Dinner mit General a.D. und pork

Auf der Suche nach einem Abendessen schlenderten wir am Mekong entlang in Bung Khla, um etwas Essbares zu finden. Leider war außer unserem „Resort“ kein Geschäft oder Lokal zu sehen, so dass wir uns dazu entschlossen, die 1,5km vom Ufer entfernte Hauptstraße aufzusuchen. Nach 400m trampten wir kurzerhand auf einem Pickup, um im Abendlicht nicht noch einmal ins Schwitzen zu geraten. An einer Nebenstraße war ein nett aussehendes Restaurant und die Köchin winkte uns freundlich herbei. Sie rief sofort ihren Mann, der sehr gut Englisch sprach.

im Pickup - Fahrt zum Dinner

im Pickup – Fahrt zum Dinner

Er versprach uns irgendein Gericht, was von uns in hungrigem Zustand sofort akzeptiert wurde, obwohl wir nicht zu 100% ausschließen konnten, dass es sich nicht etwa um „pork soup“ handeln könnte (eine thailändische Spezialität, die unsere Herzen noch nicht erwärmen konnte). Tatsächlich kam nach mehreren Saucen dann aber eine Art Fonduetopf, in den man rohes Fleisch, rohes Ei und Kräuter/Gemüse warf, um sie nach einiger Zeit wieder herauszufischen – kurzum: es war wahnsinnig lecker. Dazu gab es außerdem noch Thai-Steak – knusprig und saftig gleichzeitig. Außerdem war die Menge zum ersten Mal in Thailand für ein Radfahrerabendessen ausgelegt und wir konnten selbst den sticky rice nicht aufessen.

Der Inhaber war „Mr. Lui“, wie er sich selbst nannte, ein seit sieben Jahren pensionierter General der thailändischen Armee, der sechs Jahre im Rahmen eines UN-Mandats in Laos stationiert war und mehrfach in Schweden war zum Jagen und offensichtlich Englisch lernen. Er war überaus fürsorglich, interessiert, lustig und freundlich.

Schon während wir noch warteten umkreiste uns ein maligne übergewichtiger Nachbar, der aus seinem glänzenden Chevrolet-Jeep gestiegen war mehrfach und redete – oh

Mr Lui erklärt seine Köstlichkeiten

Mr Lui erklärt seine Köstlichkeiten

ne uns zu grüßen – mehrfach eindeutig mit dem „Fußball“ (=Falang)-Wort auf die Köchin ein. Schließlich redete er auch minutenlang auf uns ein, obwohl wir ihm mehrfach per Gesten und „no thai“ versuchten zu erklären, dass Thai bei uns keine Wirkung erzielen werde. Außerdem blickte er Laura wiederholt mehr als interessiert an. Wir tauften ihn kurzerhand „das Tier mit Schnauze und Ringelschwanz – kurz DS“.  Englisch sprach und verstand DS nicht.

Als unser Essen da war, ließ sich DS kurzerhand von Mr. Lui einen Stuhl bringen und setzte sich ungefragt an unseren Tisch, nicht ohne jede Bewegung mit grimmiger Miene zu kommentieren. Danach nötigte es den armen Mr. Lui, uns zu übersetzen, dass es der Provinz-Gouverneur sei und die komplette Region nach seiner Pfeife tanze. Er stünde in enger Verbindung mit „Miss Yinluck“. Wir nickten artig und ließen es unkommentiert, in der Hoffnung durch Liebesentzug seine Selbstverliebtheit zu bremsen und wieder mit Mr Lui reden zu können. Damit aber nicht genug, er habe ein Waisenkind aus der Verbindung von Exildeutschen mit Thai-Frauen bei sich aufgenommen (vermutlich weil er so gutmütig sei?!).

Wir versuchten immer das Gespräch mit Mr Lui aufzunehmen und redeten mit ihm über seine Jagden in Schweden, die Entwicklung Thailands, die Malariafreiheit der Region seit 15 Jahren, die Tollwutimpfung der Hunde, seine vier Kinder und unsere Reise. Dabei fuhr nach jedem Satz DS Mr Lui über den Mund und befahl ihm zu übersetzen, was geredet worden sei. Als herauskam, dass wir Ärzte seien, klagte DS über wiederkehrende Missempfindungen im Handbereich, die wir folglich abzuklären hätten. Gott sei Dank rettete Mr Lui die Situation und sagte, es komme vom vielen Küssen. Wir lagen unter dem Tisch und DS war not amused.

Als Highlight des Abends schwärmte Mr Lui dann noch von der tatsächlich sonst üblichen Freundlichkeit und „smiling“ der Thais, worauf DS nach Übersetzung) seine Mundwinkel gequält nach oben zog, um seine Mitbürger nicht vollständig der Lächerlichkeit preiszugeben.

Gerne hätten wir noch weiter mit Mr Lui geschwatzt, aber wir suchten dann nach einiger Zeit den Weg zurück und verzichteten auf das Angebot von DS nach Hause gefahren zu werden.

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