Der Mekong-Rolf* *Name geändert

Nichtsahnend halten wir an einem der vielen Getränkestände in einem kleinen Dorf am Mekong, um den morgendlichen Durst und die morgendliche Müdigkeit mit einem Eiskaffee zu löschen. Das erste auffällige ist die „Coffee“-Anschrift, die jedoch auf dem ein oder anderen Stand auch westlich das Produkt anpreist. Als allerdings die Besitzerin besser Englisch spricht als jede der Touristeninformationsdamen werden wir skeptisch …

„Where are you from?“

„Germany!“

„Ah … my husband is German, Rolf* !! He’s from Dortmund!”

“Wow, I’m from Dortmund”

„I’ll get him“

Schnell stellt sich heraus, dass die sehr thai-untypische Besitzerin –  in weißes Leinen gekleidet, goldenes Tuch um die Schultern und tätowierte Augenbrauen – einen deutschen Mann geheiratet hat. Sofort ist sie Feuer und Flamme, uns diesen zu präsentieren.

Wir schlürfen also in Vorfreude unseren Eiskaffee und warten gespannt. Nichts passiert. Wir verzehren unsere mitgebrachten Kekse, die Besitzerin verschwindet wiederholt im Wohnhaus. Anscheinend ist Rolf schwer zu überzeugen. Wir verzehren weitere Kekse. Die Besitzerin entschuldigt sich, Rolf habe gestern bis 1 Uhr Nachts gearbeitet. Wir bestellen noch einen Kaffee und schlürfen diesen.

Nach ca. 15 Minuten zeigt sich Rolf vor dem Erdinger Weißbräu-Schild seines Hauses. Seine zerschlissene Jeans passt hervorragend zu seinem bis zum Bauchnabel seines beachtlichen Bierbauches aufgeknöpften Seidenhemdes und seiner Mallorca-roten Haut, die von tiefen Furchen durchzogen wird. Die Haare liegen geschniegelt nach hinten gegelt über sich kaum öffnenden Augen. Sein Blutdruck beträgt blickdiagnostisch über 210 systolisch.

Der 50m-Weg zu unserem Tisch kosten ihn ca. fünf Minuten. In dieser Zeit holt die Besitzerin Fotoalben, die Rolf und sie in den 80er und 90er Jahren in der Partygesellschaft von Pattaya (Touri-Paradies Südthailand) inmitten eindeutig gekleideter und sich verhaltender Bargirls zeigen. Rolf entschuldigt sich, er habe bis fünf vor dem PC gehangen.

Er erzählt uns dann von seinen Jahren als Restaurant/Café-besitzer in Pattaya, wo er auch seine Frau kennenlernte. Er sei seit zwölf Jahren jetzt durchgehend in Thailand. Thai sprechen braucht Rolf nicht, verstehen tue er leidlich. Seine Frau bringt ihm einen Kaffee. Rolf ohne einen Blick: „Keinen Zucker??!“ – sie zeigt ihm die Zuckertüten direkt vor ihm auf den Tisch.

In den letzten Jahren sei Pattaya nicht mehr auszuhalten gewesen, deswegen sei er jetzt hier am Mekong, wo alles ruhiger sei. Er habe hier sein Moped, fahre über die Felder, die aus Laos geschmuggelten Zigaretten kosten 2 Euro/Stange – mehr brauche er nicht.

Immer wieder springt das Thema etwas. Für die aus Bangkok mitgebrachte Klimaanlage habe er noch keinen gefunden, der sie einbaue  –  „Wie lange leben sie hier?“ „Sieben Jahre“. Heute werde es regnen. Im Radio kommt, dass in Vientiane ein Restaurantchef gesucht werde – vielleicht werde er sich in den nächsten Jahren bewerben.

Die Kaffeestandbesitzerin wuselt die ganze Zeit emsig um uns herum, macht Fotos von uns mit ihrem Mann, erzählt von ihren Bekanntschaften in der Verwaltung, falls wir ein Laos-Visum cheap bekommen wollen und ringt uns den Schwur ab, uns unbedingt wieder zu melden, wenn wir in Laos wieder in der Gegend sind. Sie beklagt, dass ihr Mann ihr kein Deutsch beibringe und ihr nichts von Deutschland erzähle.

Laura blättert wie wild in den Partybildern, um Blickkontakt zu vermeiden. Irgendwann zahlen wir, um weiterzukommen. Nicht ohne seine E-Mailadresse (p*rn*.cafe@beispiel.com) auf ein Papier geschrieben und mit ernster Miene überreicht. Als wir schon auf den Rädern sitzen fragt uns Rolf noch, warum wir mit den Rädern durch Thailand fahren.

Verstört, halb mitleidig, halb entsetzt verlassen wir die Szenerie und brauchen eine Weile um das Endstadium des Thai-Casanovas zu verkraften.

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