Höllentrip auf dem Scooter durch Ost-Thailand

In Mukdahan angekommen bleibt uns noch ein 5-Tage-Zeitslot in Thailand. Neben dem Visum spricht Lauras erst kürzlich vergangenes Fieber, ihr feuerrotes Auge (eitrige Konjunktivitis) und mein ausgebrochener Zahn (Nussriegel) für einen Verbleib in einem Land mit besserem Gesundheitssystem als Laos.

Wir haben von einer Tempelanlage südwestlich gelesen, die außerordentlich schön sein soll und zu der wir in einer drei-Tages-Tour fahren wollen mit einem Bogen nach Norden.

Wir sind froh, im Ausländercafé von Mukdahan einen Scooter zu finden, der gut aussieht und für 300 Baht/Tag zu haben ist. Wir schlagen sofort zu und können den Scooter abends abholen.

Beim Surfen im Café fällt uns dann auf. Mhm, es sind 350 km EINFACH bis zum Tempel und mit dem Bogen über den Norden wären wir bei knapp 1000 km. Wir überlegen: Haben wir den falschen Tempel eingegeben? Nein. Falsche Route? Nein. Naja, also … 1000 km … auf Landstraßen durch Thailand weit weg von Scooterverleih und Infrastruktur… Dazu muss man wissen, unsere Scootererfahrung beträgt exakt ca. 100km auf Marie-Galante – eine Strecke, die wir in zwei Tagen zurücklegten.

Aber EGAL ! Wir haben das beschlossen, also ziehen wir das jetzt durch. Folglich packen wir alles Gepäck in die Seesäcke, die wir am nächsten Morgen bei der Rezeption deponieren.

Abends holen wir den Scooter ab. Der erste kleine peinliche Moment ist, als wir den Sitz runterklappen und danach nicht mehr wissen, wie man nochmal an Tank und Gepäckfach kommt. Den Vermietern schwant, welche Greenhorns sie da an ihren Scooter gelassen haben. Gott sei Dank gelingt dann das Starten und der Abgang um die nächste Ecke reibungslos, wenn auch weit entfernt von der Thai-Lässigkeit, mit der man sonst hier rumscootert.

Mit gefühlten 60km/h und tatsächlichen 10-15km/h rasen wir durch Mukdahan die 500m bis zum Hotel, wo wir den Scooter über Nacht abstellen.

Am nächsten Morgen regnet es und ist kalt. Wir sind froh, uns also nochmal umdrehen zu können und später zu starten. Wir frühstücken – es kommt uns vor wie eine Henkersmahlzeit. Wir geben das Gepäck ab und lassen die Räder auch im Hotel. Einen kleinen Frontroller klemme ich mir zwischen die Beine. Laura steigt auf und los geht die wilde Fahrt.

Laura fragt mich: Fühlst Du Dich wohl? Ich vermeide eine zu klare Antwort, um die Beifahrer nicht zusätzlich mental zu belasten. Wir zuckeln aus der Hotelausfahrt und reihen uns in den Strom von Scootern, Tuktuks und Autos ein, die rechts an uns vorbeiziehen. Die Schulkinder in den Bussen und am Straßenrand schauen uns mit großen Augen an und lachen wissend, als sie unsere Geschwindigkeit besser abschätzen können. Uns ist klar, so wird das nichts mit 1000km. Unsere große Hoffnung ist der Stadtrand, ab dem hoffentlich eine schnurgrade, bestens asphaltierte Straße ohne Verkehr zum Tempel führen wird.

Endlich (nach 2 km) geht es geradeaus aus der Stadt heraus. Plötzlich schlingern wir und wir merken: Hinterrad platt. Scheisse! Unter der angegebenen Telefonnummer des Verleihs ist niemand erreichbar, also bleibt uns nichts übrig, außer den Scooter mühsam 3km zum Cafe zurückzuschieben.

Reifen platt - so ein Glück!

Reifen platt – so ein Glück!

Die Tuktukfahrer amüsieren sich sichtlich und bieten an, uns in die nächste Werkstatt zu bringen. Wir lehnen dankend ab. Wir beide fühlen, dass dies der „Schuss vor den Bug“ war, um uns vor dem Trip zu bewahren. Als eine Stunde später die Vermietung anbietet, den Roller auszutauschen, lehnen wir dankend ab und sind heilfroh, dass wir das Geld auch zurückbekommen – abzüglich 2,50 wegen plattem Reifen.

Genußvoll nehmen wir ein Cappucino & Crêpe Frühstück ein und freuen uns, dass wir so waghalsige Abenteurer sind, die sogar vor einem 1000km Scootertrip nicht zurückschrecken. Später gestehen wir uns, dass uns der Moment als wir einen Platten hatten, eine unendliche Erleichterung beschert hatte. Als wir nachher auf den Rädern nach Laos weiterrollen fühlen wir uns so sicher – von den Gepäcktaschen beschützt, geradezu gemütlich und unendlich besser unter Kontrolle als auf dem rasenden Scooter.

Zwischen hartem Radler und hartem Scooterer besteht also eine klare Grenze, wie wir jetzt wissen.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Höllentrip auf dem Scooter durch Ost-Thailand

  1. Schreibt weiter, das ist viel interessanter zu lesen als jede Zeitung! Hoffentlich findest Du einen guten Zahnarzt und gute Besserung Lola.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s