazu kam, dass niemand das vom Reiseführer beschriebene Dorf kannte, es auf keinem Schild und auf keiner von unseren Karten verzeichnet war und zu allem Überfluss unsere Handy Navigation ausgefallen war. Immer noch frohen Mutes beschlossen wir O’Svay, ein anderes Dorf aus dem Reiseführer, anzusteuern, welches „etwas weiter weg“ laut Reiseführer und laut dem Grenzbeamten rund 10 km weit weg sein sollte. Tatsächlich gab es 5 km nach der Grenze ein Schild, das besagte, dass es noch 11 km bis nach O’Svay seien.

Naja, dachten wir, ganz im hellen schaffen wir es nicht, aber wenigstens in der Dämmerung. Nach 11 km, es dämmerte bereits, stellte sich dann raus, dass die 11 km nur bis zur Abzweigung von der Hauptstraße gemessen waren und von einer wiederum 10 km lange Lehmstraße durch einen Wald abgelöst wurden. Zähneknirschend und mit einem mulmigen Gefühl nahmen wir also die Waldstraße, irgendwann war es dann stockdunkel und ab und wann begegneten wir ein paar kläffenden Hunden, die, wenn man sie erst spät im Schein der Fahrradlampe sieht, nochmal an Bedrohlichkeit hinzugewinnen. Im Hinterkopf, dass Kambodscha ein sehr sicheres Land ist, solange man „natürlich nicht im dunkeln fährt“ und der Radreiseführer etwas von Wegelagerern im Nordosten des Landes berichtet hat, war uns wirklich nicht wohl bei der Sache.

Uns war immer klar, dass wir niemals im Dunkeln fahren werden, da es zu gefährlich ist. Und dann passiert es uns gleich am ersten Tag im angeblich gefährlichsten Teil von Kambodscha!  Nach 10 km kamen wir zum ersten beleuchteten Haus, eine „Bar“, also ein nach vorne offenes Haus mit 2 Billardtischen. Wir fragten, wie weit es noch zum Dorf sei und wo dort ein Homestay (so wie es der Reiseführer versprochen hat), sei. Die erstaunlich gut englisch sprechende Kambodschanerin im undefinierbaren Alter zwischen 17 und 35 erklärte uns breit grinsend: „Here, no have Homestay!“. Verzweifelt versuchten wir es nochmal und fragten, ob es im Dorf irgendwo ein Homestay gäbe, worauf sie wieder fröhlich antwortete: „O‘Svay, no have homestay!“.

Verzweifelung machte sich breit.. Nach einigen beratenden Worten mit den billiardspielenden Jungs verkündete sie: „Oh you can go there (deutet die Straße runter)..“ Auf die Frage wo genau und wie weit es noch sei, antwortet sie nach einigem Zögern und nachdem Toto ihr verschiedene Antwortmöglichkeiten vorgegeben hat (1,2,3 kilometer?) wenig überzeugend: „3 kilometer!?“. Dann plötzlich sagte die in der Ecke sitzende Oma irgendetwas, worauf das Mädchen verkündet: „Oh Sir, you can stay here! Yes, come here, Sir. Come here!“ So kam es, dass wir die Nacht in unserem Zelt hinter einer Billiardbar zusammen mit mindestens 10 Hühnern, 1 Hahn, 3 Hunden und 4 Welpen verbracht haben.

Unser Platz in der kambodschanischen Prärie

Unser Platz in der kambodschanischen Prärie

Geschlafen haben wir nicht so viel. Die Hühner haben gegackert, der Hahn gekräht und mit den Flügeln geschlagen, ein Hund ist die ganze Nacht knurrend um unser Zelt geschlichen und ein Welpe hatte besondere Freude unter das Außenzelt zu kriechen und dann vor Aufregung einen Niesanfall zu bekommen. Noch schlimmer war allerdings die Hitze.  Da zeigt sich, dass unser Zelt eigentlich für arktische Winter ausgelegt ist. Dadurch, dass es nur einen Eingang gibt findet quasi keine Luftzirkulation statt. Das letzte Mal als wir in Thailand gezeltet haben, war es sehr kalt in der Nacht, sodass sich das Problem erst jetzt zeigt. Am nächsten Morgen entdeckten wir, dass es doch eine Lüftungsklappe gibt am anderen Ende, die man aufspannen kann, mal schauen ob das beim nächsten Mal etwas hilft.

Toto versucht zeltknabbernden Welpen zu schimpfen

Toto versucht zeltknabbernden Welpen zu schimpfen

So ist unsere Unvernünftigkeit jedenfalls dann doch noch gut ausgegangen! Wir hatten einen lustigen Abend bei einem uns unbekannten Kartenspiel mit einer Gruppe Kambodschanern, die große Freude daran hatten, wenn wir mal wieder eine falsche Karte gespielt haben. An den Billardtischen haben die Jungs vom Dorf eine nicht verständliche Mischung aus  Billard und Karten um Geld gespielt. Auch Toto wollten sie gleich ermutigen mitzumachen. Zum Glück hat er aber darauf verzichtet Haus und Hof, bzw. in unserem Fall eher Fahrrad und Fahrrad zu verspielen. Alle waren fürchterlich hilfsbereit und nett, einer der Jungs hat sogar geholfen unser Zelt aufzubauen. Gegen 22 Uhr ist der Generator leer gelaufen, sodass dann auch das letzte Haus im Dorf dunkel war und alle den Heimweg angetreten haben.

Am nächsten Tag fanden wir heraus, dass das Dorf keine 3 Kilometer, sondern eher 300 Meter weit weg war, aber es auch hier keinen Hinweis auf ein Homestay gab. Danach sind wir auf dem eher langweiligen Highway 7 bis nach Stung Treng gefahren, wo wir einen Ruhetag machen.

Wahnsinn! Noch mehr Gepäck als wir!

Wahnsinn! Noch mehr Gepäck als wir!

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