Auf das Bolaven Plateau

Heute haben wir das Bolavenplateau erklommen. Bereits ab Khongsedon war die Strecke extrem interessant, da wir statt der Hauptstraße 50km eine dirt road durch den laotischen Dschungel genommen haben. Nach einer Flussüberquerung hatte man den Eindruck, dass die Zivilisation aufhört. In dieser Gegend von Laos wohnen viele Minderheiten, die zu den ärmsten Bewohnern des Landes zählen.

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Die dirt road führte durch einen dichten Dschungel, dessen Dickicht anscheinend in rasendem Tempo wieder die Straße bedroht zuzuwuchern. Die Orte an der Strecke waren sehr ärmlich mit einfachen Holzstelzenhäusern ohne Strom oder fließendes Wasser. Kinder in zerschlissenen Hemden rannten sobald sie uns gesehen hatten hinter uns her und begrüßten uns auf das Freundlichste. In anderen Orten waren die Kinder so verdutzt, dass sie noch nicht mal ein „Falang“ oder „Sabaidee“ herausbrachten und uns nur mit offenem Mund ansahen.

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Es sind die vielen kleinen Momente, die sich niemals mit einer Kamera einfangen lassen, die so eine Straße zu den schönsten Tagen werden lässt. Das Lächeln der Kinder und ihr Winken. Der dunkle Schatten, der plötzlich aus dem Busch kommt und vor dem man Angst hat, bis man merkt, dass es nur ein Hausschwein ist. Die mysteriösen Geräusche aus dem Dickicht links und rechts. Das Ende der Schmerzen, wenn dirt road wieder zu Asphalt wird. Die Pepsi aus der Eistruhe bei 40°C und 95% Luftfeuchtigkeit.

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Vielleicht sind diese Glücksmomente nur im Zustand des starken Unterzuckers, bedenklicher Überhitzung oder Fehlen anderer Ablenkungen zu genießen, aber wir genießen sie hier in vollen Zügen.

Nach der dirt road stand die „weiße Hölle“, wie Flo es immer nennt. Tad Lo: Ein Ort, der von Backpackern für Backpacker gemacht ist. An einer Gruppe kleinerer Wasserfälle gelegen gibt es hier die Dinge, die die Stammesdörfer entweder noch nie, oder nur im Fernsehen gesehen haben. Eiskaffee, Crêpe, westliche Gerichte, Hotels für 50$ (normal in Laos 5-10). Horden von auf Mopeds eingecruisten Abiturienten und Nie-Erwachsenwerdern in Chiang- oder BeerLao-Unterhemden, die sich von einer Oase des westlichen Umgangs zur nächsten Schleppen und die größte Befriedigung aus dem Sermon ihrer bisher durchlebten Abenteuer und den „Ahs“  und „Ohs“ der anderen Unterhemdenträger ziehen. Das weibliche Äquivalent dazu ist das in Pluderhosen gekleidete Rasta-Girl, das sich abends mit seinem sketch-book vor dem Elephant des „elephant riding adventure“ niederlässt, um diesen in Kohle zu fixieren – Foto ist ja soo kommerziell und so (außer Instagram, dessen Account aufs penibelste gepflegt wird).

Vorzüge der weißen Hölle

Vorzüge der weißen Hölle

Das Traurige daran ist, dass sich diese weißen Höllen leider immer an recht schönen Orten befinden und dass wir die Produkte, die diese Hölle ausspuckt durchaus auch genießen, da es außerhalb außer Nudelsuppe oft nichts anderes zu essen gibt. Wir haben allerdings zwei sehr nette französische Radler getroffen, die uns wiederum zum Abendessen mit zwei schweizerischen Radlern einluden. Der Abend war extrem nett und wie oft bei Fahrradfahrern die Persönlichkeiten grundverschieden von den oben skizzierten. Sie konnten uns super Infos zum Fahrradfahren in Nordvietnam und Kambodscha geben.

Am nächsten Morgen flüchteten wir früh aus der weißen Hölle, um über den mühsamen Aufstieg zum Bolavenplateau wieder zurück ins pure Laos zu finden. Die Ortschaften an der Strecke waren extrem ärmlich und waren auch oft von Minderheiten bewohnt. Das Hauptprodukt des Plateaus auf gut 1100 M.ü.N. ist Kaffee, der zu einem guten Anteil auch fair oder biologisch in Kooperation mit westlichen Firmen angebaut wird.

Kaffee vor typischem Stelzenhaus

Kaffee vor typischem Stelzenhaus

mein Haus, mein Kaffee, mein Moped

mein Haus, mein Kaffee, mein Moped

Beim Fotographieren gab es plötzlich 5m neben Laura einen riesen Knall und ein ca. 15jähriger Laote, der offensichtlich von den Falangs zu abgelenkt war, zerbröselte sich mit ca. 60 km/h in der Kurve – natürlich ohne Helm. Zwei Omas (eine mit Baby im Arm) konnten sich nur durch einen großen Sprung retten. Unglaublicherweise war dem Armen nichts außer ein paar Blessuren zugestoßen, die wir dank unseres gut ausgestatteten Notfallkoffers natürlich gleich „fachgerecht“ versorgten – unser chirurgisches Wissen dürfte bekannt sein. Von den anderen Ausgängen derartiger Unfälle zeugen die weißen „Mordmarkierungen“, die man hier auf den Hauptstraßen alle 2km findet.

Mopedunfallmarkierung - alle 2 km

Mopedunfallmarkierung – alle 2 km

Morgen geht es auf dem Plateau noch zu einem weiteren Wasserfall, um dann auf der Westseite des Mekong weiter nach Süden zu fahren.

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